Bildungskongress "Kinderleicht lernen" in Stuttgart mit 1.500 Teilnehmern eröffnet
Kultusminister Helmut Rau MdL hat die individuelle Förderung als Leitprinzip baden-württembergischer Bildungspolitik bezeichnet. Bei der Eröffnung des Bildungskongresses "Kinderleicht lernen" am Montag (12. November) in Stuttgart sagte Rau: "Wer es mit der Chancengerechtigkeit ernst meint, muss dafür sorgen, dass alle Kinder gute Startvoraussetzungen für ein selbst bestimmtes Leben erhalten." An dem eintägigen Kongress nehmen mehr als 1500 Erzieherinnen und Erzieher sowie Grundschullehrkräfte teil. Verschiedene Vorträge und insgesamt 26 Foren stehen auf dem Programm. Im Rahmen einer Pressekonferenz informierten Rau und der Göttinger Professor Marcus Hasselhorn über erste Evaluationsergebnisse des Projekts "Schulreifes Kind".
12.11.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg"Baden-Württemberg hat ein ineinander verzahntes Konzept im Bereich der frühkindlichen Bildung entwickelt", hob der Kultusminister hervor. Der Orientierungsplan für Kindergärten und der Bildungsplan für die Grundschulen seien aufeinander abgestimmt und richteten die pädagogische Arbeit an den Potenzialen der Kinder aus.
"Der Orientierungsplan bildet die Grundlage der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Eltern, Kindergarten und Schule. Je enger wir das Netzwerk der Zusammenarbeit knüpfen, desto größer werden die Chancen für jedes Kind auf eine optimale Entwicklung", erklärte der Minister. Am Ende dieser Entwicklung könne überall im ganzen Land eine Kooperation nach dem Vorbild der Bildungshäuser entstehen. An 20 neuen Modellstandorten werde derzeit die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschulen so eng miteinander verzahnt, dass eine durchgängige Bildungseinrichtung für Drei- bis Zehnjährige entstehe. Zentrales pädagogisches Strukturelement seien gemeinsame Lern- und Spielzeiten in einrichtungsübergreifenden Gruppen. "Wenn wir von längerem gemeinsamem Lernen sprechen, dann ist das Bildungshaus der richtige Ort dafür. In den frühen Jahren werden die Weichen für eine gelingende Bildungskarriere gestellt", sagte Rau.
Einen wesentlichen Bestandteil der Förderkonzeption des Landes stellt nach den Worten des Kultusministers das Projekt "Schulreifes Kind" dar. Es setze dort an, wo der Förderbedarf eines Kindes über die Möglichkeiten des Orientierungsplans hinausgehe. Eine spezielle Förderung für Kinder mit erheblichen Entwicklungsdefiziten sei unabdingbar. Dies könne nicht im alltäglichen Betrieb der Kindergärten geleistet werden. Zu den Fördermaßnahmen gehören beispielsweise Sprachförderung, die Schulung der Feinmotorik und Übungen zur Förderung der Konzent¬rationsfähigkeit. "Die Rückstellung vom Schulbesuch verletzt Kinder in ihrem Selbstwertgefühl und lähmt ihre Motivation. Wir müssen dafür sorgen, dass für Kinder der Bildungsort Schule von Beginn an mit positiven Gefühlen besetzt ist." Rau sieht in dem Projekt auch eine gute Chance, um die Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund durch gezielte Sprachförderung deutlich zu verbessern und dadurch erfolgreiche Integrationsarbeit zu leisten."
Die von Professor Dr. Marcus Hasselhorn von der Universität Göttingen, Professor Dr. Wolfgang Schneider von der Universität Würzburg und Professor Dr. Hermann Schöler von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg geleitete Wissenschaftliche Begleitung des Projekts "Schulreifes Kind" beinhaltet auch dessen Evaluation. In einem ersten Schritt wurden die Akzeptanz und Qualität der "Runden Tische" an den 50 Modellstandorten auf den Prüfstand gestellt. An alle Personen, die an den "Runden Tischen" teilgenommen haben, wurden Fragebögen versandt. Dazu zählen neben den Eltern die Erzieherinnen und Erzieher, Grundschullehrkräfte sowie weitere Fachleute aus den Frühförderstellen und dem Gesundheitsdienst. Ergibt die Einschulungsuntersuchung einen Förderbedarf, berät und entscheidet der "Runde Tische" darüber, welche konkrete Fördermaßnahme in Frage kommt.
"Als Fazit der Befragung können wir festhalten: Das Konzept des 'Runden Tisches' hat bei allen Befragten hohe Akzeptanz gefunden und wird als kompetent wahrgenommen", betonte Professor Dr. Marcus Hasselhorn. 90 Prozent der Befragten hätten die Vermittlung von Informationen am "Runden Tisch" als gut bis sehr gut eingeschätzt, 89 Prozent beurteilten das Gesprächsklima als angemessen und 90 Prozent gaben an, gut mit den anderen Teilnehmern zusammenarbeiten zu können. 86 Prozent der Befragten seien mit der Gestaltung und den Ergebnissen der Beratungen zufrieden. Kultusminister Rau bezeichnete die Ergebnisse als "klare Bestätigung unserer Konzeption". Diese sei auf eine intensive und funktionierende Kooperation aller Beteiligten ausgelegt. Der "Runde Tisch" habe sich als "Bindeglied zwischen Diagnose und Fördermaßnahme bewährt", so der Minister. Derzeit nehmen insgesamt 592 Kindergärten und 265 Schulen an dem Modellprojekt "Schulreifes Kind" teil.
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