PISA und Berlin: Wo bleibt die langfristige Perspektive?
Senator Böger hat in einem Pressegespräch am 03.11.2005 über die speziellen Berliner Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie berichtet. Die GEW BERLIN warnt davor, die Ergebnisse für Schnellschüsse und Profilierungen einzelner Bundesländer zu missbrauchen. Dafür sind die Ausgangsbedingungen zu uneinheitlich.
03.11.2005 Berlin Pressemeldung GEW BerlinDie Vorsitzende der GEW BERLIN, Rose-Marie Seggelke: "Berlin belegt in einigen Bereichen hintere Plätze. Das ist wegen der Ballung von sozialen Problemen in dieser Stadt nicht überraschend. Es gilt, die Ergebnisse ruhig zu analysieren; plakative Schlagzeilen wie ´Berlin wieder Letzter´ o. ä. helfen nicht weiter. Wenn Berlin eine prozentual größere Anzahl von Schülerinnen und Schüler zum Abitur bringt als andere Bundesländer, so ist das ein erfreuliches Ergebnis und spricht für die Fähigkeiten der Lehrkräfte in dieser Stadt, auch SchülerInnen mit schlechteren Ausgangsbedingungen entsprechend zu fördern."
Die GEW BERLIN unterstützt die Ankündigungen des Senators, auf die frühkindliche Bildung, vor allem die Sprachförderung, weiterhin einen Schwerpunkt zu legen. Auch den Zielen der methodisch-didaktischen Verbesserung des Unterrichts und der Sicherung und Entwicklung der Schulqualität wird niemand widersprechen wollen.
Rose-Marie Seggelke: "Diese Ankündigungen bleiben aber weiterhin nur auf dem Papier, wenn sie nicht umgesetzt werden können. Und die Praxis spricht leider eine andere Sprache: Wir sehen aktuell, dass gerade die Reformen im Grundschulbereich wegen der unzureichenden Personalausstattung nicht greifen können. Unterrichtsausfall statt Ganztagsbetreuung und Förderung - das ist vielerorts leider die Realität."
Die GEW BERLIN vermisst in den Ausführungen des Senators allerdings die langfristige Perspektive. Sämtliche internationalen Studien weisen darauf hin, dass integrierte Systeme den gegliederten Systemen vorzuziehen sind, weil in ihnen den verschiedenen Ansprüchen, Fähigkeiten und Bedürfnissen des Einzelnen besser Rechnung getragen werden kann. Die Berliner Schule braucht beides:
- Lehrerinnen und Lehrer, die besser in den Stand gesetzt werden, mit Heterogenität umzugehen (und das bedeutet auch Ressourcen für Fortbildung und eine Verminderung der sonstigen Arbeitsbelastung),
- und Schritte zur Überwindung des gegliederten Schulsystems.
Man kann im einzelnen noch so viele positive kleine Schritte angehen, das ist alles wichtig und richtig. Wenn man aber die Perspektive der Überwindung des gegliederten Schulsystems dabei nicht im Auge behält, werden die kleinen Schritte Stückwerk bleiben.
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