Wenn der rote Ritter kommt
Kinder müssen lernen, sich im Verkehr sicher zu bewegen. Ein Angebot der Kinder-Unfallhilfe will Kitas für diese Aufgabe rüsten. Von Vincent Hochhausen
10.06.2024 Bundesweit Artikel Meine KitaWenn Erzieherinnen und Erzieher im niedersächsischen Nordhorn Verkehrsprävention mit den Kita-Kindern üben, kommt das Rote-Ritter-Mobil zum Einsatz. Das Mobil ist ein 750 Kilo schwerer Anhänger mit über 60 verschiedenen Spiel- und Lernutensilien zur Verkehrserziehung. Kitas aus der Region können ihn an dortigen Fachschule bestellen und abholen. Er beinhaltet Lauf- und Dreiräder, Pedalos, einen großen Roller, Bobbycars, Verkehrsschilder und Ampeln sowie Reflektoren, Warnwesten und Klickarmbänder. In einer Box finden Fachkräfte Hinweise zum Einsatz der Materialien sowie nützliche Gegenstände wie Erste-Hilfe-Material, Stifte, Kreide, Kabelbinder oder eine Ballpumpe.
Das Rote-Ritter-Mobil ist eine Initiative der Kinder-Unfallhilfe und des Vereins „TEILEn“. 2019 stiftete die Kinder-Unfallhilfe das erste Mobil der Fachschule in Nordhorn. Mittlerweile sind 39 Roter-Ritter-Mobile in ganz Deutschland im Einsatz, weitere sind in Planung. Das Ziel: Kitas kostenfrei und unkompliziert Materialien für die Verkehrserziehung zur Verfügung zu stellen. „Neben fehlendem Vorwissen zur Verkehrsbildung bei den Fachkräften ist mangelndes Material der Hauptgrund dafür, dass das Thema Verkehr in Kitas kaum eine Rolle spielt“, sagt Edgar Eden, Polizeibeamter und Verkehrssicherheitsberater in Nordhorn. Das wollte er ändern und so entstand die Idee für die Roter-Ritter-Mobile.
Mehr Sicherheit und Koordination
Kita-Fachkräfte erzählten Eden in Beratungsgesprächen, dass sie sich mehr Materialien für die Verkehrserziehung wünschten. Zusammen mit Jörg Siefker, einem Lehrer an der örtlichen Berufsfachschule, hatte Eden 2014 einen Kurs zur unterrichtsbegleitenden Qualifizierung zu Verkehrssicherheit für angehende Erzieher/-innen ins Leben gerufen, das mit dem Präventionspreis „Roter Ritter“ der Kinder-Unfallhilfe ausgezeichnet wurde. „Wir hatten dann gemeinsam die Idee einer Verkehrsschule auf Rädern, die Kitas einfach nutzen können“, erinnert sich Eden. Siefker und Eden entwarfen ein Konzept und überlegten, was ein solches Mobil alles beinhalten müsse. „Uns war vor allem wichtig, dass das Mobil viel didaktisches Material bietet und gut von einer Person zu handhaben ist“, sagt Eden. Ein Autoanhänger mit Rollcontainern zum Herausziehen erschien ihnen als praktikable Lösung. Die Finanzierung übernimmt die Kinder-Unfallhilfe zusammen mit dem Verein „TEILEn“. Sie geben die Roter-RitterMobile an Kooperationspartner aus wie Berufsfachschulen, Polizeistationen, Verkehrswachten oder andere Institutionen. „Dort können sie dann von den Kitas im Einzugsbereich angefordert und abgeholt werden“, erzählt Eden.
Im Sommer sei das Mobil in Nordhorn laut Eden fast durchgehend ausgeliehen, oft auch für längere Zeiträume, wenn Kitas es für besondere Aktionen wie eine Projektwoche nutzen. Das Material im Anhänger sei vor allem darauf ausgerichtet, junge Kinder für Sicherheit im Straßenverkehr zu sensibilisieren. So enthält er unter anderem eine Blackbox, eine Art kleine Dunkelkammer, mit der die Kinder verstehen, was für einen Unterschied helle, dunkle oder reflektierende Kleidung für die Sichtbarkeit im Dunklen macht. Mit Verkehrsschildern und Ampeln können Parcours für die Kinder nachgebaut werden, an denen sie Verkehrsregeln lernen und üben können. Weiteres Material im Roter-Ritter-Mobil ist zudem dafür gedacht, Körperkoordination und Motorik zu schulen. Das sei gerade bei jungen Kindern sehr wichtig, erklärt Eden: „Das wirkt sich zum Beispiel auf die Sicherheit auf dem Laufrad und dem Roller und später beim Fahrradfahren aus.“
Aufwand möglichst gering halten
Einer der vielen Orte, an denen ein Roter-Ritter-Mobil eingesetzt wird, ist die Stadt Brühl südlich von Köln. Auf Anregung eines Verkehrssicherheitsberaters hat die Stadt Ende 2022 das Mobil bei der Kinder-Unfallhilfe angefragt, seit Mai 2023 ist es dort im Einsatz. Die Stadt hält den Anhänger auf dem örtlichen Bauhof bereit. Deren Mitarbeiter übernehmen auch den An- und Abtransport zu den Kitas, erklärt Alexandre Ludwig vom Fachbereich Mobilität der Stadt Brühl: „So haben die Kitas noch weniger Organisationsaufwand.“ Um die Fachkräfte mit dem Angebot vertraut zu machen, führt die Stadt Schulungen für interessierte Kitas durch, in denen Fachkräfte das Material und Tipps für die richtige Nutzung kennenlernen. Ludwig hofft, dass das Interesse anhält und die Kitas das Angebot auch langfristig nutzen und regelmäßig in ihre Aktivitäten integrieren. Für ihn liegt ein großer Vorteil des Mobils in seiner Flexibilität und darin, dass für die Einrichtungen keine zeitraubende Vorbereitung erforderlich ist.
Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in:
Meine Kita - das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 2/2024, S. 34-35, www.meine-kita.de
- Kitas: „Die aktuelle Situation in Kitas ist mitunter desaströs“
- Tut was!
- 125.000 Fachkräfte fehlen bundesweit in Kitas
Keine Kommentare vorhanden