Achtung! Finanzminister Möllring will Stellen von Lehrkräften abbauen
In einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Freitag, den 29. Juni 2012 hat der niedersächsische Finanzminister Möllring erklärt, er halte "einen Abbau von Lehrerstellen für unausweichlich". Und weiter wörtlich: "Schulen sind nicht dafür da, um Lehrer zu beschäftigen, sondern um Kinder zu unterrichten. Und wenn weniger Schüler da sind, braucht man dafür auch weniger Lehrer." Die Schülerzahl sei seit 2003 um 100.000 gesunken, gleichzeitig gebe es aber so viele Lehrer wie nie zuvor. Hier müsse eine Anpassung erfolgen - "nicht morgen oder übermorgen, aber in absehbarer Zeit".
29.06.2012 Pressemeldung GEW Niedersachsen"Mit dieser Äußerung wirft Möllring einen Stein ins Wasser, um zu prüfen, wie die Reaktionen von Eltern, SchülerInnen und von den Lehrerinnen und Lehrern ausfallen"; erklärt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen, Eberhard Brandt. Bisher gelte die Aussage des Kultusministers Dr. Althusmann, dass alle Stellen erhalten bleiben, bis alle zusätzlichen Belastungen wieder abgebaut sind, die in den Zeiten des Schülerberges seit 2004 aufgebaut worden sind. Außerdem habe Althusmann erklärt, dass die Umsetzung der Inklusion und normale Bedingungen für den Ganztag nur umgesetzt werden könnten, wenn die Lehrerstellen bei rückläufigen Schülerzahlen erhalten blieben.
Möllring versuche offenbar, eine Kurswende. "Wir müssen jetzt genau darauf achten, wie Kultusminister Dr. Althusmann und Ministerpräsident McAllister reagieren", so Eberhard Brandt. "Die Regierung muss wissen, dass wir uns nicht verschaukeln lassen."
Brandt wirft dem Finanzminister vor mit seinen Aussagen die Öffentlichkeit in die Irre zu führen: "Es stimmt einfach nicht, dass in den Schulen so viele Lehrkräfte zur Verfügung stehen, wie noch nie in der Landesgeschichte. Möllring unterschlägt die Wirkung des Lehrerarbeitszeitkontos und die Bedeutung der Teilzeitarbeit. Die Rückgabe der Überstunden beginnt erst im kommenden Schuljahr in den Gymnasien. Sie dauert 10 Jahre und bindet Tausende von Stellen. An der Kopfzahl von Lehrkräften kann man das tatsächliche Stundenvolumen, das in den Schulen zur Verfügung steht, nicht ablesen."
Außerdem führe die sinkende Schülerzahl nur dann zu einem geringeren Bedarf an Lehrkräften, wenn die Schulstruktur insbesondere auf dem Land an die sinkende Schülerzahl angepasst wird, so Eberhard Brandt. Dieser Aufgabe verweigere sich die schwarz-gelbe Landesregierung aus ideologischen Gründen, weil sie an kleinen und kleinsten Haupt- und Realschulen mit dem Etikett Oberschule festhält und die Gründung von ersetzenden Gesamtschulen mit vier bzw. drei Zügen verbietet. "Der Finanzminister deutet in seinem Interview an, dass er in dieser Frage eine Kurskorrektur in der Schulpolitik für erforderlich hält. Ich bin gespannt, wie sich die Regierung insgesamt verhält", erklärt der GEW-Landesvorsitzende.
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