EU-Kommission rügt deutsches Bildungssystem
Der Appell der EU-Kommission ist unmissverständlich: Das deutsche Bildungssystem ist ineffizient und sozial ungerecht. Der Befund trifft vor allem Bayern. Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern: "Kultusminister Schneider fühlt sich zu Recht von diesem Appell angesprochen – hat Bayern doch das sozial ungerechteste Schulsystem der Bundesrepublik. Seine Reaktion ist allerdings außergewöhnlich dünnhäutig und polemisch. So wirft er der EU vor, ´auf einseitige und ideologisch motivierte Art und Weise gegen das gegliederte Schulwesen Stellung zu beziehen´. Dabei muss auch Minister Schneider endlich zur Kenntnis nehmen, dass es kein einziges stichhaltiges Argument für den Auslesezeitpunkt nach der vierten Klasse gibt. Alle Bildungsstudien der letzten Jahre haben die Überlegenheit von integrativen Bildungssystemen belegt."
17.10.2006 Bayern Pressemeldung GEW BayernIneffizienz und soziale Ungerechtigkeit sorgen zudem für enorm hohe verdeckte Kosten durch spätere Korrekturmaßnahmen, die in der Regel nicht öffentlich gemacht werden. Nach Ansicht der GEW muss es vordringlichste Aufgabe der Bildungspolitik sein, gerechte Grundlagen für weiterführende Bildungsbiografien zu schaffen, Schulversagen vorzubeugen und das allgemeine Kompetenzniveau zu heben.
"Das alles ist mit dem hoch selektiven bayerischen System nicht realisierbar", so Brückner. Besonders anschaulich wird der Appell aus Brüssel im ´Bildungsbericht Bayern´, deren Verfasser – das Institut für Schulqualität und Bildungsforschung – konstatieren:
* Der Schulerfolg hängt mit dem Einkommen der Eltern zusammen: Je höher dieses Einkommen ist, desto höher die Übertrittsquote ans Gymnasium und desto mehr Punkte erreichen die Grundschüler in den Orientierungsarbeiten. Je höher umgekehrt die Arbeitslosigkeit in einer Region, desto höher der Anteil der Hauptschüler.
* Dazu kommt eine besondere bayerische Ungerechtigkeit: Es gibt riesige regionale Unterschiede beim Schulerfolg. Die Schülerquote an der Hauptschule schwankt zwischen 33 und 63 Prozent, die an Gymnasien zwischen 21 bis 51 Prozent, die Quote der Schulabgänger ohne jeden Schulabschluss zwischen 3 und 23 Prozent. Brückner: "Minister Schneider sollte anstatt zu polemisieren endlich grundlegende Strukturreformen angehen und die Errichtung von Gemeinschaftsschulen ermöglichen, um die Grundübel des bayerischen Schulsystems abzustellen. Der am Wochenende verabschiedete CSU-Leitantrag zur Bildung hat dazu – außer unverbindlicher Lyrik – nichts anzubieten. Er schreibt die extreme soziale Ungerechtigkeit nur fort."
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