Thüringen

GEW Thüringen: "Beim Kita-Ausbau auf das Wesentliche konzentrieren: Rechtsanspruch mit Qualität"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder (CDU) gemahnt, sich beim Kita-Ausbau auf das Wesentliche zu konzentrieren. "Es geht um zwei Punkte. Erstens muss der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz 2013 ohne Wenn und Aber umgesetzt werden. Zweitens muss die Qualität von Bildung, Erziehung und Betreuung verbessert werden. Die zwei Milliarden Euro, die das unsinnige Betreuungsgeld jährlich verschlingen wird, müssen in den weiteren Ausbau und die Qualität von Kindertagesstätten investiert werden", sagt Torsten Wolf, Vorsitzender der Bildungsgewerkschaft in Thüringen.

30.05.2012 Pressemeldung GEW Thüringen

Obwohl sich Thüringen, dank der Initiativen von Eltern, Beschäftigten und der GEW mit dem neuen Kita-Gesetz in seiner Betreuungsquote, den Standards in der frühkindlichen Bildung und Erziehung sowie den sächlichen Bedingungen verbessert hat, hat der Freistaat im ostdeutschen Vergleich durchaus noch Entwicklungspotenzial.

Insgesamt besuchten 46,9 Prozent aller Kinder unter 3 Jahren in Thüringen eine Kindertages-einrichtung. Davon verweilten 76,12 Prozent länger als sieben Stunden in den Einrichtungen, was die Bedeutung der Kitas bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstreicht.

Bei der Betreuung der Über-3-jährigen zeigt sich für Thüringen im Jahr 2011 sich folgendes Bild:

Bei den Über-3-jährigen zeigt sich, dass Thüringen nach Rheinland-Pfalz die zweitbeste Betreuungsquote hat. Den Spitzenplatz in dieser Altersgruppe nimmt Thüringen bei der Betreuung von über sieben Stunden ein.

In Thüringen gab es in den letzten zehn Jahren einen besorgniserregenden Trend zur Auslagerung der Kitas von öffentlichen Trägern (Gemeinden und Städte) hin zu freien Trägern (AWO, Parität, DRK, Caritas, Diakonie usw.). Wurden 2002 noch 41 Prozent der Erzieherinnen und Erzieher nach dem TVöD bezahlt, so waren dies im Jahr 2011 nur noch 31,8 Prozent. Hinzu kommt, dass die Tarifverträge der freien Träger, in aller Regel mit christlichen Gewerkschaften abgeschlossen, bis zu 40 Prozent unter den Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes liegen. Unter diesen schwierigen tariflichen Bedingungen ist der Beruf der/des Erzieher/in kaum noch attraktiv.

Das Zehn-Punkte-Programm verschärft die Probleme der frühkindlichen Bildung statt sie zu lösen. Jahrelang haben Politik und Arbeitgeber sich dagegen gesträubt, den Erzieherberuf attraktiver zu gestalten. Die Gehälter entsprechen bei Weitem nicht den Anforderungen und der langen Ausbildungszeit. "Junge Frauen und Männer schrecken auch deshalb vor dem Beruf zurück, weil ihnen zumeist nur befristete Teilzeitstellen angeboten werden", erläutert Wolf. Von dem damit zu erzielenden Gehalt von rund 1.200 Euro könne man den Lebensunterhalt nicht bestreiten. Eine Lösung sei, die befristeten Erzieherstellen in dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse umzuwandeln, Teilzeitstellen zu Vollzeitstellen aufzustocken und Erzieherinnen aus der Familienphase zurückzuholen.

Jegliche Absenkung qualitativer Standards wie den Einsatz von unausgebildeten Hilfskräften und die Verschlechterung des Personalschlüssels lehnt die GEW ab.

Für Rückfragen steht Ihnen Torsten Wolf unter 0151-14806071 zur Verfügung.

Ansprechpartner

GEW Thüringen

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