Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave zum Schuljahresbeginn: Schulreformen werden erfolgreich umgesetzt - mehr Abiturienten, weniger Schulabbrecher

Mit dem Einstieg in die Profiloberstufe und in das achtjährige Gymnasium (G8) haben die Schulen in Schleswig-Holstein zwei weitere Reformen des neuen Schulgesetzes auf den Weg gebracht. Zudem starteten die ersten 35 Regionalschulen und weitere 48 Gemeinschaftsschulen, deren Zahl damit auf insgesamt 55 gestiegen ist. "Es ist gut zu sehen, wie dynamisch sich unser Bildungssystem in den vergangenen Jahren entwickelt hat und dass sich dieser positive Prozess fortsetzt", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (4. September) in Kiel anlässlich des Schuljahresbeginns. Viele Dinge seien bereits erfolgreich eingeführt. Dazu gehöre auch das Zentralabitur, dessen Premiere zum Ende des Schuljahres 2007/08 sehr erfolgreich verlaufen sei. Zudem verfestige sich die Tendenz steigender Abiturientenzahlen und sinkender Schulabbrecherquoten.

04.09.2008 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Zentralabitur

Zum ersten Abitur mit landesweit zentralen Aufgaben sagte die Ministerin: "Nach der Auswertung aller Ergebnisse und Rückmeldungen aus den Schulen können wir von einer gelungenen Premiere sprechen. Keine der befürchteten Pannen, wie sie in anderen Bundesländern vorgekommen sind, ist eingetroffen." So habe die Verteilung der Aufgaben an die Schulen reibungslos funktioniert und die landesweite Durchschnittsnote sei mit 2,58 sogar etwas besser ausgefallen als in den Vorjahren (Vorjahr 2,60). "Einzelne Vorwürfe, dass Schüler Aufgabenstellungen schon vor der Prüfung gewusst haben sollen, konnten nicht belegt werden. Es mussten also keine Arbeiten wegen Schummeleien wiederholt werden." Um dieser Möglichkeit aber noch stärker vorzubeugen, werden die Aufgaben vom kommenden Jahr an erst am Tag vor der Prüfung versendet. Zudem werden die Aufgaben vorab von weiteren Lehrkräften geprüft, damit vereinzelt aufgetretene Rechtschreib- oder Formatierungsfehler künftig nicht mehr vorkommen.

Schulabschlüsse

Die Abiturientenquote ist Erdsiek-Rave zufolge in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. Das gehe aus der jüngsten Schulentlassungsstatistik für das Jahr 2007 hervor. Im vergangenen Jahr hätten 7.631 Schülerinnen und Schüler die Schule mit der Hochschulreife abgeschlossen - das entspreche 22,6 Prozent der Schulabgängerinnen und Schulabgänger nach 21,6 Prozent im Jahr 2006. Dieser Trend halte voraussichtlich an, denn im Jahr 2008 seien mit 7.946 noch einmal über 300 Abiturienten mehr verzeichnet worden, so die Ministerin weiter. "Das entspricht unserem Ziel, Schülerinnen und Schüler zu möglichst hohen Abschlüssen zu führen. Dabei erhoffe ich mir auch durch das längere gemeinsame Lernen und die individuelle Förderung an den neuen Schularten, insbesondere an den Gemeinschaftsschulen langfristig einen weiteren Schub."

Eine weitere positive Entwicklung sei, dass immer weniger Jugendliche die Schule ohne Hauptschulabschluss verließen. Ihr Anteil sei zuletzt von 9,8 Prozent in 2006 auf 8,7 Prozent in 2007 gesunken. "Das zeigt, dass die erhöhten Anstrengungen der Schulen erste Früchte tragen, zum Beispiel bei der Leseförderung, der Berufsberatung und während der Flexiblen Übergangsphase in der Hauptschule. Ich bin zuversichtlich, dass wir hier auch in den kommenden Jahren eine positive Entwicklung haben werden", sagte Erdsiek-Rave. Dazu werde auch das im vergangenen Jahr gestartete Handlungskonzept "Schule & Arbeitswelt" erheblich beitragen, das junge Menschen mit einer verstärkten Berufswahlorientierung, intensiven Praxisbegegnungen, Potenzialanalysen und individuellem Coaching unterstütze. "Damit tragen wir dazu bei, allen Jugendlichen eine berufliche Perspektive und damit auch gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen."

Profiloberstufe

Zum Start der Profiloberstufe an Gymnasien, Gesamtschulen und künftig auch an Gemeinschaftsschulen betonte die Ministerin noch einmal, dass damit die Allgemeinbildung und der fächerübergreifende Unterricht erheblich gestärkt würden. "Damit haben wir auch Konsequenzen aus Rückmeldungen und Anforderungen der Hochschulen und Ausbildungsbetriebe gezogen".

Künftig würden alle Schülerinnen und Schüler bis zum Abitur in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache sowie in mindestens einer weiteren Fremdsprache, zwei Naturwissenschaften, zwei Gesellschaftswissenschaften sowie einem musisch-künstlerischen Fach unterrichtet. "Dabei können die Schülerinnen und Schüler auch weiterhin eigene thematische Schwerpunkte in insgesamt fünf verschiedenen Profilen setzen." Zu jedem Profil gehörten als Schwerpunkt mindestens drei Profilfächer.
Für das laufende Schuljahr sei eine ausgewogene Verteilung der Profile festzustellen. So würden an den Schulen 97 sprachliche, 145 naturwissenschaftliche, 133 gesellschaftswissenschaftliche, 30 ästhetische und 19 sportliche Profile angeboten.

MINT

Die hohe Zahl der naturwissenschaftlichen Profile wertete Erdsiek-Rave als positives Signal für die so genannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften). "Gerade in Berufen aus diesem Bereich herrscht bundesweit Fachkräftemangel, und zwar sowohl in der freien Wirtschaft, als auch im Bildungssystem", sagte sie. "Deshalb versuchen wir mit einer großen Zahl von Aktivitäten, das Interesse der Kinder und Jugendlichen an den MINT-Fächern systematisch bereits vom Kindergarten an zu stärken."

Dies geschehe sowohl durch ständige Weiterentwicklung des Unterrichts, als auch durch zahlreiche Projekte, die gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft durchgeführt würden. Dazu gehörten beispielsweise "Versuch macht klug" im Kita-Bereich oder "NaWi aktiv" und die "Forscherferien" für Haupt- und Grundschüler. "Diese Projekte kommen vor allem wegen ihres hohen Praxisbezuges gut bei den Kindern an. Davon kann auch der naturwissenschaftlichen Schulunterricht lernen", so Erdsiek-Rave weiter. "Deshalb werden verstärkt Versuche und fächerübergreifendes Arbeiten eingesetzt."

Als vorbildliches und überaus erfolgreiches Beispiel nannte sie das SINUS-Projekt, das der systematischen Unterrichtsentwicklung in Kooperation der teilnehmenden Schulen dient. "An den Gymnasien, die am SINUS-Projekt teilnehmen, haben mehr Schülerinnen und Schüler in der bisherigen Oberstufe naturwissenschaftlich-technische Fächer gewählt. Und an den beruflichen Gymnasien werden die technischen Zweige auch dieses Jahr wieder stärker belegt." Auch gebe es in den vergangenen Jahren eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Lehrerfortbildungen in Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Fächern. Allein in Mathematik habe sie sich von 2005 bis 2007 verfünffacht. "Wir werden diese Initiativen konsequent weiter verfolgen, damit sie sich letztlich auch in Studierendenzahlen und auf dem Arbeitsmarkt niederschlagen."


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