Kindertagesbetreuung

Personalbedarf in der Kinder- und Jugendhilfe - bis 2025 mehr als 333.000 neue Fachkräfte erforderlich!

20.06.2011 Artikel

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Aktualisierte Einschätzungen über den zukünftigen Personalbedarf in der gesamten Jugendhilfe hat Dr. Matthias Schilling in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift KOMDAT zusammengestellt: 270.000 Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen und 63.000 in den anderen Arbeitsfeldern würden bis zum Jahr 2025 gebraucht.

Anmerkungen:

In der Ausarbeitung weist er darauf hin, dass entgegen dem zunächst erwarteten Trend des Personalabbaus im Zusammenhang mit dem Ausbau der Angebote in Tageseinrichtungen auch ein weiterer Bedarf nach Fachkräften zu erwarten ist.

In Tageseinrichtungen steige der Bedarf vor allem mit der Einführung des Rechtsanspruchs ab dem 1.8.2013. Maßgeblich werde dabei der Elternwunsch ab diesem Zeitpunkt und in der Folgezeit sein.

Als Orientierung für die Personalberechnungen müsse von dem Ziel 39 % des zu erwartenden Elternwunsches ausgegangen werden, zumal die bisherigen Erhebungen u.a. nach dem DJI-Surveys AID A 2009 entsprechend korrigiert werden müssen. In Westdeutschland müsse für den Zeitraum von 2013 bis 2025 der Elternwunsch von 37 auf 45 % zugrunde gelegt werden! Damit ist nebenbei deutlich, dass alle Planungen - auch in NRW - die nur von einer Bedarfsdeckungsquote von 32 % ausgehen - an der Realität vorbeigehen werden und daher zusätzliche Anstrengungen jetzt erfordern.

Den Berechnungen liegt die Annahme zugrunde, dass für 5 Kinder unter 3 Jahren eine Vollzeitkraft benötigt wird und 30 % des Ausbaus in Westdeutschland durch Tagespflegepersonen bereitgestellt werden kann.

Diese Berechnung scheint mir als fragwürdig und berücksichtigt nicht, dass für Kinder unter 3 Jahren ein anderer Personalschlüssel erforderlich sein müsste. In der Expertise von Prof. Susanne Viernickel und Stefanie Schwarz (Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung, Oktober 2010), wurde darauf aufmerksam gemacht, dass eine Fachkraft-Kind-Relation bei einem Wert von 1:3 bis 1:4 mit dem Schwellenwert darauf hinweist, dass für das Kind negative Wirkungen entstehen und damit das Kindeswohl gefährdet sein kann. Da sich die Fachkraft-Kind-Relation zudem nur auf den Anstellungsschlüssel bezieht, der um die Ausfallzeiten und z.B. die Abwesenheiten aufgrund der mittelbaren pädagogischen Arbeit noch reduziert, müsste der Personalschlüssel - aus der Sicht des Kindes - noch wesentlich besser ausgestattet sein. Auf sich aus den notwendigen Veränderungen ergebenen Folgen hatte Prof. Sell in einer Studie für das Land Rheinland-Pfalz ausführlich aufmerksam gemacht.

Bei der Frage, ob es genügend Ausbildungskapazitäten gibt, schätzt Dr. Schilling grundsätzlich ein, dass dies gegeben sein kann. Er macht aber auch darauf aufmerksam, dass bei den "aktuellen Rahmenbedingungen" es schwierig sein wird, genügend "ausbildungswillige" junge Menschen zu finden. Außerdem dürfe bei der Langfristperspektive nicht übersehen werden, dass es zwischenzeitliche Engpässe geben wird und regionale Passungen ausbleiben werden. Daher sei davon auszugehen: "Die Berechnungen lassen erwarten, dass durch das Ausbildungssystem voraussichtlich nicht ausreichendes Personal ausgebildet werden kann."

Angesichts der sehr zurückhaltenden Perspektive in Bezug auf die Fachkraft-Kind-Relation, bei sich sich alleine durch eine geringfügige Verbesserung erhebliche Auswirkungen in Bezug auf einen zusätzlichen Personalbedarf ergeben, weist das von Dr. Schilling vorgelegt Ergebnis darauf hin, dass wir auf ein Desaster zusteuern, wenn nicht jetzt etwas unternommen wird.

Sein Schlusssatz macht die Aufforderung deutlich: "Gleichzeitig müssen aber auch Anstrengungen unternommen werden, die Arbeitsbedingungen im Vergleich zu anderen Branchen attraktiver zu machen."


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