Abkehr von der Einheitsschule
Der heute vorgestellte schulpolitische Konsens ist trotz einiger problematischer Einzelpunkte inhaltlich stark genug, um tatsächlich einen dauerhaften Schulfrieden in NRW zu schaffen.
19.07.2011 Pressemeldung lehrer nrw"Wir begrüßen die zwischen CDU, SPD und Grünen geschlossene Übereinkunft, weil sie eine eindeutige Abkehr von der Einheitsschule bedeutet, zu der die rot-grüne Gemeinschaftsschule eine Vorstufe war", betont Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw. Anders als in der Gemeinschaftsschule, wird es in der neuen Sekundarschule keine Bevorzugung des integrativen Wegs gegenüber der kooperativen Variante geben. In beiden Fällen liegt der lassenfrequenzrichtwert bei 25 und die Zahl der Unterrichtsstunden für die Lehrkräfte bei 25,5. Hier wurde Konfliktpotenzial entschärft.
lehrer nrw begrüßt darüber hinaus, dass auch die Klassenfrequenzrichtwerte für Realschule, Gymnasium und Gesamtschule von 28 auf 26 gesenkt werden. Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass es nicht gelungen ist, bei der Pflichtstundenzahl für die Lehrerinnen und Lehrer an allen Schulformen für Entlastungen zu sorgen", so Balbach. Lehrkräfte an Realschulen müssen weiterhin 28 Stunden unterrichten.
Kritisch sieht lehrer nrw in der Sekundarschule das längere gemeinsame Lernen in den Jahrgängen 5 und 6. Es gibt nach wie vor keinen wissenschaftlichen Beweis, dass sich dies positiv auf die Lernleistung auswirkt. "Hier liegt die Gefahr einer Unterforderung starker Schüler und einer Überforderung schwächerer Schüler – und nicht zuletzt eine enorme Belastung für die Lehrkräfte, die in sehr heterogenen Klassen werden unterrichten müssen", so Balbach.
Ein positives Ergebnis ist hingegen, dass der Konsens gerade für die Realschulen, die in der rotgrünen Schulpolitik keine Rolle mehr gespielt haben, wieder klare Perspektiven aufzeigt. Sie können in der neuen Schulstruktur ihr Profil schärfen. Zudem werden die Lehrpläne für die neuen Sekundarschulen aus Realschul- und Gesamtschul-Standards erwachsen. Damit steckt viel Realschule in der neuen Schulform. "Hier zeigt sich der Einfluss der CDU, die sich in den Verhandlungen, insbesondere in Person des Fraktionsvorsitzenden Karl-Josef Laumann, sehr für eine Weiterentwicklung des gegliederten Schulsystems im Allgemeinen und der Realschulen im Besonderen stark gemacht hat", so Balbach. "Anders als in der Bildungskonferenz hat auch die rot-grüne Landesregierung jetzt deutliche Zugeständnisse gemacht. Dies erkennen wir an."
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