Gemeinsame Konferenz der Wissenschaftlichen Begleiter aller Projekte der frühkindlichen Bildung
"Die Arbeit in den Bildungshäusern ist geprägt von gegenseitiger Offenheit und stellt für die Kinder eine echte pädagogische Bereicherung dar. Damit alle unsere Projekte im frühkindlichen Bereich voneinander profitieren können und bestens aufeinander abgestimmt sind, werden wir kommenden Februar alle Wissenschaftler zu einer gemeinsamen Konferenz bitten", sagte Kultusminister Helmut Rau am Montag (6. Oktober) in Stuttgart. Dabei steht der Austausch über den jeweiligen Sachstand der Projekte im Vordergrund, der die Vernetzung der wissenschaftlichen Begleituntersuchungen unterstützen soll.
06.10.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergDas Projekt "Schulreifes Kind" wird in der wissenschaftlichen Begleitung von Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, Universität Frankfurt, Professor für Psychologie mit dem Schwerpunkt Bildung und Entwicklung und stellvertretender Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung, geleitet. Prof. Hermann Schöler, Leiter des Studiengangs "Frühkindliche Bildung und Elementarbildung" an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und Prof. Wolfgang Schneider aus Würzburg (Schwerpunkte u.a. Leseforschung, Prävention von Lese- Rechtschreibschwäche, Einfluss des Fernsehens auf die Entwicklung von Sprach- und Lesekompetenzen) sind ebenfalls an dieser wissenschaftlichen Begleituntersuchung beteiligt.
Das Projekt "Schulreifes Kind" hat zum Ziel, Entwicklungsverzögerungen bei Vorschulkindern frühzeitig zu erkennen und durch gezielte Fördermaßnahmen auszugleichen. Im Rahmen der wissenschaftlichen Untersuchung wird evaluiert, wie Erzieherinnen mit der Diagnose von Förderbedarf umgehen, wie die Planung von Maßnahmen an den Runden Tischen verläuft und wie die Wirksamkeit der Fördermaßnahmen und -modelle unterstützt werden kann.
Im Frühjahr dieses Jahres wurde bei 806 Kindern eine Entwicklungsstandserhebung durchgeführt. Geschulte Mitarbeiterinnen aus der Gruppe der wissenschaftlichen Begleitung haben an 28 Standorten mit insgesamt 63 Kindergärten diejenigen Kinder untersucht, die nächstes Jahr eingeschult werden. Die Untersuchungen wurden in den Kindergärten innerhalb einer Woche an zwei bis drei Tagen durchgeführt und dauerten jeweils 20-30 Minuten. Erfasst wurden vor allem die Bereiche der Entwicklung, die für einen erfolgreichen Eintritt in die Schule bedeutsam sind wie die Sprachentwicklung, spezifische Fertigkeiten für den Schriftsprach- und den frühen Mathematikerwerb sowie die Fähigkeit zum logischen Denken und das Konzentrationsvermögen.
Prof. Dr. med. Harald Bode, Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin Ulm, Sozialpädiatrisches Zentrum und Kinderneurologie hat die Evaluation der neukonzipierten Einschulungsuntersuchung durchgeführt. Bereits im Vorfeld stand Prof. Dr. Bode in engem Kontakt mit Prof. Hasselhorn und seinem Team. Zusammen mit Dr. Monika Brunner von der Universitätsklinik Heidelberg evaluierte Prof. Bode die neue Einschulungsuntersuchung in 10 Stadt- und Landkreisen. Das Gutachten der Wissenschaftler bestätigt, dass der gewählte Einsatzzeitpunkt der neuen Einschulungsuntersuchung im vorletzten Kindergartenjahr richtig ist. Anregungen der Wissenschaftler, wie beispielsweise die Durchführung einer Befragung der Erzieherinnen, wurden durch das Ministerium für Arbeit und Soziales aufgegriffen und in der im November startenden flächendeckenden Einführung berücksichtigt.
Die wissenschaftliche Begleitung bei der Einführung des Orientierungsplans für die Kindergärten wird von Prof. Dr. Edeltraud Röbe und Prof. Dr.Iris Füssenich, beide von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und Prof. Dr. Norbert Huppertz von der Pädagogischen Hochschule Freiburg betreut. Über 1000 Kindergärten hatten sich im Januar 2006 beworben, an der dreijährigen wissenschaftlichen Begleitung teilzunehmen. Ausgewählt wurden 30 Kindergärten nach Trägerproporz, die seit Juni 2006 intensiv begleitet werden. Einbezogen sind 200 Erzieherinnen und Erzieher sowie 2 400 Kinder. Eingesetzt wird eine Kombination aus Beobachtungs-, Foto- und Filmdokumentationen und einer schriftlichen Befragung zu Beginn und am Ende der Erprobungsphase. Der Fragebogen soll Erwartungen aufzeigen, mögliche Verständnisschwierigkeiten bei der Umsetzung des Orientierungsplans identifizieren und Raum für Verbesserungsvorschläge lassen. Die Begleitung vor Ort schließt ein Coaching mit ein. Die Kindergärten, die nicht berücksichtigt wurden, konnten an einer schriftlichen Befragung teilnehmen. Damit verbunden war eine Auswertung und Rückmeldung durch das Wissenschaftlerteam der beiden Pädagogischen Hochschulen. Die Wissenschaftler haben außerdem aus den rund 7 500 Kindergärten eine repräsentative Stichprobe von 700 Kindergärten gezogen. Sie werden auf freiwilliger Basis evaluiert.
Das Modellprojekt "Bildungshaus für Drei- bis Zehnjährige" wird vom Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) in Ulm unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer zunächst vier Jahre lang wissenschaftlich begleitet. Die wissenschaftliche Begleitung, die dieses Jahr im September begonnen hat, konzentriert sich auf fünf Bereiche: Coaching und Prozessbegleitung der Einrichtungstandems, Entwicklung- und Bildungsmaterialien sichten, sammeln, entwickeln, prüfen, zur Verfügung stellen, Entwicklung der einzelnen Kinder, Qualitätsentwicklung der Einrichtungen und auf der Ebene der Träger: a. Motivation und Erwartungen sowie b. Kostenanalyse (Ökonomische Begleitforschung). Die Kosten für die vierjährige wissenschaftliche Begleitung trägt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Sie belaufen sich auf 4,17 Mio. Euro.
Mit der Verzahnung von Kindergärten und Grundschulen zu Bildungshäusern an 33 Standorten im Land eröffnet sich eine neue Dimension in der frühkindlichen Förderung. "Unser Ziel ist es, Kindern eine kontinuierliche und bruchlose Entwicklung ihrer Bildungsbiografie zu ermöglichen", sagte Rau. Die Zusammenarbeit von Kindergärten und Grundschulen wird so intensiviert, dass eine durchgängige Bildungseinrichtung für Drei- bis Zehnjährige entsteht. Zentrales pädagogisches Strukturelement sind einrichtungsübergreifende Lern- und Spielzeiten in jahrgangsgemischten Gruppen. Entwicklungsberichte bieten Ansatzpunkte für gezielte Fördermaßnahmen. "Je individualisierter die Bildungs- und Entwicklungsverläufe gestaltet werden, desto seltener werden Kinder von der Einschulung zurückgestellt", sagte der Kultusminister. Die Standorte werden vom Land mit drei zusätzlichen Anrechungsstunden pro teilnehmende Grundschulklasse unterstützt.
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