"VERA-Test ist ein schulpolitischer Skandal"

(bikl) Als zum großen Teil unbrauchbar und teilweise sogar skandalös hat der Grundschulverband die Aufgaben aus den so genannten VERA - Vergleichsarbeiten bezeichnet. In sieben Bundesländern waren diese Testarbeiten zu Beginn des vierten Schuljahres im September vergangenen Jahres in den Fächern Deutsch und Mathematik geschrieben worden.

20.01.2005 Artikel

Die Ergebnisse dieser Vergleichsarbeiten liegen jetzt vor. Etwa 40% der Schülerinnen und Schüler befinden sich demnach auf einem Niveau, das höchstens das Beherrschen elementarer Aufgaben umfasst. "Diese Ergebnisse sind Makulatur", erklärte Horst Bartnitzky, der Vorsitzende des Grundschulverbandes, der die Aufgaben einer genauen Analyse unterzogen hatte.

Danach entschied unter anderem der Zufall über Erfolg oder Misserfolg: "Die Kinder sollten eine Wetterkarte interpretieren. Wenn dies Thema in der vorausgegangenen Klasse 3 war, hatten die Kinder Glück, wenn es erst in Klasse 4 zum Thema wird, hatten sie Pech gehabt", so der Verband.

Weiterer Kritikpunkt: Schreibkompetenz. Die Kinder sollten in 20 Minuten einen Aufsatz schreiben. Tatsächlich, so der Grundschulverband, verlangen aber die Lehrpläne, dass Kinder Texte planen lernen, sich über ihren Textentwurf miteinander beraten und dass sie eigene Texte überarbeiten. Viel Grundschulzeit werde in diese zentralen Ziele der Schreibkompetenz investiert. Nichts davon finde sich im Test wieder.

Als pädagogisch skandalös bezeichnete Bartnitzky auch einige Inhalte des Tests, wie zum Beispiel eine Prügelgeschichte in Wild-West-Manier. "Ein Schlag gegen die Friedenserziehung in den Grundschulen." Ein anderes Beispiel: In einem Aufsatz sollten die Kinder ihre Oma um einen Computer als Geschenk angehen. "Dies offenbart sowohl mangelnde Sensibilität mit der finanziellen Situation vieler Großeltern als auch den völlig unkritischen Umgang mit Maßlosigkeit - ein Schlag gegen die Konsumerziehung in Elternhaus und Schule", kritisiert der Grundschulverband.

Gleichzeitig stellt sich der Verband hinter diejenigen Lehrer, die den Kindern bei der Durchführung der Aufgaben geholfen haben. Dies sei war zwar unzulässig, aber "angesichts der gravierenden Mängel der Aufgaben verständlich". Fazit des Verbands: "Der Erkenntniswert ist gleich null. Angesichts der Zeit und der Geldmittel, die hier aufgewandt wurden, ist dies ein schulpolitischer Skandal."

Aus den Bundesländern:

Siehe auch:

Der vermessene Schüler


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