Baden-Württemberg

Flächendeckender Ausbau der Beruflichen Gymnasien - 100 zusätzliche Klassen bereits zum kommenden Schuljahr

"Baden-Württemberg setzt auf ein vielfältiges und anschlussfähiges Angebot der Wege zur Hochschulreife. Kein deutsches Flächenland bringt so viele junge Menschen zum Abitur wie Baden-Württemberg. Unser Ziel ist es, diese Wege weiter zu verbessern und die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems nachhaltig zu stärken. Wir werden deshalb unsere Beruflichen Gymnasien flächendeckend ausbauen und zum kommenden Schuljahr 100 zusätzliche Klassen einrichten. Zugleich werden wir die Schülerinnen und Schüler am achtjährigen Gymnasium spürbar entlasten und mehr Freiräume sowie eine stärkere individuelle Förderung schaffen." Das erklärten Ministerpräsident Stefan Mappus, Kultusministerin Marion Schick sowie Wirtschaftsminister Ernst Pfister am Dienstag (23. November 2010) in Stuttgart. Für die Maßnahmen würden keine zusätzlichen finanziellen Mittel benötigt. Der Mehraufwand werde durch zurückgehende Schülerzahlen finanziert, der so genannten demographischen Rendite.

23.11.2010 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Flächendeckendes und wohnortnahes Bildungsangebot

"Mit dem Ausbau der Beruflichen Gymnasien stärkt das Land Bildungsgerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft im Land", betonten Mappus und Schick. "Wir unterstreichen damit abermals unseren bildungspolitischen Grundsatz, den Menschen im Land ein flächendeckendes und wohnortnahes Bildungsangebot zu machen." Im Zuge der Einrichtung von 100 zusätzlichen Klassen zum kommenden Schuljahr sollen in Abstimmung mit den Schulträgern bis zu 17 neue Standorte für Berufliche Gymnasien im Lande geschaffen werden. Elf bestehende Standorte der Beruflichen Gymnasien würden darüber hinaus um weitere Profile ergänzt. "Wir schaffen damit mehr Ausgewogenheit zwischen den Stadt- und Landkreisen und gewährleisten landesweit vergleichbare Aufnahmechancen für Bewerberinnen und Bewerber." Jeder Stadt- und Landkreis werde nach dem Ausbau zumindest einen Standort für Berufliche Gymnasien besitzen.

Land setzt auf Empfehlungen der Enquêtekommission des Landtags

"Wir sehen es als zentrale bildungspolitische Aufgabe des Landes, den Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft aktiv zu begleiten", hob Wirtschaftsminister Ernst Pfister hervor. "Mit dem Maßnahmenpaket reagieren wir auf den Fachkräftebedarf und stärken damit die Zukunftsfähigkeit unseres Landes." Schon heute klagten viele Unternehmen, wie schwierig es sei, qualifiziertes Personal zu finden. "Ohne die Stärkung der beruflichen Aus- und Weiterbildung können wir hier nicht erfolgreich gegensteuern", unterstrich Pfister. Ziel sei es daher, eine bedarfsgerechte Verteilung der neuen Klassen auf die unterschiedlichen Fachrichtungen des Beruflichen Gymnasiums sicherzustellen, ergänzte Schick. Aufgrund des wachsenden Fachkräftebedarfs im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich werde die Mehrheit der Klassen an einem technisch oder naturwissenschaftlich ausgerichteten Gymnasium eingerichtet. Zugleich sollen mit dem Ausbau der sozialwissenschaftlichen Gymnasien und der Wirtschaftsgymnasien der demographischen Entwicklung und der fortschreitenden Globalisierung Rechnung getragen werden. "Bei der inhaltlichen Profilierung der einzelnen Standorte wollen wir die Empfehlungen der Enquêtekommission des Landtags berücksichtigen, die sich vertieft mit dem aktuellen Bedarf beschäftigt hat", betonten der Ministerpräsident und die Ministerin. Weitere, am Bedarf orientierte Ausbaustufen des Angebots an Beruflichen Gymnasien seien in den Folgejahren durchaus denkbar. "Wir müssen gleichzeitig mit Blick auf das duale System die Gesamtstatik unserer beruflichen Bildung im Blick behalten", betonten Mappus, Schick und Pfister und signalisierten in diesem Zusammenhang insbesondere Interesse an Vorschlägen des Handwerks zur fachlichen Ausgestaltung der Beruflichen Gymnasien.

Fast jedes dritte Abitur wird an Beruflichem Gymnasium erworben

"Die empirische Bildungsforschung belegt ganz klar, dass wir auf dem richtigen Weg sind", hob Schick hervor. "Denn mit den Beruflichen Gymnasien gelingt es uns, in der Summe mehr Jugendliche mit unterschiedlichster sozialer Herkunft zum Abitur zu bringen. Diesen Weg werden wir fortsetzen", unterstrich die Kultusministerin. Baden-Württemberg sei mit einer Studienberechtigungsquote mit der allgemeinen Hochschulreife von 35,4 Prozent bundesweit bei den Flächenstaaten führend. Fast jedes dritte Abitur (30 Prozent) werde an einem Beruflichen Gymnasium erworben.

Mehr Freiräume und weniger Fachunterricht am achtjährigen Gymnasium

"Parallel optimieren wir die Wege zur Hochschulreife im allgemein bildenden Gymnasium, ohne dass es bei der Qualität zu Abstrichen kommt", kündigte die Kultusministerin an. Konkret gehe es um "mehr individuelle Förderung, mehr Freiräume für die Kinder und deren Familien und mehr Qualitätskontrolle", so Schick. Fünf der insgesamt zehn Poolstunden würden künftig in die individuelle Förderung fließen, wodurch sich der Pflichtstundenplan bis zum Abitur um diese fünf Stunden entsprechend reduziere. "Jede Schülerin und jeder Schüler hat künftig mehr Zeit zum Üben und Vertiefen des Stoffs", erläuterte Schick. Denn die Schulen müssten diese Poolstunden für die Intensivierung des Gelernten verwenden, vor allem für Fachunterricht in geteilten Klassen. Im Gegenzug erhielten die Schulen mehr Freiheit bei der Verwendung der anderen Hälfte der Poolstunden. Darüber hinaus würden die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 künftig mindestens an drei Nachmittagen keinen Pflichtunterricht haben, in den Klassen 7 bis 9 an mindestens zwei Nachmittagen. Zudem dürfen in den Klassen 5 bis 6 künftig höchstens 32 Wochenstunden unterrichtet werden. "Die Kinder und Jugendlichen werden wieder mehr Zeit für die Wahrnehmung außerschulischer Bildungsangebote in Verein und Ehrenamt, für ihre Familie und für Freunde haben", hob Schick hervor.

Mehr Qualitätskontrolle und stärkere Begleitung der Schulen

"Es ist wichtig, dass die Schulaufsicht die Gymnasien intensiv in diesem Qualitätsentwicklungsprozess begleitet", so die Ministerin. Ziel sei es, dass die Schulaufsicht mindestens einen Schulbesuch pro Schuljahr durchführe, bei dem unter anderem Zielvereinbarungen für das kommende Schuljahr geschlossen würden. Das Kultusministerium werde Schulaufsicht sowie Schulen intensiv begleiten, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen verlässlich umgesetzt würden. Das Maßnahmenbündel solle zum Schuljahr 2011/12 in Kraft treten. Mappus und Schick: "Wir stärken die fachliche Qualität des Abiturs und leisten damit einen wichtigen Beitrag, die hohe Leistungsfähigkeit des allgemein bildenden Gymnasiums auch weiterhin sicherzustellen."


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