GEW fordert Reform der gymnasialen Oberstufe
Wie soll die gymnasiale Oberstufe entwickelt werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich der geschäftsführende Vorstand der GEW auf einer Klausurtagung in Arnstadt. "Die demographische Entwicklung macht Druck: auf die Landesregierung, auf die Schulsysteme." "Wer nicht rechtzeitig reagiert, wird künftig zum Getriebenen"(Uwe Müller, Supergau Deutsche Einheit, S. 143), im Fall der Gymnasien scheint Thüringen diesen Zustand bald zu erreichen," sagte der Thüringer GEW-Vorsitzende Jürgen Röhreich am ende der Beratung.
13.01.2007 Thüringen Pressemeldung GEW ThüringenFolgen der demographischen Entwicklung
Die Gymnasien bekommen den demographischen Einbruch nun auch im Detail zu spüren:
- Die Kurse in der gymnasialen Oberstufe erreichen nicht mehr die einst geforderten Normgrößen, die inzwischen hinfällig sind. -
- Die Einrichtung von kleinen Kursen geht zu Lasten der Klassen der Mittelstufe, denn das engmaschige Netz der Stundenverteilung lässt nur wenig Spielraum zu.
- Der Einsatz der zweiten Fremdsprache in Klasse 7 kommt zu spät.
Die von der GEW favorisierte Lösung: mehr Stunden an die Gymnasien geben, Teilzeiten aufheben, Lehrer aus Regelschulen versetzen an Gymnasien und Neueinstellungen, wird von der Landesregierung nicht oder nur in Ansätzen mitgetragen.
Kritik am Kurssystem
Dabei sind die Mängel des Kurssystems offensichtlich.
- Statt umfassende Allgemeinbildung zu vermitteln, ermöglicht das Kurssystem die Abwahl von Fächern, was mitunter dazu führt, dass später Studienwünsche schwer realisiert werden können. Die GEW hatte schon 2004 vorgeschlagen, die Abwahlmöglichkeiten einzuschränken. Zumindest ist die KMK jetzt diesem Anspruch gerecht geworden und hat die entsprechende Forderung fixiert.
- In fast jeder Stunde werden die Schüler in Kursen mit anderen Zusammensetzungen konfrontiert, soziale Kompetenzen werden hier kaum entwickelt. Die Tendenz zur Vereinzelung wird gefördert. Es fehlen die gerade für dieses Alter der Schüler notwendigen Bezugspersonen.
- Fachübergreifendes Lernen wird verhindert. Doppelvermittlung von Stoffen ist daher unvermeidbar.
- Eine Lösungsmöglichkeit sind stabile Lerngruppen, die länger gemeinsam lernen sowie eine Entfrachtung der Lehrpläne.
- Für Eltern ist das komplizierte Punktesystem kaum durchschaubar. Auch Schüler übersehen oft die einzelnen Klippen und Stolperstufen. Nicht selten kommt es vor, dass wegen fehlender Punkte die Zulassung zum Abitur nicht erreicht wird.
- Die zweite Fremdsprache müsste z.B. in Klasse 5 einsetzen, die Naturwissenschaften müssen gestärkt werden.
Die aus Gymnasiallehrern, Schulleitern und Bildungsexperten bestehende Arbeitsgruppe, die das Kultusministerium eingesetzt hat, soll diese Reform in Gang setzen. Wie weit sie gehen wird, ist unklar, denn es gibt eine interne Schweigepflicht.
"Wir wissen, wie die Landesregierung bisher mit Empfehlungen von Enquetekommissionen umgegangen ist. Deshalb haben wir berechtigte Zweifel, dass die Empfehlungen einer Arbeitsgruppe
- so gut und weitreichend ihre Reformbestrebungen ein mögen - am Ende von den politisch Verantwortlichen mitgetragen werden", sagte Jürgen Röhreich abschließend.
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