Hessisches Kultusministerium und Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst zum "Bildungsmonitor 2006": "Scheuen den Vergleich nicht"

Trotz einiger erfreulicher und auch kritischer Aspekte, die von der Landesregierung ernst genommen werden, sehen die Hessischen Ministerien für Kultus sowie Wissenschaft und Kunst die von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft beim Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Auftrag gegebene Studie "Bildungsmonitor 2006" kritisch: "Wir scheuen den Vergleich nicht und werden die gestern veröffentlichte Studie gewissenhaft auswerten. Allerdings hat sie massive Schwächen und basiert zudem auf Daten von 2004 oder sogar älter", erklärten die Sprecher beider Ministerien, Christian Boergen und Rudolf Kächler, heute in Wiesbaden.

24.08.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Der "Bildungsmonitor 2006" erschöpfe sich in einer "rein wirtschaftlichen Betrachtung, ohne zu berücksichtigen, was mit den verfügbaren Mitteln pädagogisch gemacht wird. Die Betrachtung blende die erheblichen Investitionen großer hessischer Unternehmen weitgehend aus. Auch blieben 50.000 Rheinland-Pfälzer, die täglich zur Arbeit nach Hessen einpendeln ebenso unberücksichtigt, wie Studentinnen und Studenten aus anderen Bundesländern oder der im Vergleich zu anderen Ländern ungleich höhere Anteil ausländischer Kinder. "Wir halten diese Auftragsstudie für wissenschaftlich fragwürdig", betonten Rudolf Kächler und Christian Boergen.

Immerhin sei es erfreulich, dass in der Studie die boomende Rhein-Main-Region, gute Abiturchancen, Hessens niedrige Arbeitslosenquote, die Erfolge bei Vor- und Grundschulen sowie im beruflichen Bildungswesen angesprochen werden. Die Ministeriumssprecher verwiesen auf das vernichtende Urteil von Olaf Köller, Direktor des Berliner Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen: "Viele Annahmen darüber, was ein gutes Bildungssystem ausmacht, sind hoch normativ und ohne empirische Grundlage." Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) habe bestätigt, dass der von der Landesregierung eingeschlagene Weg zu mehr Qualität richtig ist: "Die größere Autonomie der Hochschulen und die künftige Einführung von Studienbeiträgen werden zu mehr Wettbewerb und zu mehr Qualität führen. Die Daten des Bildungsmonitors stammen aus 2004; heute sähe das Ergebnis bereits viel positiver aus", so VhU-Geschäftsführer Jörg E. Feuchthofen. Beispielsweise habe sich die Lehrer-Schüler-Relation in Hessen gegenüber 2004 deutlich verbessert. Die Studie belege, dass Hessen – insbesondere der Großraum Rhein-Main – als Beschäftigungs-Standort überdurchschnittlich Forscher anziehe.

"Es ist grotesk, dass uns die großen Unternehmen mit ihren immensen Aufwendungen für Forschung negativ zugerechnet werden. Verglichen mit anderen Bundesländern zählt Hessen zu den großen Investoren für Forschung- und Entwicklung", so Rudolf Kächler vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Im "Bildungsmonitor 2006" fehle etwa das Verhältnis von Studenten pro Kopf der Gesamtbevölkerung, bei dem Hessen gut abschneide. Während sich die IW-Studie zu stark auf den Anteil der Naturwissenschafts-Professoren eines Landes fokussiere, setze Hessen traditionell und aktuell starke Schwerpunkte in den Geisteswissenschaften: "Das kreidet uns dieser ´Bildungsmonitor´ an", erläuterte Rudolf Kächler. Nach einer Statistik des Wissenschaftsrats befinde sich Hessen bei den Hochschul-Ausgaben gemessen am Gesamthaushalt unter den führenden Bundesländern. Seit 2004 sei zudem die Zahl der Studierenden in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik deutlich gestiegen. Außerdem setzten Initiativen für ein Studium der Natur- und Ingenieurwissenschaften in der Grund- und Mittelstufe an, konnten sich also bis jetzt noch gar nicht richtig auswirken. Allein die Bildungskampagne TEKNO-NOW habe bisher rund 60.000 Schülerinnen und Schüler sowie 6.000 Lehrerinnen und Lehrer in Hessen erreicht.

Für das Kultusministerium verwies Christian Boergen auf die Erfolge bei Standards, Förderplänen, zentralen Abschlussprüfungen, Vorlaufkursen, SchuB-Klassen, eigenverantwortlicher Schule, dezentraler Erziehungshilfe, dem Bildungs- und Erziehungsplan sowie dem Ausbau von Ganztagsangeboten, wo die IW-Autoren nur die gebundene Variante gewertet hätten. Hessen habe zudem "als eines der ersten Länder die von der Vorgänger-Regierung abgeschafften Kopfnoten wieder eingeführt. Das hat sich in unserem Land bewährt." Der "riesige Zuwachs" in der Risikogruppe Lesen an Gymnasien sei "lachhaft, da diese Gruppe laut PISA insgesamt gerade einmal ein Prozent ausmacht". Auch sei in Hessen die Zahl der Frühpensionierungen von Lehrerinnen und Lehrern wegen Dienstunfähigkeit – ein Kernpunkt der Kritik in der Studie – seit dem Jahr 2000 um 89 Prozent zurückgegangen: "So ist das halt, wenn man völlig überaltetes Datenmaterial verwendet und sich nicht um aktuelle Zahlen bemüht".


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