Sprachförderung und Integration: Zukunftsweisende Modelle für Kindergärten

Sprache ist für Kinder das Tor zur Welt, zu Gemeinschaft und Bildung. Kindergärten nehmen eine Schlüsselfunktion bei der Sprachbildung ein – und sind damit auch zentrale Orte der sozialen Integration. Wie können Erzieher/innen dieser Herausforderung gerecht werden, welche richtungsweisenden Modelle gibt es? Ein Gespräch mit Dr. Birgit Spengler über SIGNAL, ein Qualifizierungsprogramm für Erzieherinnen zur Sprachförderung und Integration von Kindern ab drei Jahren, dessen Inhalte nun in Buchform vorliegen.

23.05.2011 Pressemeldung Cornelsen Verlag GmbH
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Mehrsprachigkeit der Kinder und kulturelle Vielfalt ist in Kindergärten keine Seltenheit. Welche Anforderungen an die Arbeit und Qualifikation der Erzieher/innen erwachsen aus dieser Situation?

Dr. Birgit Spengler: Jedes Kind hat ein Recht auf Sprache, die es stark macht und an der Welt mit gleichen Chancen teilhaben lässt. Integration über Sprache findet in der Kita täglich statt. Die Erzieherin wirkt immer mehr als Sprachvorbild und Vermittlerin zwischen den Kulturen. Hierzu gehört es, mit Fachwissen Kinder aus vielen Kulturen ganz früh zu fördern und individuell sprachlich mit bunten Angeboten aus der Lebenswelt zu begleiten; und hierzu gehört es auch, die Eltern in die Sprachbildung mit einzubeziehen. Weiterbildung und Kompetenzerwerb zu kindlicher Sprachentwicklung, Zweitspracherwerb (Deutsch als Zweitsprache), zu interkultureller Pädagogik und aktivierender Elternarbeit sind optimale Voraussetzungen, um sich auf die Aufgaben der durchgängigen Sprachbildung und Integration in der Kita gut vorzubereiten.

SIGNAL setzt am Berufsalltag der Erzieherinnen an – welche Unterstützung bietet das Programm und welche Ziele werden damit verfolgt?

Dr. Birgit Spengler: SIGNAL startet im Kindergarten mit einer lebensweltorientierten Förderung des Deutschen als Zweitsprache (DaZ) nach dem Situationsansatz ab dem 3. Lebensjahr für Kinder und Eltern unterschiedlichster Herkunft. Ziel ist, die Erzieherinnen so zu qualifizieren und zu beraten, dass sie Sprachförderung und interkulturelle Elternarbeit im Kita-Alltag jederzeit selbstständig und in Eigenregie planen und zu einer Vielfalt von spannenden Themen gestalten können.

Die Erzieherinnen werden gestärkt, das entdeckende Sprachlernen und Forschen des Kindes anzuregen und mit passgenauen Angeboten von Diagnose und systematischer Förderung gezielt zu helfen: einzeln, in der Kleingruppe, Eltern-Kind-Lerngruppe oder als integrative Spracharbeit im Gruppenalltag. Das Sprachförderkonzept ist sehr offen gehalten und verleiht der natürlichen Sprachentwicklung ein gutes Fundament. Immer wird der Familiensprache und Familienkultur ein besonderer Raum gegeben und an den Kompetenzen des Kindes angesetzt.

Den Dialog mit den zugewanderten Eltern und die Zusammenarbeit mit dem Kita-Team zu intensivieren, sind weitere Anliegen des Programms. Die Entwicklung eines Netzwerkes von externen Partnern, das bereits bestehende Kompetenzen, Aktivitäten und Hilfen zur Thematik bündelt und bedarfsorientiert ergänzt, ist eng damit verknüpft.

Wer war an der Entwicklung von SIGNAL beteiligt und wie wird das Programm umgesetzt?

Dr. Birgit Spengler: Aus der Praxis für die Praxis ist die Devise. Das Programm SIGNAL wurde von Fachexperten aus der Praxis für die Bildungsexperten in der Praxis im Rahmen der Bund-Länder-Kooperation FörMig als Landesprogramm erarbeitet und erprobt. Integriert sind die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse und das gebündelte Wissen aus vielen Projektbeispielen. Ebenso eingeflossen ist der Erfahrungsschatz der Sprachberater an 100 saarländischen Kindergärten. Dabei wird integrativ und trägerübergreifend gearbeitet, immer ganz am Bedarf der jeweiligen Kita orientiert. Die Thematik der Sprachförderung und sozialen Integration von Migranten ist mit SIGNAL im saarländischen Bildungsprogramm für Kindergärten verankert und wird heute flächendeckend umgesetzt.

Zwölf Beratungskindergärten und ihre Sprachberater stehen bei der Umsetzung seit 2008 allen saarländischen Einrichtungen vor Ort beratend und qualifizierend beim strukturellen Aufbau und der inhaltlichen Gestaltung der Sprachförderangebote, der Eltern- und Teamarbeit und Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern zur Seite. Das neue Praxishandbuch "SprachSIGNALe" rundet mit einer Fülle von Grundlagen, Anregungen und Praxisbeispielen das breite Qualifizierungsangebot ab.

"Ohne Eltern geht es nicht" – diese Aussage trifft insbesondere für die Erziehung und Bildung im Kindergarten zu. Welche Rolle spielt die Arbeit mit den Eltern im Rahmen von SIGNAL?

Dr. Birgit Spengler: SIGNAL lädt die zugewanderten Eltern als Partner ein, sich aktiv im Kindergarten zu an der Sprachbildung zu beteiligen und gemeinsam mit ihren Kindern zu lernen. Die Erziehrinnen werden ermutigt, gezielter hinzuschauen und mit einer Vielzahl an sensiblen Angeboten - auch ergänzend zu den regulären Informations- und Beratungsgesprächen - immer wieder auf die Eltern zuzugehen. Mit den Eltern in den Dialog zu treten, beim Gespräch im Elterncafé zum Beispiel, sich bei Exkursionen, interkulturellen Festen und vielen weiteren Sprachanlässen auszutauschen, dies sind gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche und eine langfristig tragende Zusammenarbeit. Daraus ergeben sich meist weitere Chancen der Begegnung, die wiederum in eine aktive Elternmitarbeit in Projekten und Gremien münden, die Eltern zum gemeinsamen Lernen in einer Eltern - Kindgruppe gewinnen oder auch zum gemeinsamen Geschichten Erzählen und Vorlesen von Büchern anregen können. Interkulturalität, also Offenheit, Verständnis, Akzeptanz des Anders-Seins und Interesse an der Vielfalt werden so für alle Eltern und Kinder in der Einrichtung spürbar und erlebbar. Die Erfahrungen und Ergebnisse laden zur

Dr. Birgit Spengler ist im Bildungsministerium des Saarlandes zuständig für den Schwerpunkt Sprachbildung und soziale Integration von Kindern und Eltern mit Migrationshintergrund. Sie arbeitete im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und im Kultusministerium des Saarlandes zu einer Vielfalt an Themen der Jugend- und Bildungspolitik.

Ansprechpartner

Cornelsen Verlag GmbH
Irina Groh
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mecklenburgische Str. 53
14197 Berlin
Telefon: +49 30 897 85-563
Fax: +49 30 897 85-97-563
E-Mail: Irina.Groh@cornelsen.de
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