Kindergartenbesuch bekämpft Sprachprobleme

"Mit dem Rückzug des Landes aus der Co-Finanzierung der Elternbeiträge für Kindergartenplätze handelt die Landesregierung kurzsichtig" erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). "Dies zeigt eine Studie der Universität Mannheim, die den engen Zusammenhang zwischen der Dauer des Kindergartenbesuchs und der Schulfähigkeit belegt."

22.08.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Für diese Studie wurden in den Jahren 2000 bis 2005 in Osnabrück insgesamt 8.101 Schuleingangsuntersuchungen ausgewertet. 2.047 davon waren Kinder mit Migrationshintergrund. Die Auswertung der Daten hat gezeigt, dass es bei diesen Kindern einen engen Zusammenhang zwischen der Dauer des Kindergartenbesuchs und der Beherrschung der deutschen Sprache gibt. Von den Kindern, die bis zu einem Jahr den Kindergarten besucht hatten, hatte die Hälfte bei der Einschulung sprachlichen Förderbedarf. Von denen, die drei Jahre Kindergartenerfahrung hatten, waren es nur 12%.

"Die Landesregierung streicht einerseits die Mittel für die Elternfreibeträge und sorgt damit indirekt dafür, dass diese in einzelnen Kommunen so steigen, dass viele Eltern ihre Kinder vom Kindergartenbesuch abmelden", so Beckmann weiter. "Dann wiederum lässt sie bei vierjährigen Kindern Sprachstandserhebungen durchführen und investiert zusätzliches Geld für Fördermaßnahmen. Damit zäumt sie das Pferd von hinten auf."

Durch den Rückzug des Landes aus der Co-Finanzierung der Elternfreibeträge bleibt die Erhebung der Kindergartenbeiträge ausschließlich den Kommunen überlassen. Während arme Kommunen die Beiträge drastisch erhöhen müssen, können reichere Kommunen diese Erhöhung entweder in Grenzen halten oder ganz darauf verzichten.

"Es darf aber nicht sein, dass die Chance eines Kindes auf einen Kindergartenbesuch von seinem Wohnort und den finanziellen Möglichkeiten der jeweiligen Kommune abhängt", so Beckmann weiter. "Dies widerspricht dem Prinzip, dass die Landesregierung für eine Gleichheit der Bildungschancen unabhängig von sozialer und regionaler Herkunft Sorge zu tragen hat."

Es hilft nicht viel, dass ausreichend Kindergartenplätze vorhanden sind, wenn die finanzielle Schwelle für viele Eltern so hoch ist, dass sie dieses Angebot nicht nutzen können.

"Der VBE fordert die Landesregierung auf, den Elementarbereich endgültig als Teil des Bildungsbereichs zu betrachten und stufenweise die Beitragsfreiheit des Kindergartens einzuführen", so Beckmann abschließend. "Nur so kann man auf eine Gleichheit der Bildungschancen von Anfang an hinwirken."


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