Schwierige Kinder? „Es liegt nie am Kind. Kinder haben immer einen guten Grund“
In dieser Folge spricht Martin Stengel mit Andrea Tures über ihr Buch „Das schwierige Kind?“ Es geht um den Umgang mit herausforderndem Verhalten, strukturellen Veränderungen – und den Mythos des „normalen“ Kindes.
28.08.2025 Bundesweit Artikel Martin StengelAndrea Tures ist akademische Rätin und Herausgeberin des Buchs „Das schwierige Kind? Herausforderndem Verhalten professionell begegnen.“ Gemeinsam gehen wir der Frage nach, warum Kinder oft vorschnell als „schwierig“ abgestempelt werden, wie Fachkräfte und Eltern mit herausforderndem Verhalten umgehen können und welche strukturellen Veränderungen es braucht. Ein Gespräch über Missverständnisse, Rauchmelder-Kinder und die Fragen, warum wir vom Mythos des „normalen“ Kindes wegkommen müssen.
Das Gespräch führte Martin Stengel am 28. Juli 2025.
Hier finden Sie eine kostenfreie Leseprobe des Buchs „Das schwierige Kind? – Herausforderndem Verhalten professionell begegnen – in Krippe, Kita und Grundschule“
Martin Stengel: Frau Tures, ich würde gern einmal mit dem Buch einsteigen. „Das schwierige Kind?“ ist tatsächlich auch ein wenig herausfordernd für mich gewesen, weil es ja keine Aussage ist, die Sie im Titel treffen, sondern eine Frage, die Sie stellen. Und ich hoffe, ich habe das auch einigermaßen auf der Tonebene rübergebracht. Mich würde interessieren, warum denn der Titel als Frage formuliert ist?
Andrea Tures: Ja, vielen Dank. Das ist ein sehr guter Einstieg und ich bin Ihnen auch sehr dankbar, weil wir hier ja im Podcast sind, dass Sie das Fragezeichen so deutlich mitgelesen haben. Denn es ist eben nicht „das schwierige Kind!“. Im Sinne von „Da ist ein Kind, das ist hochproblematisch, das ist schwierig, das ist verhaltensauffällig, das ist gestört“. Das ist aber gleichzeitig die Aussage, die in uns gestressten, herausgeforderten Erwachsenen, egal ob wir Eltern sind oder pädagogische Fachkräfte, vielleicht so als erstes, im ersten Impuls hochkommt: dass wir das Problem beim Kind sehen, wenn wir herausgefordert sind, wenn wir belastet sind durch Elternschaft oder im pädagogischen Alltag der Kita oder auch der Schule.
Und das Buch legt quasi da genau den Finger in die Wunde und geht mal der Frage nach „Was fordert uns denn überhaupt heraus?“ Denn, das sehen wir auch in den Studien, die ich hier an der Uni durchführe, das ist nicht immer das Gleiche. Während in einer Kita ein Verhalten als besonders herausfordernd wahrgenommen wird, ist genau dasselbe Verhalten vielleicht in der Kita zehn Minuten entfernt gar kein Problem
Martin Stengel: Was wäre denn so ein konkretes Beispiel für herausforderndes oder schwieriges Verhalten? Ist das schon der Wutausbruch bei einem Kind? Oder, dass es vielleicht leicht abzulenken ist, sich nicht konzentrieren kann? Oder gar, wenn Kinder anfangen zu schlagen? Also, wo ist die Grenze zwischen einem „normalen Kind“ und dem „schwierigen Kind“ mit dem Fragezeichen dahinter? Kinder sind ja einfach erst mal herausfordernd. Das muss man denen ja auch zugestehen können, finde ich
Andrea Tures: Genau. Also ich glaube, der Punkt ist die Situation. […]
Das komplette Gespräch finden Sie auf Spotify, Apple und Deezer.
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