Gegen das „Bikini-Modell“ – Initiativen für eine echte Ganztagsschule

„Mehr Bildungszeit für Kinder: Schritte auf dem Weg zur Ganztagsgrundschule“ war das Motto des „Grundschulforums“ in Frankfurt am Main. Mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren am 25. März zur Verleihung der Preise des Grundschulverbandes für innovative „Schritte auf dem Weg zum Ganztag“ in die Deutsche Bibliothek gekommen.

27.03.2006 Pressemeldung Grundschulverband e.V.

„Kinder brauchen zum erfolgreichen Lernen mehr Bildungszeit, als in der Grundschule mit den vier oder fünf Schulstunden bisher vorgesehen ist“, betonte der Vorsitzende des Grundschulverbandes, Horst Bartnitzky. „Schulzeit muss für Kinder wie für Eltern verlässlich sein und auch den Nachmittag pädagogisch gestalten.“ In den letzten Jahren hat die Entwicklung von Ganztagsschulen an Fahrt gewonnen. Häufig aber wird Ganztagsschule als Billiglösung realisiert: An die vier oder fünf Schulstunden am Vormittag werden Betreuungszeiten und Veranstaltungen von Kirchen oder Vereinen angehängt, und diese Angebote gelten oft nicht für alle Kinder der Schule und müssen zusätzlich bezahlt werden.

Als „Bikinimodell“ von Ganztagsschule bezeichnete dies dann auch der Schulleiter einer der ausgezeichneten Schulen: „Morgens und nachmittags das Notwendigste abdecken und dazwischen irgend etwas für den Magen!“ Dagegen steht die Forderung des Grundschulverbandes, die bisherigen Schulstunden zu mehr echter Bildungszeit für alle Grundschulkinder auszubauen.

Folgende Preise wurden in Frankfurt im Einzelnen vergeben:

Der Praxispreis

Fünf Schulen aus verschiedenen Bundesländern erhalten den mit jeweils 2.000 Euro dotierten Praxispreis:
In Bremen die Tami-Oelfken-Schule, in Brandenburg die Evangelische Schule Potsdam, in Berlin die Hunsrück-Grundschule und in Baden-Württemberg die Burgschule Esslingen sowie die Französische Schule Tübingen.

Der Forschungsförderpreis

Zwei Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen teilen sich den mit insgesamt 6.000 Euro dotierten Forschungs-Förderpreis für die Durchführung von Forschungsarbeiten zur wissenschaftlichen Begleitung der Ganztags-Entwicklung:

  • eine Dissertation zu den Qualitätskriterien für die Gestaltung des Ganztags sowie 2.
  • eine Dissertation zur Entwicklung von Zeitumgang und Zeitverständnis bei Kindern in der Ganztagsschule.

Der Politikpreis

Der Politikpreis geht an die Stadt Herford in Nordrhein-Westfalen. Sie unterstützt finanziell, organisatorisch und programmatisch alle Grundschulen der Stadt auf ihrem Weg zum Ganztag. Wichtige Punkte sind dabei die Verzahnung des Vor- und Nachmittagsbereichs, Lehrerfortbildung, Zuschüsse für zusätzliche Stellen, Sachmittel und Baumaßnahmen.

Informationen zu den Preisträgern:

Der Forschungsförderpreis wird geteilt und geht zu gleichen Teilen an:
Nadine Budych aus Essen
„…weil sie mit ihrem Forschungsvorhaben einen wichtigen Beitrag zu Fragen der Schulentwicklung und Qualitätsentwicklung im Hinblick auf die Implementierung von Konzepten der Ganztagsschule leisten kann.“ Dissertationsvorhaben zum Thema: “Ganztagsgrundschule: Dezentrale Entwicklungsmodelle und Qualitätskriterien“ Betreuer der Dissertation: Prof. Dr. Tassilo Knauf
Doreen Weide aus Potsdam
„…weil ihr Forschungsvorhaben Konsequenzen der Einführung der Ganztagsschule für Kinder untersucht und deren Perspektiven rekonstruiert.“ Dissertationsvorhaben zum Thema: „Zur Entwicklung von Zeitumgang und Zeitverständnis bei Schülerinnen und Schülern an Ganztagsschulen“ Betreuerin der Dissertation: Prof. Dr. Sabine Reh

Der Politikpreis geht an

die Stadt Herford – Abteilung Schule, Verwaltungsgebäude Auf der Freiheit 23 32046 Herford
„…weil die Stadt aus ihrem kommunalen Etat erhebliche Mittel für die Entwicklung ihrer 11 Grundschulen zu Ganztagsschulen bereitstellt und in Kooperation mit den Schulen, einem wissenschaftlichem Beirat, und außerschulischen Institutionen stetig an der Weiterentwicklung ihres Modells arbeitet…“

Die Praxispreise gehen an:

Hunsrück-Grundschule (gebundene Gtg-GS), Manteuffelstraße 79, 10999 Berlin
Web: www.Hunsrueck-Grundschule.de
Mail: Schulleitung( at )hunsrueck-grundschule.de
„…weil an der Schule Lehrkräfte im Team mit Erzieherinnen die Integration von Kindern aus verschiedenen Kulturkreisen und mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen individuell fördern“.

Evangelische Grundschule, Große Weinmeisterstr. 49, 14469 Potsdam
Web: www.grundschule.hoffbauer-stiftung.de/html/potsdam.html
Mail: grundschule( at )hoffbauer-Stiftung.de
„…weil sie nicht nur für Kinder ein anregender Lern- und Lebensort sein will, sondern auch Eltern, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Träger und Kooperationspartner als Lernende mit einbezieht“.

Tami-Oelfken-Schule, Lüssumer Ring 55 , 28777 Bremen
Web: www.tami-oelfken-schule.de
Mail: 077( at )bildung.bremen.de
„….weil sie ein verlässliches ganzheitliches Angebot aus einem Guss bietet und in einem, den Bedürfnissen der Kinder entsprechenden Raum, eine Atmosphäre und ein Lernklima schafft, in welchem Kinder mit Migrationshintergrund eine eigene Identität entwickeln und wertschätzen können.“

Burgschule Esslingen, Blumenstraße 31, 73728 Esslingen
Web: www.Burgschule-Esslingen.de
Mail: <GHS\_Burgschule@esslingen.de>
„….weil die Schule zu allen relevanten Fragen eines ganztägigen Angebotes überzeugende Antworten gefunden hat.“

Französische Schule, Galgenbergstr. 86, 72072 Tübingen
Mail: franzoesische.schule( at )t-online.de
„…weil es der Schule gelingt, den individuellen Lernrhythmus und das unterschiedliche Lerntempo der Kinder zu berücksichtigen und damit verstärkt Lern- und Arbeitsformen zum Zuge kommen lässt, die selbst gestaltetes und am Erfahrungsprozess ausgerichtetes Lernen ermöglichen und fördern.“

Ansprechpartner

Grundschulverband e.V.

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