Schulen arbeiten weiter am Limit, Entlastung kommt kaum an
Die GEW Thüringen zieht zum Ende des Schuljahres 2026/27 eine ernüchternde Bilanz: Die Personalsituation bleibt schulartübergreifend und in den meisten Regionen angespannt. Unterrichtsausfall, Langzeiterkrankungen, unbesetzte Stellen und fehlende Bewerberinnen und Bewerber prägen weiterhin den Alltag vieler Schulen.
01.07.2026 Thüringen Pressemeldung GEW ThüringenDas vom Bildungsministerium angekündigte Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung und zur Entlastung der Lehrkräfte ist im Schulalltag bislang nur in Teilen spürbar angekommen.
„Die Kolleginnen und Kollegen haben auch in diesem Schuljahr unter enormen Bedingungen dafür gesorgt, dass Schule funktioniert. Von echter Entlastung kann aber vielerorts keine Rede sein“, erklärt Kathrin Vitzthum, Landesvorsitzende der GEW Thüringen. „Es werden weiterhin Stundentafeln gekürzt, Fachunterricht fällt aus und zusätzliche Aufgaben treffen auf ohnehin überlastete Beschäftigte.“
Regelschulen besonders betroffen
Besonders zugespitzt ist die Lage an den Regelschulen. Dort ist der Unterrichtsausfall vielerorts besonders hoch; teilweise kann bis zu einem Viertel des Unterrichts nicht regulär abgesichert werden. Ausgebildete Regelschullehrkräfte sind auf dem Arbeitsmarkt kaum verfügbar. Abordnungen aus anderen Schularten helfen nur begrenzt, weil auch Gymnasien, berufsbildende Schulen und Grundschulen selbst unter Personalmangel leiden.
Problematisch ist die Lage in Abschlussklassen. Fachunterricht zur Prüfungsvorbereitung kann nicht immer verlässlich durch Fachlehrkräfte angeboten werden. Teilweise bleibt nur Blockunterricht für wenige Tage oder Wochen. Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger leisten wichtige Arbeit, können den strukturellen Mangel aber nicht ausgleichen.
Grundschulen, Förderschulen und berufliche Bildung unter Druck
Auch an Grundschulen bleibt die Unterrichtsversorgung angespannt. Vielerorts kann Unterricht nur durch Kürzungen bei Deutsch als Zweitsprache abgesichert werden. Das trifft besonders Schulen mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationsgeschichte und verschärft Bildungsungleichheit.
Förderschulen sind weiterhin unterbesetzt. Auch der Bedarf im gemeinsamen Unterricht kann kaum vollständig gedeckt werden. Der Mangel an ausgebildeten Förderschullehrkräften belastet Förderschulen und inklusive Angebote gleichermaßen.
An Gymnasien müssen ebenfalls Stundentafeln gekürzt werden; fachfremder Unterricht nimmt zu. Die berufsbildenden Schulen kämpfen seit Jahren mit einer schwierigen Lage, weil Fachlehrkräfte kaum zu gewinnen sind.
Entlastung bleibt aus
Das Startchancen-Programm ist nach holprigem Beginn angelaufen. Aus Sicht der GEW profitieren jedoch zu wenige Schulen und Schülerinnen und Schüler. Nötig sei ein Sozialindex, der alle Schulen in den Blick nimmt und Ressourcen gezielt nach Bedarf verteilt.
Die Beibehaltung der Besonderen Leistungsfeststellung (BLF) bleibt eine zusätzliche Belastung. Positiv bewertet die GEW den Wegfall des Kompetenztests in Klassenstufe 6. Ob daraus eine nachhaltige Entlastung entsteht, wird sich allerdings erst in den kommenden Schuljahren zeigen.
Die Neuregelung der Altersabminderung hat viele Kolleginnen und Kollegen verunsichert und wurde vielfach als Verschlechterung der Arbeitsbedingungen wahrgenommen. Auch freiwillige Vorgriffsstunden beziehungsweise ein Ansparkonto können nur dann helfen, wenn die Bedingungen für die Beschäftigten tatsächlich attraktiv, fair und akzeptiert sind.
Schulämter und Personalvertretungen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen
Die staatlichen Schulämter bemühen sich, Einstellungen schnell umzusetzen. Zugleich arbeiten auch sie an der Belastungsgrenze. Personalwechsel, verzögerte Nachbesetzungen, die Prüfung von Abschlüssen und fehlende Bewerbungen führen zu Bearbeitungsstaus.
- Länder kooperieren für digital gestützte Bildung
- Unterstützung für Thüringer Schulpflicht-Initiative im Bundesrat
- Seiteneinstieg in Thüringen: Zwischen Chance und Herausforderung
Keine Kommentare vorhanden