Lehrer-Schüler-Verhältnis keine realistische Planungsgröße

"Frau Diezel zeigt mit ihrem Vorschlag, bei den Lehrern im Freistaat erneut den Rotstift ansetzen zu wollen, dass Sie von Bildungspolitik keine Ahnung hat," so die Reaktion von Jürgen Röhreich, Landesvorsitzender der GEW Thüringen auf entsprechende Meldungen in Thüringer Tageszeitungen (13.09.06). "Wer sich seriös mit Bedarfsplanung in den Schulen beschäftigt weiß, dass kleine Klassen und viele Lehrer, also das Lehrer-Schüler-Verhältnis keine realistische Planungsgröße sind", so Röhreich weiter.

13.09.2006 Thüringen Pressemeldung GEW Thüringen

Solange das Thüringer Schulwesen Jahr für Jahr Tausende Schüler ohne Schulabschluss entlässt und dazu noch Analphabeten produziert, ist es mehr als abenteuerlich, bei Lehrerstellen sparen zu wollen. Zu fragen ist natürlich, wie effektiv Lehrer eingesetzt werden. Die GEW schlägt vor, in der Schuleingangsphase erfahrene Lehrkräfte als Zweitbesetzung in Klassen einzusetzen, um rechtzeitig und individuell Fördermaßnahmen zu verwirklichen. Auch An Regelschulen und Gymnasien könnten Zweitbesetzungen hilfreich sein.

Der Schülerrückgang in Thüringen dient der Landesregierung schon lange als Begründung für den Stellenabbau im Lehrerbereich. Bereits über 10.000 Lehrerstellen sind seit 1995 gestrichen worden. In den Grundschulen steigen die Schülerzahlen wieder langsam an, die Zahl der Lehrerstellen nicht, d.h. Frau Diezels Wunsch nach vollen Klassenzimmern erfüllt sich auch ohne erneuten Stellenabbau. An Grundschulen, Förderschulen und Berufsbildenden Schulen werden Anträge auf Altersteilzeit seit vorigem Jahr konsequent abgelehnt, weil Lehrer fehlen!

Die gestern veröffentlichte OECD Studie "Bildung auf einen Blick 2006" belegt erneut, dass das Deutsche Bildungssystem, auch das Thüringer, freundlich ausgedrückt auf der Stelle tritt. Wann werden die durch alle internationalen Studien belegten Tatsache, dass unser Bildungswesen dringend reformiert werden muss, von verantwortlichen Politikern endlich ernst genommen? Wozu entwickeln GEW, Thüringer Beamtenbund und Kultusministerium gemeinsam Vorstellungen zur künftigen Personalentwicklung, wenn Lehrer in den Augen der Finanzministerin nur da sind, um abgebaut zu werden?

Auch Frau Diezel sollte den Abschlussbericht der Enquetekommission "Erziehung und Bildung für Thüringen" einmal lesen und ernst nehmen, schließlich hat sie die Kommission bezahlt. "Es ist ein großer Fehler, die falsche Finanzpolitik der letzten Jahre zu Lasten von Lehrern und damit von Schülern korrigieren zu wollen. Schuldenfrei aber dumm, das ist keine Perspektive für die Kinder und Jugendlichen im Freistaat Thüringen", sagte Röhreich abschließend.

Ansprechpartner

GEW Thüringen

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