Nordrhein-Westfalen

VBE: Delfin 5 – Sprachstandfeststellungsverfahren gehört dringend auf den Prüfstand

"Ausgaben für frühkindliche Bildung bzw. Förderung sind grundsätzlich eine Investition in die Zukunft. Doch nur, wenn diese gezielt an richtiger Stelle eingesetzt und nicht im Rahmen von unausgereiften Verfahren bzw. punktuellen Sprachtests verschwendet werden", kommentiert Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE NRW), das vom Ministerium für Schule und Weiterbildung zur Verfügung gestellte Verfahren Delfin 5, mit dem ein Jahr vor der Einschulung Kinder ermittelt werden sollen, die die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen.

10.01.2012 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Sowohl Delfin 4 als auch Delfin 5 seien reine Sprachtests, das heißt eine momentane nicht immer aussagekräftige Bestandsaufnahme und keine Langzeitbeobachtung über die wirkliche Sprachkompetenz eines Kindes.

Eine aktuelle Untersuchung des ehemaligen Leiters der Clara-Fey-Schule für Sozialpädagogik in Aachen, Dr. Rudolf Nottebaum, zeige, dass das sogenannte Delfin-5-Verfahren eine unausgereifte Methode zur Erfassung der Sprachperformanz von Schulanfängern darstelle. Der Autor macht in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift KiTa aktuell NRW deutlich, dass "bei genauerer Betrachtung eine Reihe von Unklarheiten und Fehlern, die dem Ministerium bei Abnahme des Projektes offensichtlich entgangen sind", festzustellen seien. "Dass es sich hierbei um ein kindgemäßes und praxistaugliches Verfahren handelt, wie es versprochen wird, kann der VBE vor diesem Hintergrund sicher nicht befürworten", betont Beckmann.

So stehe das Kind beispielsweise unter erheblichem Zeitdruck, wenn man bedenke, dass ihm für das Beantworten von 80 Aufgaben zu den Bereichen Wortschatz, Phonembewusstsein und Morphosyntax sowie dem anschließenden Erfinden einer stimmigen Geschichte zu vorgegebenen Bildern gerade mal 35 Minuten (weniger als eine halbe Minute pro Frage) bleiben würden.

Bereits die vom VBE durchgeführte Fragebogenaktion im Jahre 2007 zur Sprachstandfeststellung Delfin 4 (www.vbe-nrw.de/content_id/1533.html), an der das Verfahren Delfin 5 angelehnt ist, habe gezeigt, dass jenes Verfahren sowohl aus pädagogischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht fragwürdig ist. Der VBE unterstütze nach wie vor das Anliegen der Landesregierung, die Sprachentwicklung eines Kindes frühzeitig festzustellen und individuell zu fördern, um so eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Lernen in der Schule zu schaffen. Doch mithilfe des Sprachstandfeststellungsverfahren könne dies aus Sicht des VBE nicht gelingen.

Beckmann abschließend: "Der VBE fordert vor diesem Hintergrund, ein Sprachförderkonzept zu entwickeln, das Bestandteil ganzheitlicher Förderung ist, und dies verbindlich in den Bildungsauftrag der KITAs aufzunehmen. Dazu gehört, dass genügend pädagogisches Personal zur Verfügung gestellt und qualifiziert wird, damit durch permanente sinnvolle Sprachanlässe im Rahmen der täglichen Begegnungen eine kontinuierliche individuelle Sprachförderung für jedes Kind gewährleistet werden kann. Die von Experten aufgezeigten Mängel müssen ernst genommen, geprüft und, soweit erforderlich, umgehend abgestellt werden. Frühzeitige Diagnose ist gut, aber nur wenn sie die richtigen Hinweise gibt."


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