"Von Flensburg bis Berchtesgaden den Kindern gleiche Chancen eröffnen"
(red) Seit 15 Jahren steht in Deutschland die Qualität in Kindertageseinrichtungen auf der politischen Agenda. Damals wurde eine Nationale Qualitätsinitiave ins Leben gerufen. Doch verbindliche Regelungen gibt es bis heute nicht. Im November 2014 wurde im Familienausschuss des Bundestages noch immer über ein Bundesqualitätsgesetz debattiert. Wie kann endlich die Kita-Qualität bundesweit festgelegt werden? Und was ist dafür unabdingbar? Antworten dazu von Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, dem Präsidenten des Didacta Verbands und ehemaligen Direktor des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München.
16.12.2014 ArtikelHerr Professor Fthenakis, seit Langem wird in Deutschland um bundeseinheitlich verbindliche Qualitätskriterien für den Elementarbereich gerungen. Ist ein Ergebnis in Sicht?
Wassilios E. Fthenakis: Die Tatsache, dass die Bildungsverantwortung in Deutschland föderal organisiert ist, hat dazu geführt, dass die Bildungschancen unfair verteilt sind, weil sie von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind. Längst müsste die Politik Maßnahmen ergriffen haben, um diese Chancenungleichheit zu reduzieren. Eine Maßnahme soll nun das Bundesqualitätsgesetz sein. Damit soll erreicht werden, dass bundesweit vergleichbare Rahmenbedingungen für die Bildung von Kleinkindern bereitgestellt werden. Gemeint sind strukturelle Rahmenbedingungen wie Gruppengröße und Personalschlüssel. Nicht zuletzt auch die Qualifikation der Fachkräfte. Aber dies ist bislang nicht präzise thematisiert.
Wäre solch ein Gesetz, das sich auf Mindeststandards konzentriert, allein schon ausreichend?
Wassilios E. Fthenakis: Das Bundesqualitätsgesetz ist eine Voraussetzung, um bundesweit eine vergleichbare Qualität zu sichern. Allerdings wird Qualität nicht allein über dieses Gesetz garantiert. Das Gesetz ist eine notwendige, aber allein keine hinreichende Voraussetzung.
Und welche zusätzlichen Maßnahmen können für die notwendige Qualität sorgen?
Wassilios E. Fthenakis: Notwendig sind drei weitere Instrumente. Das ist erstens eine Modernisierung der Ausbildung. Die Universität Bremen hat bereits damit begonnen. Dieses Konzept findet große Anerkennung. Zweitens brauchen wir einen allgemeinen Bildungsplan auf Bundesebene, der dann in den Bundesländern eigenverantwortlich umgesetzt wird. Dann können die Länder in einen fairen Wettbewerb treten:
- Welches Land bietet die besten Rahmenbedingungen?
- Welches Land geht innovative Wege, wenn es darum geht, diesen Bildungsplan umzusetzen?
- Welches Bundesland bietet gute Arbeitsbedingungen für die Fachkräfte?
Auf diesem Weg den Wettbewerb anzustoßen, würde stimulierend auf die anderen Bundesländer wirken. Das ist sozusagen der Generalschlüssel, mit dem man bundesweit von Flensburg bis Berchtesgaden unseren Kindern gleiche Chancen eröffnen kann. Und drittens brauchen wir eine systematische Evaluation, die sichert, dass Qualität auch erreicht wird. Leider sehe ich momentan keine Perspektive in diese Richtung.
Dazu auf der didacta 2015 in Hannover
Freitag, 27. Februar
Bündnis frühkindliche Bildung: Gute Bildung braucht verbindliche Qualität – wann kommt das Kita-Bundesqualitätsgesetz?Podiumsdiskussion mit Monika Benedix, Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder (BETA) e.V., Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Didacta Verband der Bildungswirtschaft, Frank Jansen, Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder ( KTK) – Bundesverbvand e.V., Dr. Ralf Kleindiek, Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 14:00 bis 14:45 Uhr, Forum didacta aktuell, Halle 23/Stand C20
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