GEW Berlin fordert Stopp des massiven Missbrauchs von 1-Euro-Jobs im Bildungsbereich
Die GEW BERLIN fordert Senat und Arbeitsagenturen auf, den Einsatz von Erwerbslosen auf Basis von sog. "1-Euro-Jobs" in Schulen und Kitas umgehend zu stoppen.
03.03.2005 Berlin Pressemeldung GEW BerlinIlse Schaad, für Beschäftigungspolitik zuständiges Vorstandsmitglied der GEW BERLIN: "Die Tätigkeiten, die bereits jetzt massenhaft mit "1-Euro-Jobs" in Schulen und Kitas erledigt werden, sind überwiegend staatliche Pflichtaufgaben und keine Zusatzjobs. Der in den letzten Jahren erfolgte Personalabbau im Bildungsbereich hat dazu geführt, dass die Arbeitsbelastung gestiegen ist und notwendige Arbeiten liegen bleiben. Es ist bildungspolitisch unverantwortlich, diese jetzt zum Nulltarif durch alle paar Monate wechselnde Erwerbslose erledigen zu lassen. Bildung, Betreuung und Förderung von Kindern erfordern Kontinuität. Wir brauchen reguläre Arbeitsplätze im Bildungsbereich. Diese aber werden durch "1-Euro-Jobs" auf Dauer verhindert."
Derzeit werden "1-Euro-Jobs" bereits in großem Stil für pädagogische, technische und Verwaltungsaufgaben in den Schulen eingesetzt. Das reicht von der Betreuung und Integrationshilfe für behinderte Kinder, Sozialarbeit, Aufsicht, Begleitung auf Klassenfahrten und zum Schwimmunterricht, Vertretungsunterricht und Sprachförderung bis hin zu Hausmeistertätigkeiten, Bibliotheksbetreuung, Schulsekretariatsarbeiten u.v.a.m. Die GEW BERLIN schätzt, dass es inzwischen bis zu 500 "1-Euro-Jobs" in Berlin Schulen gibt. Vor einigen Tagen hat z. B. die Arbeitsagentur Süd 75 Stellen zur Sprachförderung in Kitas und Schulen ausgeschrieben.
Scharfe Kritik übt die GEW BERLIN an den zuständigen bezirklichen Schulbehörden, die bisher jede Information über den Einsatz von "1-Euro-Jobs" verweigern.
Ilse Schaad weiter: "Die von den Arbeitsgemeinschaften beauftragten Trägereinrichtungen treten zum Teil wie Drückerkolonnen auf und bedrängen Schulleiter/innen massiv zum Ein¬satz von "1-Euro-Jobs". Da den Personalräten bisher jede Informa¬tion von der Schulbehörde verweigert wird, werden sie jetzt ihre Informations- und Mitbestimmungsrechte vor dem Ver¬waltungsgericht einklagen. Das ist dringend notwendig, da in vielen Fällen weder die Qualifikation der eingesetzten Arbeitskräfte, noch deren gesundheitliche und persönliche Eignung geprüft wurde."
"1-Euro-Jobs" bieten den betroffenen Erwerbslosen keine Perspektive. "Hier wird die Not von Erwerbslosen schamlos ausgenutzt, in dem ihnen vorgegaukelt wird, sie hätten mit dem "1-Euro-Job" eine bessere Chance auf Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Das Gegenteil ist der Fall. Erwerbslose werden ohne jede Bezahlung zum Lückenfüllen eingesetzt. Reguläre Arbeitsplätze werden damit überhaupt nicht mehr geschaffen", so Ilse Schaad.
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