Die Familienoffensive der Landesregierung gefährdet frühkindliche Bildung

In vielen Reden, bei allen Anlässen verkündet die Landesregierung, dass sie die Familien und die Vereinbarkeit von Familien und Beruf in den Mittelpunkt aller ihrer Bemühungen stellt. Aber wie sieht die Realität aus? Mit der Familienoffensive und den angekündigten Gesetzesänderungen im Bereich der Kindertagesstätten zeigt sich die Landesregierung alles andere als familienfreundlich. Jetzt wird es immer deutlicher, dass es hauptsächlich darum geht, im Bereich der Kindertagesstätten Geld einzusparen. Damit wird aber gegen die Interessen der Familien gehandelt, die auf verlässliche und qualitätsgerechte Angebote zur Erziehung, Bildung und Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind.

12.07.2005 Thüringen Pressemeldung GEW Thüringen

Welche Folgen befürchtet die GEW Thüringen für den Kindertagesstättenbereich?

  • Die Kürzung der Landeszuschüsse für Kindertageseinrichtungen wird eine erhebliche Verteuerung der Elternbeiträge für Kindertagesstättenplätze nach sich ziehen.
  • Bei einer Verschlechterung des Betreuungsschlüssels wird es Qualitätseinbußen bei der Erfüllung des Bildungsanspruches und ein Wegfall von vielen ErzieherInnenarbeitsplätzen geben. In der Folge werden kleine Kitas im ländlichen Raum schließen müssen. Damit entstehen weitere Wege für Eltern und Kinder. Einige werden dann keine Kita mehr besuchen können, wenn die Einrichtung mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gut erreichbar ist.
  • Sollten, wie geplant, die Betreuungszeiten von 10 Stunden auf 9 Stunden gekürzt werden, ist für viele Eltern eine Ganztagsbeschäftigung nicht möglich, wenn eine große Distanz zwischen Wohnort, Kita und Arbeitsplatz liegt.
  • Noch größere finanzielle Schwierigkeiten werden auf die Kommunen zukommen, wenn das Land ihnen eine Mehrbelastung aufbürdet, um sich selbst finanziell zu entlasten.
  • Die Integration von behinderten oder von Behinderung bedrohten Kindern in Kindertagesstätten wird verhindert, falls diese besondere Förderung wegfällt oder reduziert wird.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Thüringen fordert die Landesregierung auf, endlich die Interessen der Kinder und Eltern ernst zu nehmen und den in der Fachwelt geforderten Ausbau der Kindertagesbetreuung in Angriff zu nehmen. Durch die angekündigten Gesetzesänderungen und die damit verbundenen Einsparungen im Kitabereich wird die geplante Einführung eines Bildungsplanes von 0 - 10 Jahren ad absurdum geführt.

Mit ihrer Kampagne "Kuemmern.de" will die CDU den Kontakt zu den Bürgern suchen, um ihnen die "Segnungen" ihrer Politik besser nahe zu bringen und die Meinungen der Menschen in Thüringen erfahren. Das tatsächliche Handeln der von ihr getragenen Landesregierung zeigt, dass sie an den Meinungen nicht wirklich interessiert ist. Weiterhin beteuert der Kultusminister in einer Pressemitteilung vom 8.07.2005, dass er die Kindertagesstätten auf Zukunftsfähigkeit hin prüfen will - durch die Familienoffensive der Landesregierung haben viele Kindertagesstätten keine Zukunft.

Zeichen: 3038

Für Anfragen steht zur Verfügung: Jürgen Röhreich, Tel.: 0361-59095-12.

Ansprechpartner

GEW Thüringen

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