Reiß: CDU zielt ins Leere – Gegenvorschläge ungeeignet
"Die Vorwürfe der CDU an die Adresse der Landesregierung in Sachen Sprachförderung verkennen die Realität und zielen ins Leere." Dies sagte Bildungs- und Jugendstaatssekretärin Vera Reiß in Reaktion auf heute von den CDU-Politikerinnen Julia Klöckner und Bettina Dickes vorgestellte Forderungen. Für die Sprachförderung und Integration von Kindern mit Migrationshintergrund gebe es in Rheinland-Pfalz so gute Voraussetzungen wie in kaum einem anderen Bundesland. "Die Landesregierung setzt dabei auf ein durchgängiges Konzept über die verschiedenen Bildungseinrichtungen hinweg, in dem die Förderangebote altersspezifisch ausgerichtet und orientiert am Bedarf ständig erweitert werden", hielt Vera Reiß fest.
13.09.2010 Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-PfalzWer sich auf internationale Studien berufe, müsse diese zudem auch richtig lesen. "Die PISA-Nachfolgestudien und der erste bundesweite Vergleich der Bildungsstandards haben eindeutig ergeben, dass Rheinland-Pfalz bei einer der zentralen Fragen für die Bildungspolitik – bei der Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund – deutlich bessere Ergebnisse erzielt als die allermeisten Bundesländer" betonte Vera Reiß.
Der Vorschlag, den muttersprachlichen Unterricht zu streichen, missachte zudem abgesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse, die der sprachlichen Sicherheit in der eigenen Muttersprache eine hohe Bedeutung beim Erlernen anderer Sprachen bescheinigten.
Das Konzept des Landes bestehe aus einer ganzen Reihe von Bausteinen, so Reiß: Sprachförderung gehöre zu den Kernaufgaben aller Kindertagesstätten und werde seit 2004 auf der Basis der Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten in allen Altersstufen immer weiter intensiviert. Alle Kindertagesstätten, die hohe Integrationsleistungen erbringen, erhielten seit jeher erhöhte Personalzuweisungen. Seit Jahren stünden allen Kindertagesstätten für die Feststellung von Sprachförderbedarf entsprechende Verfahren zur Verfügung. Die vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) entwickelten Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren für Kinder mit Migrationshintergrund und für Kinder aus deutschsprachigen Familien (SISMIK und SELDAK) haben alle Kindertagesstätten schon in den Jahren 2005 und 2006 kostenlos erhalten.
"Bei Kindern, die Kindertagesstätten besuchen, wird die sprachliche Entwicklung kontinuierlich – auch mit Hilfe von standardisierten Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren erfasst und die Förderung über die ganze Kindergartenzeit hinweg darauf abgestimmt", betonte die Bildungs- und Jugendstaatssekretärin. Die CDU-Forderungen wirkten vor diesem Hintergrund wie ein Misstrauensvotum an die Adresse der Erzieherinnen und Erzieher.
Dabei wirke sich positiv aus, dass Rheinland-Pfalz bei den Besuchsquoten der Kindertagesstätten in der absoluten Spitzengruppe aller Bundesländer liegt nach einer Bertelsmann-Studie mit fast 97 Prozent aller Drei- bis Sechsjährigen (bei einem Bundesdurchschnittswert von 92,5 Prozent) und dass sich diese Spitzenstellung in allen Jahrgangsstufen des Kindergartens widerspiegelt. Vor allem aber ist von Bedeutung, dass der Anteil der Drei- bis Sechsjährigen mit Migrationshintergrund, die eine Kindertagesstätte besuchen, in Rheinland-Pfalz mit knapp 92 Prozent so hoch ist wie in kaum einem anderen Bundesland und deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 83,6 Prozent liegt. Erst vergangene Woche habe das Statistische Landesamt bei der "Auswertung internationaler Bildungsindikatoren im Ländervergleich" Rheinland-Pfalz einen Spitzenplatz bei der frühkindlichen Förderung bescheinigt. Bei der Bildungsbeteiligung von Kindern unter fünf Jahren weise nur Thüringen einen höheren Wert auf als Rheinland-Pfalz, hielten die Statistiker fest. "Dies liegt sicherlich nicht allein daran, dass die Jugendämter verpflichtet sind, auf den Besuch einer Kindertagesstätte hinzuwirken", sagte Vera Reiß und verwies auf die Beitragsfreiheit der Kindergärten, die den Zugang zu diesem Bildungsangebot erleichterten.
Seit dem Start des Landesprogramms "Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an" im Jahr 2005 sei die Sprachförderung besonders stark ausgebaut worden. Die zusätzlichen Sprachförderangebote zum Ende der Kindergartenzeit, die als Basiskurs 100 Stunden oder als Intensivkurs 200 Stunden umfassen, würden aus dem mit jährlich sechs Millionen € ausgestatteten Teilprogramm "Sprachförderung und Schulvorbereitung" vom Land unterstützt. "Im letzten Jahr nahmen mehr als 18.000 Kinder aus den beiden letzten Kindergartenjahren an den insgesamt fast 2.400 zusätzlichen Sprachfördermaßnahmen landesweit teil", hielt die Staatssekretärin fest und verwies darauf, dass damit nicht nur rechnerisch alle Kinder mit Migrationshintergrund, sondern darüber hinaus auch Hunderte von Kindern aus deutschsprachigen Familien zusätzlich gefördert worden seien.
Mittlerweile hätten rund 8.000 Erzieherinnen und Erzieher an vom Land geförderten Fortbildungen im Bereich Sprachförderung teilgenommen und setzten ihre neu gewonnenen Kompetenzen im Kitt-Alltag ein, so Vera Reiß weiter. Mehr als 1.000 Fachkräfte seien darüber hinaus für die Durchführung der speziellen zusätzlichen Sprachförderangebote in den letzten beiden Kindergartenjahren als Sprachförderkraft qualifiziert worden.
Für schulpflichtige Kinder, die keinen Kindergarten besuchen, sei gesetzlich vorgeschrieben, dass bei der Schulanmeldung – also ein Jahr vor der Einschulung – festgestellt wird, ob bei ihnen Sprachförderbedarf besteht. Wird ein Sprachförderbedarf festgestellt, wird der Besuch einer Kindertagesstätte empfohlen und die Teilnahme an einer dort durchgeführten speziellen Sprachfördermaßnahme angeordnet.
Kindertagesstätten und Grundschulen kooperierten gerade im Bereich der Sprachförderung sehr eng. Um die vor der Einschulung bereits erfolgte Sprachförderung – wenn nötig – weiter zu vertiefen, erhalten Grundschulen mit hohem Bedarf im Bereich der Sprachförderung zudem zusätzliche Lehrerwochenstunden. "Im letzten Schuljahr wurden dafür insgesamt rund 3.200 Stunden zugewiesen", hielt die Staatssekretärin fest. Daneben fördere das Land in den ersten beiden Grundschuljahren zusätzliche Angebote in Hausaufgabenhilfe und Sprachförderung – zuletzt landesweit 270 Gruppen.
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