Bildungsungleichheit

Das hat die Unterstützung des Startchancen-Programms bisher erreicht

Zwei Jahre nach seinem Start zieht der CHANCEN-Verbund eine erste Zwischenbilanz: Gemeinsam mit den Ländern hat er die Grundlagen für die Zusammenarbeit im Startchancen-Programm geschaffen.

07.10.2026 Bundesweit Pressemeldung DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
  • Mehrere Bücher liegen auf einem Tisch vor einer Tafel. © Adobe Stock Das Startchancen-Programm soll auch Strukturen und Routinen im Bildungssystem nachhaltig verändern.

Mittlerweile verbinden 450 regionale Netzwerke die Startchancen-Schulen, und der Verbund hat dafür mehr als 800 Multiplizierende qualifiziert. Nun gilt es, diese Unterstützung in die Schulen zu bringen und dauerhaft im Bildungssystem zu verankern. 

Welches Supermarktangebot ist günstiger: das reduzierte oder das mit Mengenrabatt? Was steht im Beipackzettel, und was davon ist wichtig? Solche Fragen klingen simpel, erfordern aber grundlegende Fähigkeiten in Lesen und Mathematik. Laut PISA-Studie 2025 beherrscht rund ein Drittel der 15-Jährigen in Deutschland diese Kompetenzen nicht sicher. Besonders betroffen sind Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien. Das Startchancen-Programm von Bund und Ländern soll diesen Zusammenhang verringern. Der CHANCEN-Verbund begleitet seine Umsetzung wissenschaftlich. Zwei Jahre nach dem Programmstart zieht der Verbund eine erste Zwischenbilanz.

„Was nützt eine zusätzliche Förderstunde, wenn niemand weiß, woran ein Kind scheitert?“, fragt Dr. Martina Diedrich, Mitglied der Verbundleitung. „Schulen brauchen gute Diagnostik, Zeit für Zusammenarbeit und verlässliche Unterstützung. Das schafft keine Schule allein. Dafür müssen Schulaufsichten, Landesinstitute, aber auch die Ministerien an einem Strang ziehen, mit abgestimmten Zielen und einheitlichen Botschaften. Genau dabei unterstützen wir die Länder: Wir bringen Wissen aus der Forschung ein, beraten die Länder passend zu den Bedingungen vor Ort und qualifizieren Multiplizierende.“

Wenn Schulen Unterstützung brauchen, muss das System mitziehen

Bund und Länder fördern mit dem Startchancen-Programm über zehn Jahre rund 4.000 Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schüler*innen. Doch sein Anspruch reicht weiter: Das Programm soll auch Strukturen und Routinen im Bildungssystem nachhaltig verändern. Der CHANCEN-Verbund begleitet deshalb keine einzelnen Schulen, sondern arbeitet mit den Stellen, die Schulen steuern, beraten und fortbilden. Denn wenn Verwaltung, Schulaufsicht, Schulentwicklungsberatung und andere Unterstützungssysteme besser zusammenarbeiten, profitieren Schulen über das Startchancen-Programm hinaus.

Qualifizierung: 800 Multiplizierende bringen Wissen in die Regionen

Der CHANCEN-Verbund hat gemeinsam mit den Ländern die Grundlagen dafür geschaffen: Verwaltung und Wissenschaft tauschen sich regelmäßig aus. Der Verbund hat mehr als 800 Multiplizierende, darunter erfahrene Lehrkräfte und Schulleitungen sowie Fachleute aus Schulaufsicht und Schulentwicklungsberatung, qualifiziert und dafür gemeinsam mit den Ländern neue Maßnahmen und Strukturen entwickelt. Die Themen reichen von Sprachbildung und Mathematik über Berufsorientierung und überfachliches Lernen bis hin zu datengestützter und multiprofessioneller Schulentwicklung.

Das Wissen bleibt nicht bei den Qualifizierten. Die Multiplizierenden tragen es in fast 450 regionale Netzwerke, in denen Startchancen-Schulen seit diesem Schuljahr in allen Bundesländern zusammenarbeiten. Dort tauschen sie Erfahrungen aus und entwickeln gemeinsam Schul- und Unterrichtskonzepte weiter. Der CHANCEN-Verbund unterstützt diesen Wissenstransfer gemeinsam mit den Ländern: Bestehende Ansätze werden forschungsbasiert weiterentwickelt, erprobt und an die regionalen Bedingungen angepasst.

Forschung: Wie Wissen in Unterricht und Steuerung ankommt

Strukturen aufzubauen ist nur der erste Schritt. Entscheidend ist, ob Qualifizierungen und Unterstützungsangebote tatsächlich etwas bewirken und letztlich bei den Schüler*innen ankommen. Deshalb untersucht der CHANCEN-Verbund in eigenen Studien, welche Veränderungen die Qualifizierungen auslösen und unter welchen Bedingungen sie wirken.

Parallel analysiert der Verbund, wie die Länder das Startchancen-Programm steuern und wie Verwaltung, Schulaufsicht und Unterstützungssysteme zusammenarbeiten. Die Ergebnisse sollen den Ländern Hinweise geben, wo sie ihre Steuerung und Zusammenarbeit verbessern können.

Die nächste Phase: vom Aufbau zur Verankerung

„Wir liefern wissenschaftliche Erkenntnisse, die direkt Veränderungen anstoßen können“, sagt Prof. Dr. Kai Maaz, Mitglied der Verbundleitung. „Auf ihrer Basis verbessern wir Angebote, erkennen, was Fortschritt im Bildungssystem ermöglicht oder bremst, und bringen sie gemeinsam mit den Ländern in Entscheidungen ein. Dabei stellen wir auch unsere eigenen Ansätze auf den Prüfstand. Denn ein lernendes Programm braucht eine Wissenschaft, die selbst bereit ist zu lernen.“

Nicht nur die Wissenschaft soll lernen, sondern das ganze Bildungssystem. Die nächste Phase wird zeigen, ob das gelingt und die geschaffenen Strukturen tragen. Sie klärt auch, ob diese Anpassungen Teil der Routinen in den Ländern werden und über die Laufzeit des Startchancen-Programms hinaus Bestand haben. Der CHANCEN-Verbund unterstützt die Länder weiterhin, indem er forscht, berät und qualifiziert. Ziel ist es, wirksame Unterstützung dauerhaft im Bildungssystem zu verankern.

Weitere Informationen bietet die Zwischenbilanz, die die bisherige Arbeit der acht Einheiten des Verbunds detailliert darstellt.

Die wichtigsten Fakten zum Verbund finden Sie hier: CHANCEN-Verbund auf einen Blick.


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