Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave: "2.300 Mädchen und Jungen erhalten intensive Sprachförderung vor der Schule"

"Ich freue mich sehr darüber, dass Schleswig-Holstein seine Sprachförderung vor und in der Schule weiter ausbauen kann. Nach den vorgezogenen Schuleingangsuntersuchungen haben wir in den vergangenen Monaten erfolgreich im Zusammenspiel der Schulämter, Kindertageseinrichtungen und Grundschulen die Vorbereitungen für den Ausbau der Sprachförderung organisiert." Mit diesen Worten zog Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute in Lübeck eine erste Zwischenbilanz.

13.01.2006 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Im Rahmen der Weiterentwicklung des integrativen Sprachförderkonzeptes starten zum 16. Januar erstmals landesweit rund 300 Kurse zur Sprachintensivförderung "SPRINT". Diese richten sich an Kinder mit deutscher oder nichtdeutscher Erstsprache, für die beim Einschulungsgespräch ein Sprachförderbedarf festgestellt wurde. "Wir erreichen mit diesen Kursen 2.300 Mädchen und Jungen. Damit haben wir erstmals eine verlässliche Zahl über die Kinder, die gefördert werden müssen. Wir nutzen die Monate bis zum Schulbeginn, um ihnen die Kenntnisse der deutschen Sprache zu vermitteln, die sie für einen erfolgreichen Schulbesuch brauchen", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave.

Erstmals wurde landesweit bei den vorgezogenen Einschulungsgesprächen der rund 28.000 Kinder, die zum Schuljahr 2006/07 die Grundschule besuchen sollen, der Sprachstand beobachtet und bewertet. Ergaben sich dabei Hinweise auf Sprachdefizite, erfolgte eine zweite Untersuchung mit Fachkräften, um den Sprachstand der Kinder genauer einzuschätzen. Wurden die Defizite bestätigt, greift das Projekt "SPRINT".

"SPRINT" bietet diesen Kindern eine intensive Sprachförderung in den Monaten zwischen Einschulungsuntersuchung und Schulbeginn. Diese Förderung umfasst über einen Zeitraum von 20 Wochen täglich bis zu zwei Stunden Sprachförderung in kleinen Gruppen (6-10 Kinder oder weniger) und wird entweder in einer Kindertageseinrichtung oder einer Schule angeboten. Nach jetzigem Stand werden 75 Prozent der Kurse in Kindertageseinrichtungen und 25 Prozent in Schulen stattfinden. Gefördert werden die Kinder von qualifizierten Erzieherinnen und Erziehern, Lehrkräften mit Deutsch als Zweitsprache und anderen Fachkräften. Am Ende der Kurse wird der Sprachstand erneut bewertet und die Kinder, die weitere Unterstützung brauchen, erhalten in den Grundschule weitere Sprachförderung.

Von den 2.300 Kindern, die zwischen dem 16. Januar und dem 15. Februar 2006 in den rund 300 Kursen landesweit ihre Sprachkenntnisse verbessern, sind nach derzeitigen Erkenntnissen rund 80 Prozent Kinder mit einem Migrationshintergrund und 20 Prozent der Kinder kommen aus Familien mit Deutsch als Erstsprache. Bildungsministerin Erdsiek-Rave: "Diese Zahlen zeigen, dass auch immer mehr Kinder aus spracharmen Familien intensive Förderung brauchen. Doch nicht nur die Schule ist gefordert, diese Situation zu verbessern. Die Eltern und das soziale Umfeld müssen aktiv mitmachen und die Kinder unterstützen."

Darüber hinaus wird die Sprachheilförderung für Kinder mit besonderen Sprachauffälligkeiten und Sprachstörungen in den Kindertageseinrichtungen erheblich intensiviert. So können Sprachheilkräfte der Förderzentren zusätzlich rund 200 Kitas versorgen. Damit wird rechnerisch etwa die Hälfte aller Kitas in Schleswig-Holstein erreicht. Zu den vorhandenen 60 Stellen kommen in diesem Jahr 20 weitere hinzu, bis zum Jahr 2010 werden es 120 sein. Während in den vergangenen Jahren rund 6.000 Kinder jährlich gefördert werden konnten, sollen in diesem Jahr rund 1.500 mehr erreicht werden.

Erdsiek-Rave: "Auch die allgemeine Sprachförderung für alle Kinder, die eine Kita besuchen, wird ausgebaut. Ab diesem Jahr kommen zu den landesweit vorhandenen rund 4.000 qualifizierten Erzieherinnen und Erziehern neue hinzu. Jährlich werden 500 neue Fachkräfte ausgebildet, damit wenigstens in jeder der 1.635 Einrichtungen eine fortgebildete Kraft arbeitet, die die Sprachförderung verantwortlich betreut."

Für all diejenigen Kinder, die auch nach der Sprachintensivförderung bis zum Schulbeginn weitere Hilfe benötigen, werden die Angebote für Sprachförderung in den Schulen weiterentwickelt und qualitativ verbessert.

Die Landesregierung finanziert das Projekt in 2006 mit drei Millionen Euro und in den folgenden Jahren mit jeweils sechs Millionen Euro. Ab 2007 ist vorgesehen, dass neben den SPRINT-Angeboten im halben Jahr vor der Einschulung präventive Sprachförderung bei Kindern mit Sprachdefiziten in den Kitas bereits früher angeboten werden.

Die Bildungsministerin sieht nach der Startphase die vorschulische Sprachförderung auf gutem Wege. "Mit diesen Angeboten sind wir einen großen Schritt weiter. Wir werden die Ergebnisse sorgfältig analysieren und weiter verbessern. Damit geben wir vielen Kindern, die Probleme haben, bessere Startchancen für den Schulbeginn."


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