Flickenteppich Sprachförderung

"Die bisherigen Konzepte zur Sprachförderung ähneln einem Flickenteppich. Dringend benötigt wird ein ganzheitliches Konzept, denn es ist inakzeptabel, dass Kinder als Versuchskaninchen missbraucht werden", sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Montag (02.06.) in Stuttgart.

02.06.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg werden bereits vierjährige Kinder bei Sprachstandserhebungen getestet. Experten sehen solche Tests kritisch, wenn sie nicht von einer ständigen Sprachförderung für alle Kinder ab dem Beginn der Kindergartenzeit begleitet werden. Die Erhebungen stehen auch deshalb stark in der Kritik, da sie von Außenstehenden durchgeführt werden sollen und die Kinder sich in der ungewohnten Situation nicht wie im vertrauten Umfeld verhalten. Das kann zu einer Verfälschung des Ergebnisses führen.

Wissenschaftler/innen setzen sich dafür ein, Sprachdiagnose und -förderung inhaltlich und personell zu verbinden. Dies bedeutet, dass eine neue Arbeitsorganisation in den Einrichtungen und eine andere Gestaltung der Arbeitszeit erforderlich werden. Die GEW macht sich außerdem für ein einheitliches Sprachförderungskonzept an Kindertageseinrichtungen und Schulen stark.

"Es sollte bedeutend mehr Zeit für Beobachtung und Dokumentation, für Elterngespräche und Fortbildung aufgewandt werden. Die bessere Fortbildung der Erzieherinnen steht für uns an erster Stelle. Man sollte ihnen mehr Zeit einräumen, damit sie die Kinder in Alltagsituationen besser beobachten können, denn damit ist eine gezielte Förderung gewährleistet", sagte Moritz.

Drei Millionen für Sprachförderung

Die Landesstiftung stellte für das Sprachförderprogramm "Sag´ mal was" seit 2003 jährlich fünf bis sechs Millionen Euro bereit. In spätestens zwei Jahren soll damit aber Schluss sein. Wer dann zahlen soll, ist ungeklärt, sowohl Kommunen als auch das Land sehen den jeweils anderen in der Pflicht.

"Während andere Bundesländer wie Hessen oder Rheinland-Pfalz Mittel für die Sprachförderung aus dem Landesetat bereitstellen, sieht Ministerpräsident Oettinger zuallererst die Kommunen in der Pflicht. Es darf nicht vom Zufall abhängig sein, ob ein Kind in einer Gemeinde lebt, die in Sprachförderung investiert, oder ob es sprach- und damit bildungslos bleibt", sagte Moritz.

In das Sprachförderprogramm "Sag´ mal was" der Landesstiftung sind seit 2003 rund 30 Millionen Euro geflossen, um Erzieherinnen fortzubilden, Bücher zu kaufen oder zusätzliches Personal einzustellen. Jährlich 120 Stunden intensiven Sprachunterricht erhalten Kinder mit Förderbedarf in den letzten beiden Kindergartenjahren. Gefördert werden zwei Drittel Ausländer und ein Drittel Deutsche.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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