Studie

Staatsbürgerschaft steigert Schulerfolg von Kindern mit Migrationshintergrund

Ein deutscher Pass verbessert die schulischen Leistungen von Kindern mit ausländischen Wurzeln. Dies ist das Ergebnis einer Studie des RWI und des Luxembourg Institute of Socio-Eco­nomic Research. Die Einbürgerung führt zu einem Rückgang von Nichtversetzungen und zu einem Anstieg der Quote der Schülerinnen und Schülern, die das Gymnasium besuchen.

12.10.2021 Bundesweit Pressemeldung Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
  • © Brocreative/Shutterstock

Zudem verbessern sich teilweise die Schulnoten. Das Wichtigste in Kürze:

  • Die deutsche Staatsbürgerschaft führt bei Kindern mit Migrationshintergrund dazu, dass sie häufiger das Gymnasium besuchen und seltener eine Klasse wiederholen müssen.  Zudem verbessern sich die Schulnoten, insbesondere im Fach Mathematik. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und des Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (LISER). 
  • Dagegen finden sich kaum Auswirkungen der Staatsbürgerschaft auf die Ergebnisse in Leistungstests. Dies könnte darauf hindeuten, dass sich die Staatsbürgerschaft weniger auf die eigentlichen Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler auswirkt, sondern eher auf ihr Verhalten und ihre Motivation im Unterricht. Eine andere mögliche Erklärung ist, dass Lehrerinnen und Lehrer eingebürgerte Kinder positiver bewerten als Gleichaltrige ohne deutsche Staatsbürgerschaft, ausländische Kinder also diskriminiert werden. 
  • Die Leistungen von Kindern aus Mittel- und Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion scheinen sich infolge einer Einbürgerung am meisten zu verbessern, insbesondere in Bezug auf ihre Sprach- und Mathematikkenntnisse. Zudem besuchen sie mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit ein Gymnasium als Kinder aus den gleichen Ursprungsländern ohne deutsche Staatsbürgerschaft.
  • Die Ergebnisse basieren auf der Analyse zweier politischer Reformen aus den Jahren 1991 und 2000, die den Zugang zur deutschen Staatsbürgerschaft vereinfacht haben. Bei beiden Reformen hängt der Anspruch auf die Staatsbürgerschaft wesentlich von demografischen Merkmalen wie dem Geburtsjahr oder Einwanderungsjahr ab. Dadurch können die tatsächlichen Effekte der Einbürgerung mit ökonometrischen Verfahren geschätzt werden – unabhängig von anderen Charakteristika, die den Schulerfolg beeinflussen könnten, etwa der Motivation der Kinder.

„Unsere Studie zeigt, dass ein deutscher Pass den Bildungserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund erhöht“, sagt RWI-Wissenschaftlerin Christina Vonnahme. „Wenn die Einbürgerungsregeln für in Deutschland geborene Kinder gelockert würden, könnte dies dabei helfen, die Bildungslücke zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund zu verkleinern.“

Dieser Mitteilung liegt das Ruhr Economic Paper #920 „Marginal Returns to Citizenship and Educational Performance“ von Christina Gathmann, Christina Vonnahme, Anna Busse und Jongoh Kim zugrunde.


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2 Kommentare

  • 13.10.2021 10:17 Uhr
    Ich frage mich, wie das Leibniz-Institut zu dieser Schlussfolgerung kommt. Kann es vielleicht sein, dass es sich genau anders herum verhält:
    Dass sich einfach diejenigen Familien, die sich hier heimisch fühlen, auch einbürgern lassen. Und dass genau diese Kinder dann eine höhere Schule wählen, weil sie hier ihre Zukunft und Perspektiven sehen. Das halte ich doch eher für plausibel.
  • 13.10.2021 21:07 Uhr
    und ich frage mich, wie manche Menschen kommentieren können, ohne auch nur eine Sekunde nachzulesen, was sie da kommentieren. Wie die Forschenden zu diesem Ergebnis kommen, steht in deren Paper: https://www.rwi-essen.de/publikationen/ruhr-economic-papers/1161/
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