Gastbeitrag

Mit Webmeetings in die Zukunft

Kitas führen seit vergangenem Jahr digitale Prozesse ein. Handelt es sich dabei um Notlösungen oder um nachhaltige Ansätze, deren positive Effekte auch langfristig nachhallen? Von Marion Lepold und Theresa Lill.

15.11.2021 Bundesweit Artikel Meine Kita
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Kindertageseinrichtungen mussten im vergangenen Jahr von einem auf den anderen Tag digitale Wege für ihre tägliche Arbeit finden. Grund war die Corona-Pandemie. Kitas fragten sich: „Wie können wir mit den Familien kommunizieren? Wie ihnen wichtige Infos zukommen lassen, wenn wir uns nicht sehen dürfen? Wie bilden wir uns weiter? Und wie gestalten wir unsere Zusammenarbeit als Team?“ Kitas arbeiteten digital, stellten Videos zur Verfügung, kommunizierten via Video und E-Mails. Leitet das die Kehrtwende in die digitale Kita ein?

Von Bigbluebutton bis Zoom: digitale Optionen und ihre Potenziale

Ein Rückblick zeigt: Die Zeit seit März 2020 war für Kitas geprägt von Notbetrieb und Kita-Schließungen. Kita-Teams mussten sich mit den Möglichkeiten von Homeoffice für pädagogische Fachkräfte und der Vor-Ort-Betreuung der Kinder von Eltern aus systemrelevanten Berufen beschäftigen. In dieser Zeit stieg auch die Nachfrage nach digitalen Weiterbildungen – Fachkräfte nutzten das Homeoffice für Fortbildungen. Alternativ zu Präsenzkongressen fanden Onlinekongresse statt. Dabei wurden die Potenziale digitaler Möglichkeiten deutlich: Plötzlich standen den Fachkräften nicht mehr nur die regional verfügbaren Themen und Referierenden zur Verfügung. Vielmehr konnten sie zwischen ihren Wunschthemen und Wunschexpertinnen und -experten auswählen. Die zeitliche Flexibilität und Vereinbarkeit von Familie und Fortbildung sind seitens der Fachkräfte von Vorteil.

Aber wie kann ein Austausch im Team gelingen, wenn die Begegnung in der Einrichtung wegfällt? Online-Meetingtools wie Bigbluebutton, Microsoft Teams oder Zoom führten Fachkräfte in den Kitas ein, um den Teamaustausch in den digitalen Raum zu verlagern. Break-Out-Rooms, separate Online-Räume bieten hier neue Möglichkeiten für die Bearbeitung von Themen in Kleingruppen. Durch den digitalen Austausch war es den Teams möglich, persönlich und fachlich in Kontakt zu bleiben und die organisatorischen Themen abzustimmen. Derartige digitale Wege boten jedoch nicht nur für die Zusammenarbeit im Team neue Möglichkeiten. Insbesondere für den Austausch mit den Familien mussten Kitas neue Wege gehen. Die Bezugspersonen der Kinder durften die Kitas teilweise nicht mehr betreten, an Veranstaltungen mit mehreren Personen war nicht zu denken. Die Informationsweitergabe verlagert sich daher in den digitalen Raum. Die Kommunikation mit den Familien war somit eine der größten Veränderungen hinsichtlich digitaler Varianten. Die Möglichkeiten hierfür sind vielfältig: ob per E-Mail, einem geschützten Bereich auf der Kita-Website oder auch mittels spezieller Kita-Apps.

Marion Lepold ist Sozialpädagogin und Mitgründerin der Qualität in Kitas Onlineakademie GmbH. Als Fachbuchautorin, Fortbildnerin und Coach beschäftigt sie sich intensiv mit der Rolle digitaler Angebote für die Qualität in der frühen Bildung.

Theresa Lill studierte Pädagogik. Sie ist Mitgründerin eines Online-Fortbildungsinstituts, das sich an Fachkräfte in der frühkindlichen Pädagogik richtet.

Eltern persönlich treffen, auch online

Gerade für die bloße Weitergabe von Informationen wie Terminen oder wichtigen Eckdaten ist der digitale Weg sinnvoll, denn Familien können diese immer abrufen, wenn sie diese benötigen. Spezielle Apps für Kitas bieten den Vorteil, die Familien direkt zu erreichen und nachzuvollziehen, welche Familien die Nachricht bereits gelesen haben. Wenn es aber um inhaltliche Themen wie die Entwicklungsschritte oder Bedürfnisse der Kinder geht, dann sollten dies Eltern und Fachkräfte in einem persönlichen Gespräch besprechen. Wichtig ist, bei solchen Themen sein Gegenüber wahrzunehmen, damit keine Missverständnisse entstehen und man Fragen direkt klären kann. Einige Einrichtungen haben während der Pandemie Elterngespräche via Webmeeting über Zoom oder andere Programme durchgeführt, sodass sie ihr Gegenüber sehen. Dies kann auch in Zukunft eine Variante sein, die den Bedarfen der Familien gerecht wird. Möchten alle Elternteile am Gespräch teilnehmen, ist die Terminfindung meist mit einem logistischen Aufwand verbunden. Digitale Treffen sind daher eine gute Möglichkeit für Familien, die persönliche Treffen vor Ort nur schwer mit ihrem Alltag verbinden und in die Einrichtung kommen können, aber die Möglichkeit haben, sich ein freies Zeitfenster am Arbeitsplatz zu schaffen. Einrichtungen haben im vergangenen Jahr nicht nur die Kennenlern- oder Entwicklungsgespräche digital abgehalten, sondern auch Elternveranstaltungen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Meist finden Elternveranstaltungen am Abend statt. Das bedeutet, dass entweder nur ein Elternteil kommen kann oder eine Kinderbetreuung für diesen Zeitraum organisiert werden muss. Dies trifft vor allem auf alleinerziehende Eltern zu. Mit einem digitalen Elternabend können Kitas mehr Familien erreichen und den vielfältigen Familienstrukturen gerecht werden.

Was danach bleibt

Die Digitalisierung, die während der Pandemie in Kita-Einrichtungen eingesetzt hat, hat somit neue Möglichkeiten eröffnet. Wenn zunächst das Personal davon ausging, dass es sich um Notlösungen handelt, bringen diese neuen Wege zusätzliche Chancen mit sich. Auch wenn das direkte Miteinander ein wichtiger Faktor in Kitas ist und die Kommunikation sowie Qualifikation nicht gänzlich ins Digitale übergehen sollten, bieten digitale Optionen eine sinnvolle Ergänzung, die die Qualität der pädagogischen Arbeit steigern kann. Mehr noch, sie können bestehende Strukturen teilweise ersetzen, indem digitale Varianten die Grundlage für eine vertrauensvolle und verlässliche Kommunikation mit allen Familien bieten. Kita-Einrichtungen können dadurch bedarfsgerechter mit Familien kommunizieren.

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in: Meine Kita – das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 3/2021, S. 18-19, www.meine-kita.de


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