Brandenburg

Brandenburg stellt 400 Lehrkräfte ein und setzt Ausbildungsförderungsgesetz um

Bildungsminister Holger Rupprecht hat heute in seiner traditionellen Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn in Potsdam aktuelle Informationen und die Neuerungen zum anstehenden Schuljahr vorgestellt.

18.08.2010 Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

Lehrereinstellungen

Bildungsminister Rupprecht zeigte sich erfreut, dass es gelungen sei – wie geplant – 400 Lehrkräfte zu Schuljahresbeginn einzustellen. Weitere 50 würden im Lauf des Schuljahres folgen. Damit sei die Unterrichtsversorgung im Schuljahr gesichert, erklärte Rupprecht. "Die Schulen sind ausreichend mit Lehrpersonal ausgestatte – ich gehe davon aus, dass der Unterricht überall planmäßig beginnen kann." Damit ist bereits ein Drittel der im Koalitionsvertrag eröffneten Möglichkeiten zur Einstellung von 1250 Lehrkräften umgesetzt. Besonders erfreulich sei, so Rupprecht, dass "ein großer Teil der neu eingestellten Lehrkräfte im Land Brandenburg ausgebildet ist und viele jüngere Kolleginnen und Kollegen unter 35 Jahren insbesondere die Grundschulen kommen."

Brandenburgisches Ausbildungsförderungsgesetz

Bildungsminister Rupprecht begrüßte den Start des brandenburgischen Ausbildungsförderungsgesetzes. "Gute Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen", betonte Rupprecht. "Zentrales Ziel der Landesausbildungsförderung ist es, Anreize für Bildungsanstrengungen zu schaffen. Wir wollen, dass mehr Kinder aus einkommensschwachen Familien das Abitur oder die Fachhochschulreife erreichen und so Aufstiegschancen durch Bildung erhalten. Dafür bekommen sie künftig während des Besuchs der gymnasialen Oberstufe eine finanzielle Unterstützung vom Land. Ich bin überzeugt, dass diese Förderung gepaart mit der Möglichkeit, auch weiterhin nach 13 Jahren das Abitur ablegen zu können, mehr jungen Menschen ein Abitur ermöglichen wird. Zudem ist zu erwarten, dass eine Reihe von jungen Menschen durch die materielle Unterstützung mehr Zeit haben wird, sich auf ihre schulischen Aufgaben zu konzentrieren. Bessere Abiturnoten werden die Folge sein." Anspruch auf das brandenburgische "Schüler-BAföG" haben Schülerinnen und Schüler, die ab dem neuen Schuljahr erstmals eine gymnasiale Oberstufe oder einen zweijährigen vollzeitschulischen Bildungsgang der Fachoberschule besuchen. Sie erhalten – je nach Höhe des Eltern-Einkommens – 50 oder 100 Euro pro Monat für zusätzliche Bildungsausgaben wie Fachliteratur, Exkursionen, den Kauf von Computertechnik oder Theaterbesuche. Dafür stellt das Land im Jahr 2010 rund 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Die Anträge sind ab sofort bei den zuständigen Ämtern der Landkreise und kreisfreien Städte, in den Schulen oder im Internet unter www.mwfk.brandenburg.de oder www.mbjs.brandenburg.de abrufbar.

Personalkostenbudgets als Instrument zur Unterrichtsabsicherung

Ab diesem Schuljahr können die Schulen einen Teil ihrer Vertretungsreserve in ein Personalkostenbudget umwandeln, um damit bei Unterrichtsausfall geeignetes Personal wie etwa pensionierte Lehrer vorübergehend zu beschäftigen. "Mit dieser Regelung können Schulen eigenverantwortlich, schnell und unbürokratisch Vertretungsunterricht in guter Qualität organisieren", so der Minister. Gleichzeitig kündigte er an, dass die Darstellung der Unterrichtsabsicherung transparenter werde. "Die Schulen werden beginnend mit diesem Schuljahr die Maßnahmen zur Unterrichtsabsicherung in den Schulporträts detaillierter und differenzierter darstellen." So können sich Eltern und Schüler im Internet sowohl über Gründe für die Vertretung – etwa Krankheit oder schulorganisatorische Maßnahmen – als auch überMaßnahmen, mit denen Schulen den Unterrichtsausfall bekämpfen, informieren.

