Ein Jahr Mathe und nichts dazugelernt?
(bikl) Heute wird der dritte und letzte Bericht zu PISA 2003 auf einer Fachtagung der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin vorgestellt. Die Sonderstudie "Pisa-I-Plus" soll Aufschluss darüber geben, wie sich die zuvor getesteten Neuntklässler innerhalb eines Jahres entwickelt haben.
17.11.2006 ArtikelBereits im Vorfeld wurden die ersten Befunde bekannt. Demnach konnten sich zwar rund 60 Prozent der Schüler zum Teil deutlich verbessern. Besorgniserregend ist aber, dass die Mathematik-Leistungen bei einem Drittel der Schüler zwischen der neunten und zehnten Klasse stagnierten und sich acht Prozent der Schüler sogar verschlechterten. In dem Bericht heißt es dazu: "Auf die Frage, was sie in einem Jahr Mathematikunterricht gelernt haben, müssen etwa 40 Prozent der 16-Jährigen mit 'nichts' antworten."
Über den Mathematikunterricht in der Sekundarstufe I urteilten die Forscher, er sei nach wie vor "in einem hohen Maße lehrergeleitet und variationsarm". „Das Wechselspiel von lehrergesteuertem Unterrichtsgespräch und anschließender Stillarbeit scheint den Alltag zu prägen“, heißt es. Erweiterte Lehrformen, individuelle Arbeitspläne oder neue didaktische Ansätze seien eher die Ausnahme als die Regel.
Noch unbefriedigender sind die Ergebnisse in den Naturwissenschaften. Hier verbesserten sich nur 44 Prozent der Schüler, 19 Prozent schnitten schlechter ab als noch in der neunten Klasse. Einen Grund dafür sehen die Pisa-Forscher in der Tatsache, dass in Deutschland kein kontinuierlicher, aufeinander aufbauender Fachunterricht gewährleistet wird. An vielen Schulen stehen Physik, Chemie und Biologie immer nur für einzelne Jahre auf dem Lehrplan, Da fällt es vielen Schülern schwer, die Zusammenhänge zwischen den Disziplinen zu erkennen. In anderen Ländern wird stattdessen das Mischfach Naturwissenschaften unterrichtet.
Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, warnte davor, die Erklärung für die Probleme deutscher Schüler nur bei den Lehrern zu suchen. Zwar sei es unbestritten, dass in Deutschland nach wie vor zu wenig Schüler aktivierender Unterricht angeboten würde. Aber man müsste auch auf die Rahmenbedingungen sehen. Derzeit seien die Klassen zu groß, das gegliederte Schulsystem vermittle den Eindruck homogener Klassen, und gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern fehlten einfach Fachkräfte.
Der Erziehungswissenschaftler Peter Struck von der Universität Hamburg warnt davor, die Studie überzuinterpretieren. Man sollte lieber die nächsten Studien abwarten, statt auf Ergebnisse aus dem Jahr 2003 zu blicken. Seit dem ersten Pisa-Schock 2001 habe sich in Deutschland viel getan, so Struck. Nach seiner Einschätzung holt Deutschland schneller auf als erwartet.
Für die Sonderstudie wurden nur Klassen in Gymnasien und Realschulen getestet. Hauptschulen waren ausgespart worden, weil es nicht in allen Bundesländern eine verpflichtende zehnte Hauptschulklasse gibt.
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