Städtetag lehnt Sprachtests in Kindergärten ab
(bikl) Die Forderung der Integrationsbeauftragten Maria Böhmer, Sprachtests in Kindergärten durchzuführen, lehnt der Deutsche Städtetag ab. Es mache keinen Sinn, alle Vorschulkinder zu testen, solange es kein ausreichendes Angebot an Krippen, Kindergartenplätzen und vor allem Förderunterricht für Vorschulkinder mit Deutschdefiziten gebe, erklärte der Münchner Oberbürgermeister und Städtetagspräsident Christian Ude heute gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.
28.12.2005 ArtikelZwar seien Deutschkenntnisse die wichtigste Voraussetzung, damit Ausländerkinder und benachteiligte deutsche Kinder Erfolg in Schule, Ausbildung und Beruf hätten und müssten deshalb Vorrang bei allen Integrationsbemühungen haben. Aber, so Ude „es hilft nicht weiter, wenn wir die Problemkinder durch Tests herausfiltern, ihnen dann aber nicht helfen können, gutes Deutsch zu lernen.“ Das provoziere gegenseitige Schuldzuweisung, ohne dass Abhilfe in Sicht wäre, so der Städtetagspräsident.
Kindergartenpflicht
Stattdessen schlug Ude in dem Interview vor, dass Bund und Länder so schnell wie möglich für ein flächendeckendes Förderangebot in Krippen und in Kindergärten sorgen sollten. Dazu gehörten auch gut geschultes Personal und mehr Ganztagsangebote. Erst dann mache ein Sprachtest Sinn und man könne sogar über eine Pflicht zu Sprachtests und zum Kindergartenbesuch nachdenken.
Bund und Länder gefordert
Integrationsangebote seien in erster Linie eine Aufgabe von Bund und Ländern, allerdings seien die Städte bereit, sich daran zu beteiligen. Die Integration über Sprachförderung habe hohe Priorität, weil, so Ude wörtlich, „wir verhindern müssen, dass bei uns immer mehr Kinder ausländischer Eltern ins Abseits geraten.“ Es könnten sonst Probleme wie in Frankreich oder den Niederlanden drohen.
Böhmer: Sprachtests unabdingbar
Sie CDU-Politikerin Maria Böhmer hatte sich in der Berliner Zeitung für verbindliche Sprachtests im Kindergarten ausgesprochen: "Ich halte es für unabdingbar, dass die Sprachförderung ausgebaut wird und die Sprachtests für Kinder im Kindergartenalter verpflichtend werden."Nur dadurch könnten Kinder so gefördert werden, dass sie die deutsche Sprache beherrschten, hatte Böhmer ihre Forderung begründet. Unterstützung hatte sie vom innenpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Dieter Wiefelspütz, erhalten: "Das findet meine ausdrückliche Zustimmung", hatte er gegenüber der Netzeitung erklärt.
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