Maßnahmen nach dem Ländervergleich

"Nach dem enttäuschenden Abschneiden Brandenburgs beim Ländervergleich in den Fächern Deutsch und Englisch im Juni 2010", erläuterte Bildungsminister Rupprecht, "werden wir die Basiskompetenzen der Schülerinnen und Schüler in diesen Fächern deutlich stärken und die Lehrkräfte und Schulen durch Fortbildungs- und Beratungsangebote wirksamer unterstützen." Die einzelnen Vorhaben sollen Teil eines Gesamtkonzepts sein, das mit der Unterstützung einer Expertenrunde entwickelt werde, die von Prof. Olaf Köller (Leiter des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik in Kiel und Projektleiter des Ländervergleichs) geleitet wird. Minister Rupprecht führte weiter aus: "Wir brauchen klare Vorgaben zu den Mindeststandards, die Schüler in einzelnen Jahrgangsstufen erreicht haben müssen, wir brauchen einen verbindlichen Grundwortschatz, den die Grundschüler in den ersten vier Jahren erwerben und anwenden sollen und auch verbindliche Lektüreempfehlungen. Ich möchte Grundschulen die Möglichkeit zu flexiblerem Umgang mit der Stundentafel geben - dadurch hätten sie mehr Zeit für Übungsphasen zur Verbesserung der Basiskompetenzen. Und wir werden regelmäßiger als bisher das Erreichen der Standards überprüfen."

Einzelne Vorhaben befinden sich bereits in der Umsetzung:

  • Deutschunterricht: Ein gemeinsam mit Thüringen erarbeitetes Lesestrategie-Set mit Materialien, Hilfen und Anleitungen für den Unterricht wird erstmals landesweit eingesetzt.
  • Weiterentwicklung des Englischunterrichts: Brandenburg wird gemeinsam mit anderen ostdeutschen Ländern in den kommenden Monaten ein länderübergreifendes Fortbildungskonzept zur Förderung der Sprachkompetenz von Englisch-Lehrkräften entwickeln. Dazu sollen auch Kontakte zur Universität Potsdam und Universität Viadrina Frankfurt (Oder), zu Muttersprachlern an Volkshochschulen und zur Partnerregion Nordirland genutzt werden. Zur besseren Überprüfung der Schülerleistungen wird die Prüfung im Fach Englisch am Ende der Jahrgangsstufe 10 ab dem Schuljahr 2011/2012 um einen zentralen Hörverstehenstest erweitert.
  • Aufgabenportal auf dem Berlin-Brandenburgischen Bildungsserver: Durch das LISUM wird ein Aufgabenportal aufgebaut, das der Information der Lehrkräfte, Eltern, Schülerinnen und Schüler über standardbasierte Aufgaben anhand von konkreten Beispielen dient.
  • Aufsuchende Beratung: Beginnend mit dem neuen Schuljahr werden verteilt über alle sechs Schulämter Schulen mit besonderem Entwicklungsbedarf kontinuierlich über mindestens zwei Jahre von acht regionalen Teams begleitet. Gemeinsam mit den Lehrkräften der betroffenen Schulen und den Schulleitungen sollen Konzepte, die sich aus konkreten Problemlagen der Schulen ergeben, entwickelt und umgesetzt werden.

Ganztagsprogramm wird fortgesetzt

Das Ganztagsprogramm wird fortgesetzt. Zum Schuljahr 2010/2011 wurden 14 Grundschulen, 13 Oberschulen und drei Gesamtschulen neu in das Ganztagsprogramm aufgenommen. Damit unterbreiten dann 194 der 445 Grundschulen (44 Prozent) und 143 der 215 weiterführenden Schulen (67 Prozent) in der Sekundarstufe I Ganztagsangebote. Außerdem arbeiten 21 Förderschulen mit Ganztagsangeboten. In diesem Schuljahr startet zudem erstmals eine Evaluation der Qualität der Ganztagsangebote in Brandenburg. Erste Ergebnisse werden Ende des Jahres 2011 vorliegen.

