Ab in den Süden!
(bikl) Glücklich die Schüler und Eltern, deren Wohnsitz im Süden der Republik liegt. Das könnte man jedenfalls aus der Studie "Gleichwertige Lebensverhältnisse im Bundesgebiet?" schließen. Die beiden Essener Bildungsforscher Klaus Klemm und Rainer Block haben die Ergebnisse dieser Untersuchung heute in Berlin während der Veranstaltung "PISA verstehen" der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vorgestellt.
08.07.2005 ArtikelÜberdurchschnittliche Einkommen
Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und - mit Abstrichen - Rheinland-Pfalz bieten demnach in Deutschland die besten Rahmenbedingungen für das Lernen in der Schule. Die Begründung der Forscher dafür: Die im bundesweiten Vergleich niedrigen Arbeitslosenquoten, die starke Wirtschaftskraft, der hohe Bildungsstandard der Bevölkerung und entsprechend überdurchschnittliche Einkommen in diesen Bundesländern.
Stadtstaaten uneinheitlich
Zur Gruppe zwei mit mittleren und niedrigeren Werten bei den Rahmenbedingungen zählen die Länder Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und das Saarland. Ein uneinheitliches, zum Teil widersprüchliches Bild, so die Wissenschaftler, zeige sich bei den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg. Als Beispiel für die Stadtstaaten stellten die Wissenschaftler Hamburg vor: In den Schulen der Hansestadt lernen überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Hamburg bietet seinen Kindern eine unterdurchschnittliche Zahl von Kindergärten an, erteilt zugleich sehr viel Unterricht in durchschnittlich großen Klassen. Trotzdem ist die Hansestadt mit 46,4% Spitzenreiter bei der Quote der Absolventen mit Fachhochschulreife und Allgemeiner Hochschulreife. Eine Erklärung: Die Schüler und Schülerinnen stammen aus durchschnittlich wohlhabenden und überdurchschnittlich qualifizierten Elternhäusern, unter denen der Anteil von Empfängern öffentlicher Hilfen durchschnittlich groß ist.
Schlusslicht: Östliche Bundesländer
Und schließlich bestätigten die Bildungsforscher mit ihrer Untersuchung vorhandene Befürchtungen: Die ungünstigsten Bedingungen herrschen nämlich in den östlichen Bundesländern. Trotz kleiner Klassen und der besten Versorgung mit Kita-Plätzen lägen alle anderen Daten (zum Teil weit) unter dem Bundesschnitt. Es gibt allerdings auch Lichtblicke: Die Länder Sachsen und Thüringen hätten bereits begonnen, sich deutlich von dieser Gruppe abzusetzen.
Kluft zwischen den Bundesländern
"Wenn Schulentwicklung nicht nur von der Qualität des Unterrichts, von den Modalitäten der Steuerung des Schulsystems und von seiner Struktur abhängt", so die Autoren in ihrer Studie, "sondern auch von demografischen Voraussetzungen, von regionalen Arbeitsmärkten, von wirtschaftlichen Rahmendaten und deren Niederschlag in der Ausstattung der Schulen sowie vom familialen Hintergrund der Schülerinnen und Schüler, dann tut sich zwischen den günstiger und den eher ungünstig ausgestatteten Ländern Deutschlands heute schon eine breite Lücke auf, die angesichts der Unterschiede bei den wirtschaftlichen Rahmendaten zwischen den Spitzenländern und den ihnen folgenden Ländern größer zu werden droht." Ihr Fazit: "Von der 'Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse´ entfernen sich Deutschlands Regionen immer mehr - nicht nur in der Ost-West-, sondern auch in der Nord-Süd-Dimension."
Links:
- Studie: "Gleichwertige Lebensverhältnisse im Bundesgebiet?" (im .pdf-Format)
- Pressemittelung der GEW auf bildungsklick.de
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