Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave: "Neue Profiloberstufe an Gymnasien für eine bessere Grundbildung und bessere Startchancen in Studium und Beruf"

"Schule ist im Wandel. Bildung ist nicht statisch, deshalb muss Schule immer in Bewegung sein. Das gilt auch für die Gymnasien und die gymnasialen Oberstufen an anderen Schularten. Mit dem neuen Schulgesetz stellen wir die Weichen für eine grundlegende Reform der gymnasiale Oberstufe." Mit diesen Worten präsentierte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute das dritte Eckpunktepapier zur geplanten Schulgesetznovelle.

23.11.2005 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Die Reform hat drei zentrale Elemente:

  • Die Einführung zentraler Abitursprüfungen ab dem Schuljahr 2007/08.
  • Die Einführung der Profiloberstufe ab 2008/09.
  • Die Verkürzung der Schulzeit an Gymnasien auf zwölf Jahre ab 2008/09 mit Jahrgangsstufe 5 aufsteigend.

Erdsiek-Rave erinnerte an das gute Abschneiden der Gymnasien im Land bei der jüngsten PISA-Studie. "Das ist ein gutes Signal. Aber keineswegs ein Grund, die Hände in den Schoß zu legen oder die Reformanstrengungen auf die anderen Schularten zu konzentrieren. Es gibt noch viele Herausforderungen, gerade auch im Gymnasialbereich", so die Bildungsministerin. Als Beispiele nannte sie die im Bundesvergleich geringste Zahl an Kindern, die ein Gymnasium besuchen, die hohen Quoten von Klassenwiederholungen und Schulartwechseln in Schleswig-Holstein und die soziale Auslese im Schulsystem.

Als einen wichtigen Grund für die geplanten Reformen nannte Erdsiek-Rave die Forderungen von Wirtschaft und Wissenschaft nach einer vergleichbaren Grundbildung, um einen besseren Anschluss zum Studium bzw. zur Berufsausbildung zu gewährleisten. Sie ergänzte weiter: "Der Trend in fast allen Bundesländern geht eindeutig zu einer Gymnasialschulzeit von zwölf Jahren. Die beabsichtigten Veränderungen erlauben es auch, bei zurückgehenden Schülerzahlen gymnasiale Oberstufen im ländlichen Raum zu erhalten", so die Ministerin.

Ute Erdsiek-Rave betonte, sie wolle die im Koalitionsvertrag vereinbarten Reformen nicht über Nacht einführen, sondern durch intensive Vorbereitung und im Dialog mit den Betroffenen umsetzen. "Wir starten mit dem Einstieg ins Zentralabitur im Schuljahr 2007/08 und die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur am Gymnasium beginnt in dem Jahrgang, der 2008/09 in die 5. Klasse wechselt, und wächst mit diesem Jahrgang auf. Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen uns: Gründlichkeit bei solch weitreichenden Veränderungen der Strukturen gehen vor Schnelligkeit."

Die Bildungsministerin stellte klar, dass die neue Profiloberstufe nicht einfach die Rückkehr zum Klassenverband sei. Die neue Struktur schaffe mit den zentralen Fächern Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache, die in festen Lerngruppen durchgehend mit vier Wochenstunden belegt sein müssen, klare Vorgaben. Dazu komme ein Profilfach, das ebenfalls mit vier Wochenstunden belegt werden muss. Die Schülerinnen und Schüler erhalten durch das Angebot von Fächerprofilen, weiteren zu wählenden Fächern und einer eigenständig zu gestaltenden "besonderen Lernleistung" nach wie vor individuelle Wahl- und Gestaltungsmöglichkeiten. "Ich sage ganz deutlich, dass wir die Wahlfreiheit im Vergleich zum bisherigen Kurssystem einschränken aber nicht völlig abschaffen", so Erdsiek-Rave. Sie verwies darauf, dass schon im gültigen Kurssystem wegen geringer Jahrgangsgrößen vielerorts keine großen Wahlmöglichkeiten mehr bestünden.

Ute Erdsiek-Rave: "Bei der großen Reform des Gymnasialbereichs geht es aber nicht nur um Strukturfragen. Wir wollen, wie in anderen Schularten auch, die Unterrichtskultur verändern. Innovative Lehr- und Lernformen, individuelle Förderung und Durchlässigkeit von Bildungsgängen werden die zentralen Ziele aller schulischen Arbeit werden." Die Arbeit mit individuellen Lernplänen, ein offener, binnendifferenzierender sowie fächerübergreifender Unterricht seien Instrumente, um diese Ziele zu erreichen. Mit Einführung der G8 sollen sich Klassenwiederholungen und Schulartwechsel an die Realschulen auf wenige Ausnahmen nach der Orientierungsstufe beschränken. Die Schulen bekommen die Möglichkeit, die Stundentafel im Rahmen der vorgegebenen Gesamtstundenzahl viel flexibler als bisher zu gestalten.

Die Bildungsministerin hob hervor, dass das Ministerium in den vergangenen Wochen bereits viele Gespräche mit Schülern, Lehrkräften und Verbänden zur konkreten Ausgestaltung der Reform geführt habe und sie dies auch weiterhin tun wolle. Es gäbe viele Fragen im Detail, die erst nach intensiver Diskussion geklärt werden könnten. Erdsiek-Rave: "Ich habe große Interesse an einem umfassenden Dialog."


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