Wieder mehr Schulen geschlossen als ursprünglich geplant - Privatschulen schießen wie Pilze aus der Erde
"Auch zum Ende dieses Schuljahres steht das Schulsystem Sachsen-Anhalts wieder vor einer heftigen Belastung, die weit größer sein wird, als uns das Landesverwaltungsamt weismachen will", sagte zwei Tage vor Ferienbeginn GEW-Landeschef Thomas Lippmann.
13.07.2005 Sachsen-Anhalt Pressemeldung GEW Sachsen-AnhaltDie Bildungsgewerkschaft konstatiert dabei, dass in den letzten 12 Jahren bereits zwei Drittel der Sekundarschulen geschlossen wurden, obwohl sich die Schülerzahl in dieser Zeit nur knapp halbiert habe. Durch die staatlich verordnete Beschleunigung und Ausweitung des Massensterbens in der Schullandschaft Sachsen-Anhalts werden allein zum kommenden Schuljahr 17 Sekundarschulen und 7 Grundschulen mehr geschlossen, als die Schulträger in ihren Planungen ursprünglich beschlossen hatten.
Zugleich schießen Privatschulen wie Pilze aus dem Boden, mit denen Elterninitiativen und Vereine versuchen, sich den Folgen der Schulschließungspolitik der Landesregierung zu entziehenen und weiterhin ortsnahe Schulalternativen anzubieten. Allein seit dem Inkrafttreten der entsprechenden Verordnung im Schuljahr 2000/01 hat sich die Anzahl der Schulen in freier Trägerschaft von damals 27 auf derzeit 54 verdoppelt, wobei hier vor allem der Grundschulbereich für Privatschulgründungen interessant ist. Hier hat sich die Zahl im genannten Zeitraum von 11 auf 34 verdreifacht. Der Trend hält bei Fortführung der Schließung staatlicher Schulen offensichtlich an und erfasst neben den Gymnasien in zunehmendem Maße jetzt auch den Bereich der Sekundarschulen.
"Auch diese Schulen werden aber letztlich wie die öffentlichen aus Steuermitteln des Landes finanziert. Dieses schizophrene Agieren der verantwortlichen Schulpolitiker verschärft die bildungspolitischen Probleme in Sachsen-Anhalt, die uns mit den Ergebnissen der Länderstudie PISA 2003 in den nächsten Tagen wieder vor Augen geführt werden." bemerkte Lippmann.
Auch die vom Landesverwaltungsamt in der Öffentlichkeit verbreitete Erfolgsmeldung über eine planmäßig Vorbereitung des neuen Schuljahres und einen reibungslosen Schuljahresbeginn, ist aus Sicht der GEW deutlich zu relativieren. Die wesentliche Entlastung kommt allein daher, dass mit den bisher gemeldeten ca. 2.800 Personalmaßnahmen der Umfang der notwendigen Personalbewegungen zum kommenden Schuljahr nur etwa halb so groß ist, wie im letzten Jahr. Es gibt zwar kein personalpolitisches Chaos wie 2004 aber es ist längst nicht alles in "trockenen Tüchern".
Es stehen noch viele Hundert Einzelmaßnahmen über diese 2800 hinaus zur Entscheidung an, die sich für die Unterrichtsversorgung notwendig machen. Allerdings sollten diese Versetzungen, Abordnungen und Einstellungen längst abgeschlossen sein, damit alle Lehrkräfte mit dem heutigen Tage ihre Einsatzverfügungen in den Händen halten und die Schulen ihr Einsatzplanungen beenden können.
"Vielfache Veränderungen des Einsatzes von Lehrkräften und Pädagogischen Mitarbeiterinnen sind also auch in diesem Jahr leider wieder über die gesamte Ferienzeit und weit bis in die ersten Schulwochen des neuen Schuljahres hinein zu erwarten." konstatierte Lippmann enttäuscht.
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