Jeder dritte Schüler hat Angst
(bikl) Nach einer Studie des Bundeskriminalamtes aus dem Jahre 2003 hat jeder dritte Schüler Angst davor, allein den Schulweg anzutreten oder auf den Pausenhof zu gehen, fünf Prozent aller Schüler verhalten sich regelmäßig gewalttätig, ein Drittel schlägt gelegentlich zu.
14.02.2005 ArtikelUm dieser Gewalt Einhalt zu gebieten, haben sich heute in Berlin die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) und der Verband Bildung und Erziehung für eine verstärkte Zusammenarbeit von Schule und Polizei ausgesprochen. Dazu gehören – so die Initiatoren von "Gewalt darf keine Schule machen" – schulische Präventions- und Sicherheitskonzepte ebenso wie vereinbarte Kooperationen zwischen Schule und Polizei. Die pädagogischen Mittel der Schule, um Gewalt einzudämmen, seien begrenzt. Deshalb müsse die Schule auch auf Hilfe "von außen" zurückgreifen können – zum Beispiel auf Beratungsstellen, auf die Jugendgerichtsbarkeit und auf die Polizei.
Flächendeckende Prävention
Der Bundesvorsitzender der Polizeigewerkschaft Wolfgang Speck lobte die zahlreichen Projekte in den einzelnen Bundesländern zur Eindämmung der Kinder- und Jugendgewalt. Doch noch immer fehle es an einer flächendeckenden und abgestimmten präventiven Bekämpfungsstrategie.
Gewalt, so der VBE-Bundesvorsitzender Ludwig Eckinger, sei ein zentrales Problem in allen Schularten. Die populäre Eingrenzung auf Haupt- und Gesamtschulen verleite zu falschen Schlüssen.
"Keine Lernzielfetischisten"
Hart ging der Bundesvorsitzende mit der Fokussierung auf PISA und Co. ins Gericht: Der Umgang mit Gewalt sei eine pädagogische Herausforderung. Weder Bildungsstandards noch Vergleichsarbeiten erlösten davon. Im PISA-Zeitalter würden zwar Schülerinnen und Schüler immer häufiger ´vermessen´, aber das dürfe nicht dazu verleiten, zu Lernzielfetischisten zu werden. "Der VBE registriert mit wachsender Besorgnis, dass sich unter dem Deckmantel von Schulqualitätsentwicklung ein technokratischer Umgang mit Schulen anbahnt. Weiche Faktoren einer Schulentwicklung wie Schulklima und Schulkultur drohen in Vergessenheit zu geraten." Eine Schule mit freundlichem Umgangston, klar bestimmten Grenzen, eine Schule mit positivem Schulklima sei die beste Antwort auf Gewaltattacken.
Modell Ganztagsschule hilfreich
Im Westdeutschen Rundfunk war Eckinger zuvor auch auf die Rolle der Eltern eingegangen. Das Elternhaus spiele die zentrale Rolle überhaupt, so der VBE-Vorsitzende. Und wörtlich: "Wir müssen sie sowohl in die Pflicht nehmen als auch natürlich ihre Rechte weiterhin wahren. Aber auch da ist viel Aufklärung notwendig. Wenn das nicht mehr klappt, müssen Maßnahmen außerhalb des Elternhauses greifen, also zum Beispiel über die Jugendhilfe – aber eben auch über Psychologen, über Sozialarbeiter. Und da wäre das Modell der Ganztagsschule natürlich hilfreich."
Weitere Informationen:
Geminsame Erklärung VBE und DPolG
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