Olbertz zur Aktuellen Debatte im Landtag: Soziale Herkunft und Bildungskarriere

Zu heutigen aktuellen Debatte im Landtag über den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungskarrieren sagte Kultusminister Olbertz: "Es ist ein Unterschied, ob man zur Bewertung der Chancengleichheit die jeweils besuchte Schulform heranzieht oder die festgestellten Schülerleistungen ins Verhältnis zur sozialen Herkunft setzt. Dann haben z.B. Migrantenkinder in Bayern nach wie vor die besten Chancen, und die soziale Selektivität ist am wenigsten ausgeprägt."

11.11.2005 Sachsen-Anhalt Pressemeldung Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt

Wenn man Bildungserfolg, wie von der SPD und der PDS dargelegt, auf die besuchte Schul-form reduziere, anstatt ihn an das erreichte Leistungs- und Kompetenzniveau zu knüpfen, "bleibt nur noch, Gymnasien generell als gute Schulen anzusehen und Sekundarschulen als schlechte". Daraus folge zwangsläufig, dass man den Besuch der Sekundarschule als Indiz für mangelnde elterliche und schulische Förderung nimmt. "Das aber diskreditiert alle Eltern, die ihre Kinder auf die Sekundarschule schicken, die Schülerinnen und Schüler selbst und nicht zuletzt die Lehrerinnen und Lehrer, die sich dort mit großem Engagement um die Förderung der Schülerinnen und Schüler kümmern".

Im Anschluss an ein möglicherweise schlechtes Abitur und eine mangelnde schulische Förderung der eigentlichen Potenziale, so der Minister, sei die Auslese – etwa durch das Selbstauswahlrecht der Hochschulen oder im Wettbewerb um die attraktivsten Ausbildungsplätze – "mit Sicherheit viel härter als eine kluge Differenzierung nach dem Grundsatz der bestmöglichen Förderung eines jeden Kindes durch den gewählten Bildungsgang".

Die derzeitige Übergangsquote von 43% der Grundschüler an die Gymnasien zeige, dass in Sachsen-Anhalt eine große Zahl von Schülerinnen und Schülern – keineswegs nur aus dem Bildungsbürgertum – den Weg zum Abitur einschlägt. Dessen ungeachtet bleibe die Aufga-be bestehen, den Anteil von Kindern aus Arbeiterfamilien an den Gymnasien und später an den Hochschulen zu erhöhen. "Trotzdem ist es mir lieber, darüber nachzudenken, wie man relativ hohe Kompetenzen weiter ausbauen und mit den entsprechenden formalen Berechti-gungen verbinden kann, als darüber, wie man vergleichsweise niedrige Kompetenzen mit möglichst hohen Abschlüssen koppeln kann", so der Minister.

Insgesamt bestärke ihn das gute Abschneiden Sachsen-Anhalts bei den Schülerleistungen in dem Ansatz, "an den Schulen die individuelle Förderung weiter zu verbessern und eben-so durchdachte wie beherzte Maßnahmen gegen das Zurückbleiben zu ergreifen". Dazu gehörten der Bildungsplan für die Kindergärten, die flexible Schuleingangsphase, die kompetenzorientierten Lehrpläne, Projekte für benachteiligte Schülerinnen und Schüler, z.B. das Produktive Lernen, und nicht zuletzt auch die Ganztagsförderung.


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