Junglehrer im Bayerischen Philologenverband zur Einstellungssituation: "Schluss mit der skandalösen Sparpolitik!"
Die Referendar- und Jungphilologenvertretung (RJV) im Bayerischen Philologenverband zeigt sich bestürzt und wütend über die miserable Einstellungssituation in den gymnasialen Schuldienst für Februar 2011. Demnach haben in der vergangenen Woche von knapp 750 Bewerbern rund zwei Drittel kein Angebot auf Übernahme in den Staatsdienst erhalten – betroffen sind selbst sehr gute Bewerber und solche in den Mangelfächern des naturwissenschaftlichen Bereichs.
17.01.2011 Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)"Einmal mehr haben wir den Eindruck, dass die entscheidenden Weichenstellungen in der Bildungspolitik durch das Finanz- und nicht das Kultusministerium erfolgen", beklagt Julius Müller, Vorsitzender der RJV. "Die jungen Kolleginnen und Kollegen sind während eines Teils ihrer Ausbildung mit bis zu 17 Stunden Unterrichtseinsatz regelrecht verheizt worden und werden jetzt ohne Perspektiven in die Arbeitslosigkeit entlassen. Wir Junglehrer verstehen nicht, dass wir als hochqualifizierte Fachkräfte auf der Straße stehen sollen. Selbst der Notenschnitt aus 1,5 aus zwei Staatsexamen genügt nicht in jedem Fall für eine Anstellung – und das, obwohl die Gymnasien seit Jahren von teilweise gravierendem Unterrichtsausfall geplagt werden, den man mit vielen, billigen Aushilfskräften ohne Lehrerausbildung zu bekämpfen versucht."
Anders als im vergangenen Jahr können nun auch keine Aushilfsverträge mehr angeboten werden, da das Kultusministerium diese schon zur personellen Abfederung des doppelten Abiturjahrgangs nahezu völlig aufgebraucht hatte. "Die Stimmungslage unter den betroffenen Referendarinnen und Referendaren changiert daher zwischen ohnmächtiger Wut und Verzweiflung. Zwei Jahre haben sie sich für eine Dumpingbesoldung aufgeopfert; jetzt fühlen sie sich buchstäblich vor die Tür gesetzt. So geht man nicht mit der zukünftigen Lehrergeneration um!", kritisiert Julius Müller.
An vielen Ausbildungsschulen könne, so Müller, die Unterrichtsversorgung nur dadurch halbwegs sichergestellt werden kann, dass Referendare im dritten Ausbildungsabschnitt deutlich mehr Stunden als vorgesehen eigenverantwortlich unterrichten. Dies führe zu einem Qualitätsverlust in der Seminarausbildung.
Junglehrervertreter Müller fordert daher: "Wir rufen Kultusminister Dr. Spaenle dazu auf, dem hochqualifizierten und motivierten Lehrernachwuchs eine berufliche Perspektive zu bieten! Unsere Schüler brauchen diese Lehrkräfte dringend! Daher: Schluss mit der skandalösen Sparpolitik!"
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