Bologna 2.0
- "Kein Einheitsmodell von Studium": Peter Strohschneider, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, im Interview - Trotz aller Klagen und Kritik: Für die USA könnte Bologna zum Vorbild werden - Wolf Wagner: Deutschlands Unis sperren sich gegen Berufsausbildung - "DSW-Journal" 3/2009 zum Download auf: [http://www.studentenwerke.de/pdf/DSWJournal_3_09.pdf](http://www.studentenwerke.de/pdf/DSWJournal_3_09.pdf)
22.09.2009 Pressemeldung Deutsches StudierendenwerkAndere Perspektiven auf den Bologna-Prozess verspricht das Deutsche Studentenwerk (DSW) in der neuen Ausgabe seines "DSW-Journals", das heute erscheint. "In Deutschland vernebelt die fast ritualisierte Kritik, was bei Bachelor/Master alles schief läuft, den Blick auf das Positive und die Potenziale von Bologna", sagt DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde. "Wir halten vieles für verbesserungswürdig, aber wir blicken auch über dem Moment und den deutschen Tellerrand hinaus: Bologna 2.0"
Prof. Dr. Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschafts, plädiert im Interview für mehr Offenheit bei Bachelor/Master. Das durchstrukturierter, pragmatisch orientierte und mit klaren Zielen definierte Bachelor-Studium müsse es genauso geben wie das vor allem auf "intellektuellen Erfahrungsreichtum" ausgelegte: "Warum sollte das Wissenschaftssystem ausgerechnet in einer sich immer weiter verwissenschaftlichenden Zivilisation nur ein Einheitsmodell von Studium vorsehen?"
Strohschneider kritisiert allerdings, die sozialen Bedürfnisse der Studierenden seien bisher ausgespart worden: "Ein strukturelles Problem des deutschen Bologna-Prozesses liegt darin, dass er 'Student Affairs' einfach ignoriert", sagt Strohschneider. "Bei zwei Millionen Studierenden gibt es einen beträchtlichen Bedarf an sportlichen, kulturellen, ästhetischen Angeboten sowie an sozialen, psychologischen und ökonomischen Hilfestellungen."
Die USA blicken derweil mit großem Interesse auf den europäischen Bologna-Prozess. Im neuen "DSW-Journal" werden zwei Studien des Washingtoner "Institute for Higher Education Policy" vorgestellt, die in Deutschland bisher kaum wahrgenommen wurden. Wichtigstes Ergebnis der amerikanischen Forscher: Die europäische Bologna-Hochschulreform kann zum weltweit dominierenden Hochschulmodell der nächsten Jahrzehnte und sogar zum Vorbild für die USA werden.
Warum wird in Deutschland die Debatte um Bachelor/Master überhaupt so unerbittlich kontrovers geführt?, fragt sich in einem Gastbeitrag Prof. Dr. Wolf Wagner, Autor des Bestsellers "Uni-Angst und Uni-Bluff". Wagners Antwort: In Deutschland werden dauernd Menschenbildung und Berufsausbildung verwechselt. "Die deutschen Universitäten auf die Vermittlung von berufsbezogenen Kompetenzen zu verpflichten, wird als Sakrileg, als Demütigung erachtet. Darum der allgemeine Aufschrei und der erbitterte Widerstand", schreibt Wagner.
Weitere Themen des "DSW-Journals" 3/2009:
- Zäh, umstritten, unbeliebt: Britta Mersch über das Wesen und Unwesen von Akkreditierungen
- Gefahren des Mausklicks: Für immer mehr Studierende wird das Internet zur Sucht
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