46 Prozent der 14 bis 30-Jährigen in Baden-Württemberg sind ehrenamtlich aktiv
Der Ehrenamtsbeauftragte der Landesregierung, Kul-tusstaatssekretär Georg Wacker, präsentiert die Ergebnisse des zweiten Freiwilligensurvey zum bürgerschaftlichen Engagement Wacker: "Junge Generation ist bereit, Verantwortung zu übernehmen" Südwesten bleibt bundesweit Spitzenreiter in Sachen Ehrenamt.
24.08.2006 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg"Mehr als je zuvor sind die jungen Menschen im Land bereit, Verantwortung zu übernehmen." Dies sagte der Ehrenamtsbeauftragte der Landesregierung, Kultusstaatssekretär Georg Wacker MdL, am Donnerstag (24. August) in Stuttgart bei der Vorstellung der Ergebnisse des zweiten Freiwilligensurvey 2004 zum bürgerschaftlichen Engagement. Die länderbezogene Auswertung der von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Studie hat für Baden-Württemberg ergeben, dass 46 Prozent der 14 bis 30-Jährigen im Land eine ehrenamtliche Aufgabe in einem Verein, einer Gruppe oder Organisation wahrnehmen. Das bedeutet ein Plus von sie-ben Prozent im Vergleich zur ersten Befragung aus dem Jahr 1999.
Auch bei der Gruppe der Schülerinnen und Schüler sowie bei jungen Menschen in der Ausbildung kann ein Anstieg der Engagementquote verzeichnet werden – von 45 Pro-zent auf 49 Prozent. Der positive Trend bei der jungen Generationen ist Wacker zufolge Teil eines "mehr als erfreulichen Gesamtbildes". Derzeit sind 42 Prozent (1999: 40 Prozent) der Bevölkerung Baden-Württembergs in ihrer Freizeit freiwillig und unent-geltlich engagiert.
Das sind 4,5 Mio. Bürgerinnen und Bürger des Landes. Im Ländervergleich rangiert der Südwesten damit an erster Stelle vor Hessen und Rheinland-Pfalz (jeweils 39 Prozent). Baden-Württembergs Frauen haben bei der Engagementquote aufgeholt und liegen jetzt mit den Männern gleichauf bei 42 Prozent. 1999 lag der entsprechende Wert für die Frauen bei 37 Prozent.
Am häufigsten engagieren sich die Baden-Württemberger in dem Bereich "Sport und Bewegung". 1999 und 2004 übernahmen jeweils 15 Prozent der Menschen im Land eine Aufgabe in diesem Tätigkeitsfeld. Im Vergleich zu 1999 ergeben sich Zuwächse in den Bereichen "Kultur und Musik" (von sechs auf neun Prozent) und "Schule und Kin-dergarten" (von fünf auf acht Prozent) sowie im "sozialen Bereich" (von vier auf sieben Prozent). Das Potenzial für ehrenamtliches Engagement im Land ist dabei immer noch nicht ausgeschöpft. 19 Prozent der Engagierten können sich vorstellen, ihre Aktivitäten auszudehnen. Und von denjenigen, die noch keine ehrenamtliche Aufgabe ausüben, sind zwölf Prozent (1999: neun Prozent) zu einem freiwilligen Engagement "bestimmt bereit". Motiviert zur Aufnahme eines Ehrenamtes werden die Baden-Württemberger vor allem durch den Wunsch, die Gesellschaft mitzugestalten (67 Prozent), und durch das Bedürfnis, mit anderen zusammenzukommen (62 Prozent).
"Das Ehrenamt ist im Südwesten so lebendig, weil es in allen Teilen der Bevölkerung fest verwurzelt ist", betonte Wacker. Er verwies darauf, dass 51 Prozent der Engagierten angegeben haben, dass sie von den Leitungskräften ihres späteren Vereins für eine ehrenamtliche Tätigkeit gewonnen worden seien. Bereits geschaffene und über Jahrzehnte gepflegte Strukturen seien somit maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Ehrenamt funktioniert und immer wieder neuer Nachwuchs gewonnen werden könne. "Jetzt zahlt sich auch aus, dass die Landesregierung das Ehrenamt kontinuierlich unterstützt hat", meinte der Ehrenamtsbeauftragte. Mut für die Zukunft mache ihm auch, dass die Engagementquote in städtischen Kerngebieten von 41 Prozent im Jahr 1999 auf 47 Prozent im Jahr 2004 gestiegen ist. "Von dem oft beschworenen Kollaps ehrenamtlicher Strukturen in den Zentren kann nach diesem Ergebnis keine Rede sein."
Besonderen Wert legt der Kultusstaatssekretär auf die Bedeutung der "Schulen als Brücke in das Ehrenamt". In diesem Zusammenhang verwies er auf die Schülermentorenprogramme. Die dabei praktizierte Kooperation mit Verbänden und Vereinen ebne den Jugendlichen den Weg zum ehrenamtlichen Engagement. Die Ergebnisse des Freiwilligensurvey zeigten, dass die Mentorenprogramme offenbar Früchte tragen würden. Die Bandbreite der Angebote reicht von Sport und Verkehrserziehung über Umweltschutz und kirchliche Jugendarbeit bis hin zu Musik und Bildender Kunst. Der Ehrenamtsbeauftragte gab bis zum Schuljahr 2007/08 das Ziel von dann insgesamt 20.000 Mentorinnen und Mentoren aus. Als "erfreulich" hob Wacker die zunehmende Bedeutung der Schulen und Kindergärten als Orte ehrenamtlichen Engagements hervor. Die Landesregierung könne also nicht falsch mit ihrem Ansatz liegen, wenn sie, als Ergänzung zu den Hauptamtlichen, auch auf ehrenamtliche "Jugendbegleiter" für den Ganztagsbetrieb an Schulen setze.
"Das Ehrenamt macht aus Baden-Württemberg ein Land, das menschliche Wärme, Geborgenheit und Solidarität ausstrahlt", bilanzierte Wacker. Im Namen der Landesregierung dankte Wacker den ehrenamtlich Tätigen für ihr Engagement und zollte den Bürgerinnen und Bürgern des Landes für ihre Gemeinwohlorientierung "höchsten Respekt und große Anerkennung". Er bezeichnete es in diesem Zusammenhang auch als "bemerkenswert", dass laut Freiwilligensurvey für 80 Prozent der ehrenamtlich Engagierten in Baden-Württemberg die Frage nach der Höhe der Aufwandsentschädigung von untergeordneter Bedeutung ist. Unterstützung für bestimmte Projekte und die Anerkennung durch die Öffentlichkeit seien offenbar wichtiger.
Mit dem zum zweiten Mal durchgeführten Ehrenamtswettbewerb "Echt gut" greife die Landesregierung den Wunsch nach öffentlicher Würdigung erneut auf. Die Landesre-gierung unterstütze das Ehrenamt auch mit finanziellen Mitteln. Im laufenden Jahr stehen insgesamt 74,6 Mio. Euro zur Verfügung. Zuschüsse erhalten u.a. der Sport, die Jugendförderung, Angebote der ehrenamtlichen Hausaufgaben-, Sprach- und Lernhilfen, Integrationsmaßnahmen, das Freiwillige Soziale Jahr sowie ehrenamtliche Aktivitäten im Umwelt- und Naturschutz. Wacker kündigte außerdem an, Ende des Jahres zu allen Fragen des Ehrenamtes im Rahmen einer telefonischen Hotline Rede und Antwort zu stehen. Damit entspreche er einer Forderung der bereits Engagierten, die sich für alle Bürger mehr Information und Beratung zum Thema Ehrenamt wünsch-ten.
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