Ungleiche Bildungschancen: „Wir hängen uns selber ab“
Wie stellen wir in Deutschland mehr Bildungsgerechtigkeit her? Um diese Frage kreist das bildungsklick-Doppelinterview mit Verena von Hugo und Nils Bolinsky.
25.03.2026 Bundesweit Artikel Anna PetersenDamit Jugendliche unabhängig von ihrem Elternhaus zu finanziell selbstbestimmten Bürgern werden, setzt die Vorstandsvorsitzende vom Bündnis Ökonomische Bildung e. V vor allem auf eine bessere Wirtschafts- und Finanzbildung in der Schule. Nils Bolinsky wiederum ist Vorstandsmitglied der Bildungsinitiative Edunovo, die jungen Menschen Chancen, Netzwerke und Zukunftskompetenzen vermitteln will. Damit möchte Edunovo, „einen Beitrag dazu leisten, Unterschiede auszugleichen“. Das Interview führte bildungsklick-Redakteurin Anna Petersen auf der didacta Anfang März.
Anna Petersen: Frau von Hugo, Herr Bolinsky. Wir sprechen heute über Bildungsgerechtigkeit. Die Bildungschancen in Deutschland sind ja traditionell leider ungleich verteilt und hängen sehr stark von der Herkunft der Schüler:innen ab. Herr Bolinsky, was kann die digitale Transformation denn aus Ihrer Sicht leisten, um das zu verändern?
Nils Bolinsky: Grundsätzlich sehr viel. Also, unser Verein wäre gar nicht denkbar ohne Digitalisierung. Wir arbeiten komplett digital. Dadurch erreichen wir zum einen auch bei den Mitgliedern junge Menschen, die nicht in Ballungszentren leben. Und auch das ist schon mal ein Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. Und auch der Großteil unserer Bildungsangebote ist komplett digital. Was wiederum auch den Vorteil hat, dass man nicht nur zu irgendwelchen Workshops in Präsenz gehen kann, wenn sie in der Stadt stattfinden, sondern überall und vor allem auch mal am Nachmittag und Abend nach der Schule. Und das wäre früher so nie möglich gewesen. Gleichzeitig ist mir auch wichtig zu betonen, dass Digitalisierung immer nur ein Mittel zum Zweck sein kann. Am Ende geht es natürlich um die vermittelten Inhalte.
Wenn wir Bildungsgerechtigkeit als demokratische Aufgabe wirklich ernst nehmen, gerade auch im Sinne von Teilhabe, was muss sich dann aus Ihrer Sicht am Bildungssystem ändern?
Nils Bolinsky: Ja, Sie haben es gesagt. Aktuell werden die Bildungschancen eines Kindes sehr stark vom Elternhaus beeinflusst. Und es hängt auch sehr stark vom Engagement einzelner Lehrkräfte ab, ob der Unterschied dann ausgeglichen werden kann. Obwohl das eigentlich systematisch stattfinden müsste. Und ich denke, um das zu erreichen, gibt es ganz viele Bausteine, die ineinandergreifen: Angefangen mit der Sprachförderung in der Kita oder auch Konzepten wie der „Klasse 0“ in Ludwigshafen über einen späteren Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule bis dann zur Unterstützung von Lehrkräften auch vor Ort, bei administrativen Tätigkeiten beispielsweise. Aber auch inhaltlich müssen wir Dinge verändern. Denn der Lehrplan muss auch einfach inhaltlich mehr auf die Kompetenzen zugeschnitten werden, die morgen relevant werden. […]
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