Gemeinsame Aufgaben für die 10. Klasse-Prüfungen mit Berlin

Im Mai 2011 werden in Berlin und Brandenburg erstmals gleiche Aufgaben in den zentralen Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss im Fach Mathematik eingesetzt. Die gemeinsamen Aufgaben sind ein weiterer Schritt zur einheitlichen Bildungsregion Berlin-Brandenburg. Bereits im vergangenen Jahr hatten erstmals länderübergreifend schriftliche Abiturprüfungen in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch stattgefunden.

Neue Rahmenlehrpläne für Geschichte und Politische Bildung

Ab diesem Schuljahr gelten neue Rahmenlehrpläne für die Fächer Geschichte und Politische Bildung in der Sekundarstufe I für alle Schülerinnen und Schüler an Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien. In ihnen ist verbindlich geregelt, dass Schüler ab Klasse 7 in unterschiedlichen thematischen Kontexten Kenntnisse zur DDR-Geschichte erwerben sollen. In diesem Zusammenhang ist künftig auch der Besuch von außerschulischen Lernorten eine verbindliche Vorgabe. Bei der Überarbeitung der Rahmenlehrpläne wurde neben Lehrkräften, Fachberatern und Experten aus Wissenschaft und Verbänden, auch die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Ulrike Poppe, einbezogen. Zu Beginn des Schuljahres erhalten die Schulen in Berlin und Brandenburg zudem neues Material zum Thema DDR. Die Robert-Havemann-Gesellschaft Berlin und das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) haben eine Arbeitsmappe zum Thema "Opposition und Repression in der DDR" herausgegeben.

20 Jahre Land Brandenburg

Anlässlich des 20. Jubiläums des Landes Brandenburg sind die Schulen aufgerufen, dieses Jubiläum vom 04. bis 09. Oktober 2010 mit Projekttagen zu begleiten. Dazu hat das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg auf dem Bildungsserver Berlin-Brandenburg ein Portal für den Austausch von Ideen und zur Veröffentlichung von Projektergebnissen sowie mit Informationen und Anregungen für die Planung der Projekttage eingerichtet, das ständig aktualisiert wird. Auf dem Bildungsserver gibt es Daten und Fakten zur Geografie, Geschichte und Politik des Landes, Links zu Projekten, Veranstaltungen und Aktivitäten rund um das Jubiläum sowie konkrete unterrichtsbezogene Hinweise und Literatur-Tipps.

Verbesserung der frühkindlichen Förderung

Um die Qualität der Bildungsarbeit und der individuellen Förderung in rund 1.500 Kindertagesstätten zu erhöhen, investiert das Land Brandenburg zusätzlich mehr als 36 Millionen Euro pro Jahr. Damit wird der Betreuungs¬schlüssel in den Einrichtungen deutlich verbessert: für die Unter-Dreijährigen auf eine Erzieherin für sechs Kinder (vorher 1 zu 7), für die Drei- bis Sechsjährigen auf eine Erzieherin für zwölf Kinder (vorher 1 zu 13). Dadurch werden landesweit rund 900 zusätzliche Stellen für Erzieherinnen geschaffen. Die Änderung des Kita-Gesetzes tritt am 01. Oktober 2010 in Kraft. Parallel dazu wurde die Kita-Personalverord¬nung geändert. Zur Deckung des künftigen Fachkräftebedarfs wird der qualifizierte Seiteneinstieg – unter anderem durch die Möglichkeit einer tätigkeitsbegleitenden Ausbildung – in Kindertagesstätten erleichtert. Künftig können verstärkt Menschen mit unterschiedlichen persönlichen und beruflichen Hintergründen in den Kitas arbeiten – damit haben Kitas die Möglichkeit, ihre Profile zu schärfen.

Weitere Informationen zu den einzelnen Neuerungen gibt es im Internet unter:
www.mbjs.brandenburg.de

www.bildungsserver.berlin-brandenburg.de


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