Bildungsminister Rupprecht nimmt an Gründung des sorbischen (wendischen) Bildungsnetzwerks in Cottbus teil

In Anwesenheit von Bildungsminister Holger Rupprecht, dem Vorsitzenden der sorbischen Domowina, der Cottbuser Oberbürgermeisterin sowie mehrerer Landräte wurde heute am Niedersorbischen Gymnasium in Cottbus das sorbische (wendische) Bildungsnetzwerk gegründet. Ein Hauptziel des Bildungsnetzwerks ist die beabsichtigte Sicherung eines durchgängigen Bildungsangebots mit sorbischer (wendischer) Sprachprägung im allgemein bildenden Schulbereich bis zum Schulabschluss.

13.03.2006 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

Dem sorbischen (wendischen) Bildungsnetzwerk schlossen sich als Gründungsmitglieder Schulen und Vorschuleinrichtungen der Region, die Arbeitsstelle für sorbische (wendische) Bildungsentwicklung Cottbus, das WITAJ-Sprachzentrum, die Schule für niedersorbische Sprache und Kultur, das Sorbisches Institut e. V. (Zweigstelle Cottbus), sowie das Institut für Sorabistik der Universität Leipzig an. Eine zentrale Stellung im Netzwerk nimmt das Niedersorbische Gymnasium als die weiterführende Schule im Land Brandenburg ein, an der beabsichtigt ist alle relevanten Bildungsabschlüsse im Kontext einer durchgängigen sorbischen (wendischen) Sprachpflege vorzuhalten. Das Bildungsnetzwerk ist offen für weitere sorbische (wendische) Bildungseinrichtungen, die sich den Zielen des Netzwerks verpflichtet fühlen. Die Einbeziehung weiterer sorbischer (wendischer) Schulen und Kindertagesstätten ist gewünscht und wird angestrebt.

"Die Gründung des Bildungsnetzwerks ist ein Meilenstein bei der Sicherung des Erhalts der sorbischen (wendischen) Sprache", sagt Bildungsminister Holger Rupprecht. *Wir stehen als Land zu der besonderen Verantwortung, weil in Brandenburg die sorbische (wendische) Minderheit ihr angestammtes Siedlungsgebiet hat. Da es nur noch eine begrenzte Zahl an aktiven Sprechern des Niedersorbischen gibt - vornehmlich in der älteren Bevölkerung - steigt die Verantwortung der Bildungseinrichtungen für die Förderung und Revitalisierung der sorbischen (wendischen) Sprache."

Die Arbeit des Bildungsnetzwerks erfolgt unter Nutzung der vorhandenen Ressourcen und von Synergieeffekten mit folgenden Zielstellungen:

  • beabsichtigte Möglichkeit eines durchgängigen Bildungsangebots mit sorbischer (wendischer) Sprachprägung im allgemeinbildenden Bereich bis zur Erreichung aller Bildungsabschlüsse
  • Zusammenarbeit der Kindertagesstätten und Schulen - insbe-sondere beim Übergang der Kinder von vorschulischen Bildungseinrichtungen in die Primarstufe und von einer Schulstufe zur nächsten
  • Sicherung der erforderlichen Anzahl qualifizierter Lehrkräfte durch Fortbildungsmaßnahmen und gezielte Maßnahmen zur Werbung für das Sorabistikstudium
  • Aufgreifen und Weiterentwicklung von erfolgreichen Vorhaben und Erfahrungen.

Eine erste Stufe der Revitalisierung der Sprache wird seit längerem erfolgreich durch das WITAJ-Projekt realisiert, das am frühesten Zeitpunkt mit der Sprachförderung einsetzt. Im Jahr 1998 wurde das WITAJ-Projekt im Kindergarten Sielow mit 14 Kindern und 3 Erzieherinnen in Trägerschaft des Sorbischen Schulvereins e. V. begonnen. Mittlerweile arbeiten sieben Kindergärten im WITAJ-Projekt und erreichen 160 Kinder mit dem sorbischen Sprachangebot. Darauf aufbauend hat beispielsweise die Grundschule Sielow im Schuljahr 2000/2001 eine erste WITAJ-Gruppe in die Jahrgangsstufe 1 aufgenommen. Diese Schülerinnen und Schüler werden bilingual unterrichtet. Sorbisch (Wendisch) ist dabei Arbeitssprache. Mittlerweile arbeiten fünf Grundschulen im WITAJ-Projekt mit. Daneben wird im Grundschulbereich Sorbisch (Wendisch) als Fremdsprache und als Begegnungs-sprache gelehrt. An insgesamt 22 Grundschulen und vier weiterführenden Schulen im Land Brandenburg gibt es sorbischen (wendischen) Unterricht.


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