Modellprojekt im Tübinger Kinderhaus Französische Allee
Je früher ein Kind eine Fremdsprache erlernt, desto schneller und besser wird es diese meistens beherrschen. An dieser Erkenntnis zweifelt heutzutage niemand mehr; zweisprachige Kindergärten sind deshalb in Deutschland begehrt und gut besucht. Unklar blieb bislang, welches pädagogische Konzept Kinder am sinnvollsten an die neue Sprache heranführt. Die Stiftung Ravensburger Verlag fördert aus diesem Grund mit 15.000 € die wissenschaftliche Begleitung eines zweisprachigen Modellprojektes im Kinderhaus Französische Allee in Tübingen durch die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd.
30.10.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Gemeinnützige Stiftung Ravensburger VerlagUnter der Leitung von Professor Dr. Thorsten Piske (Englische Sprache und ihre Didaktik) werden die Wissenschaftler drei Jahre lang beobachten, wie sich die Fremdsprachenkenntnisse der Tübinger Kinder entwickeln, die in ihrem Kitaalltag tägliche mehrere Stunden von englischen Muttersprachlerinnen ausschließlich in englischer Sprache betreut werden. Das bilinguale Verfahren der "Immersion", auf das man sich oft auch mit dem Begriff des "Sprachbads" bezieht, sieht vor, mit den Kindern den Alltag ganz selbstverständlich in der Fremdsprache zu gestalten.
Frühe Immersion gilt als der weltweit erfolgreichste Ansatz zur Vermittlung von Fremdsprachen im frühen Kindesalter. In Deutschland liegen allerdings keine detaillierten Dokumentationen zur sprachlichen Entwicklung von Kindern vor, die an deutschen Kitas durchgängig zweisprachig betreut werden oder an Grundschulen Immersionsunterricht erhalten.
Das Kinderhaus Französische Allee in Tübingen bietet fast ideale Voraussetzungen für einen begleitenden Forschungsansatz. Professor Piske: "Dort sind die vier Mindestvoraussetzungen erfüllt: Der Kontakt der Kinder zur Fremdsprache erfolgt über längere Zeit und kontinuierlich; er ist intensiv in Alltagssituationen, und die Betreuerinnen sind Muttersprachlerinnen."
Zweitsprache Deutsch, Drittsprache Englisch
Das bilinguale Modellprojekt im Kinderhaus Französische Allee startete im Oktober 2006, und es ist geplant, das Konzept in der Grundschule fortzuführen. Im Kinderhaus werden 81 Kinder mit 15 verschiedenen Erstsprachen und aus vielen soziokulturellen Gruppen von deutschsprachigen Erzieherinnen auf Deutsch und von englischen Muttersprachlern ausschließlich auf Englisch betreut. Für viele Kinder ist Englisch also bereits die Drittsprache. Professor Piske: " Gerade aus der Vielzahl der Erstsprachen versprechen wir uns besondere Erkenntnisse darüber, ob und wie Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder aus unterschiedlichen sozialen Schichten von bilingualen Ansätzen profitieren und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen."
Dorothee Hess-Maier, die Vorsitzende der Stiftung Ravensburger Verlag, begründete das Engagement der Stiftung wie folgt: "Wir erwarten, dass Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten einen wichtigen Beitrag leisten, um der bislang unzulänglichen Sprachausbildung in Kindertagesstätten und Grundschulen entgegen zu wirken. Noch wissen zu wenig Eltern und Pädagogen, dass der frühe Erwerb mehrerer Sprachen parallel nicht nur möglich ist, sondern für die Kinder ein hohes Potenzial für Gehirnentwicklung und Lernkompetenzen birgt. Die Stiftung Ravensburger Verlag fördert dieses Projekt in Ergänzung zu anderen Sprachförderungsprogrammen, die von der Stiftung unterstützt werden."
Weitere Informationen
Zur Stiftung Ravensburger Verlag:
Andrea Reidt, Projektleitung und Öffentlichkeitsarbeit
, Telefon 0611/2046365,
www.stiftung.ravensburger.de
Zum Modellprojekt im Kinderhaus Französische Allee in Tübingen:
Förderverein, Dr. André Zimmermann, , Telefon 0173/3617363
Kinderhaus-Leitung, Doris Speidel, Telefon 07071/364865
Zur wissenschaftlichen Begleitforschung:
Prof. Dr. Thorsten Piske, Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd,
, Telefon 07171/983-364
Ansprechpartner
Gemeinnützige Stiftung Ravensburger VerlagPostfach 1860
88188 Ravensburg
Web: http://www.stiftung.ravensburger.de
Keine Kommentare vorhanden