didacta-Podcast

Wissensvermittlung: „Der Weg in den Kopf geht über den Bauch“

Wie sicher ist unser Wasser? Ist die Energiewende am Ende? Möglichst unterhaltsam, verständlich und wissenschaftlich korrekt beantwortet Mai Thi Nguyen-Kim solche Fragen in ihren Videos. Im didacta-Bildungspodcast spricht die Moderatorin über ihr Erfolgsrezept: die „Zwiebel der Wissenschaftskommunikation“.

01.04.2026 Bundesweit Artikel Anna Petersen
  • © ZDF/Lennart Speer Dr. Mai Thi Nguyen-Kim ist promovierte Chemikerin und Moderatorin.

Zeit für Science! ist hier die Devise – und die hat Mai für ihre Sendung „MaiThink X – Die Show“ gerade einen Grimme-Preis beschert. Außerdem geht es im Gespräch mit Host Anna Petersen um Medienkompetenz für Groß und Klein, das Aufmerksamkeitsdilemma von Wissenschaft und den Plural von Oktopus.

Das Gespräch führte Anna Petersen am 18. März.

Anna Petersen: Mai, du hast ja ursprünglich Chemie studiert und auch promoviert. Gab es diesen Moment, in dem du gemerkt hast, dass es dir mehr Spaß macht, Wissenschaft zu vermitteln, als zum Beispiel selbst im Labor zu stehen?

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim: Ja, dieser Moment kam recht spät. Es ist mir sehr schwergefallen, damals nach der Schule ein Studienfach auszuwählen. Ich wusste nur, dass ich studieren will. Aber es war gar nicht so ein No-Brainer, Chemie zu wählen. Als ich mich dann letztendlich für Chemie entschieden hatte, war klar, das wird ein langes Studium, weil man als Chemikerin typischerweise eine Doktorarbeit macht. Das ist so ähnlich wie bei den Medizinern. Und dann hatte ich ja erst mal ganz viele Jahre gar keine, gab es ja keinen Anlass, darüber nachzudenken, was ich als nächstes mache. Und dann, als ich in der Doktorarbeit angekommen war, also in der letzten Station meiner Ausbildung sozusagen, da fing es erst an, dass ich mich gefragt habe: Warte mal, möchte ich das überhaupt?

Hier können Sie die aktuelle Folge des didacta-Podcasts anhören:

Und meine erste Wissenschaftskommunikationsaufgabe war bei einem Wettbewerb namens „Falling Walls“. Den gibt es auch heute noch. Es gibt jährlich die „Falling Walls“-Konferenz in Berlin, immer anlässlich des Mauerfalls im November, und das ist so eine TED-artige Konferenz – also, wenn man TED-Talks kennt: 15 Minuten hochkarätige Speaker:innen mit unterschiedlichsten Themen. Und neben dieser großen „Falling Walls“-Konferenz gibt es halt noch mehrere kleinere Events und eins davon ist das „Falling Walls Lab“ und da geht es um Drei-Minuten-Pitches. Da wurde man quasi dazu eingeladen, seine eigene Forschung auf drei Minuten runterzubrechen: drei Minuten und zwei Powerpoint-Folien. Und diese Einladung dazu ist irgendwie in meinem E-Mail-Postfach gelandet über den Institutsverteiler damals in der Doktorarbeit. Ich weiß noch, dass ich die damals an meinen Freund, der jetzt mein Mann ist, der auch Chemiker ist, weitergeleitet habe, weil der schon weiter war in seiner Doktorarbeit, und hab gesagt: Guck mal, ist das nicht interessant für dich? Und dann hat er so gesagt: Ja, aber mach doch auch mit. Und ich so: Okay. Und dann bin ich so ganz unspektakulär da quasi reingerutscht. Und dann hatte ich quasi Blut geleckt, weil ich schon wahnsinnig viel Spaß hatte bei dieser sehr großen Herausforderung, eine große, komplexe Arbeit auf drei Minuten und zwei Folien runterzubrechen. Dann hat es mir auch sehr viel Spaß gemacht, das vorzutragen und auch dieses Interesse zu wecken.

Denn, wenn man es eben schafft, die Arbeit auf das Wesentlichste runterzubrechen, was dann zwangsläufig auch ein bisschen oberflächlich ist natürlich in drei Minuten, schafft man es aber dafür, Menschen halt auch zu erreichen. Und da fing es an, dass es mir zum ersten Mal passiert ist, dass Menschen auf mich zukamen und mich aktiv von sich aus gefragt haben: Was machst du da genau? Kannst du mal mehr erzählen? Das ist ja etwas, was einem als Chemikerin normalerweise nicht passiert. Da muss man ja sonst immer schon aufpassen, dass einem die Leute nicht weglaufen, wenn man erzählt, dass man Chemikerin ist.  […]

Das komplette Gespräch finden Sie auf Spotify, Apple, Podcast.de und Deezer.



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