„Kinder nicht übermäßig schonen“

(bikl) „Kinder müssen lernen, mit Risiken umzugehen, sie brauchen körperliche, psychische und soziale Übungssituationen.“ Zur Eröffnung des Kongresses „Bewegte Kindheit“ erklärte heute die Osnabrücker Sportwissenschaftlerin Prof. Dr. Renate Zimmer, es sei falsch, Kinder übermäßig zu schonen.

23.03.2006 Artikel
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Denn „früh übt sich, wer gesund bleiben will“, so die Wissenschaftlerin. Bis zum Freitag treffen sich in der Universität Osnabrück rund 2.500 Erzieher, Pädagogen, Psychologen und Therapeuten, um über die Bedeutung von Bewegung, Sport und Spiel für die Bildung und die Gesundheit von Kindern zu diskutieren. Ein Schwerpunkt der Tagung ist neben der Frühförderung die Entwicklung neuer Lernkonzepte. Dabei geht es unter anderem darum, wie Sprachförderung durch Bewegung unterstützt werden kann.

Bewegung in die Sitzgesellschaft bringen

Obwohl das Wissen um die Bedeutung von Sport und Bewegung für das Lernen und für die Gesundheit längst Allgemeingut ist, fällt an deutschen Schulen jede vierte Sportstunde aus und lernen Kinder, so Detlev Porsch von der Technikerkrankenkasse, das Sitzen „in einer Sitzgesellschaft“.

„Bewegung, Spiel und Sport“, weiß Renate Zimmer, „sind unverzichtbare Bestandteile des Bildungsprozesses bei Kindern.“ Dass Bewegung – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes - in alle Schulfächer kommen muss, das ist für sie unumgänglich. Deshalb forderte sie, dieses Thema in die Fortbildung von Lehrern verankern. Denn in der Erstausbildung von Lehrern, so die Pädagogin, spiele dies bislang keine Rolle, es sei denn, der zukünftige Lehrer studiere neben Mathematik auch das Fach Sport.

Keine "Lernanstalten á la Nürnberger Trichter"

Während die Kultusministerkonferenz für die Fächer Mathematik, Deutsch, die erste Fremdsprache, Biologie, Physik und Chemie Bildungsstandards festgeschrieben hat, fehlen diese bislang für das Fach Sport. So befürchtete Josef Micha vom Gemeindeunfallversicherungsverband zur Kongresseröffnung, dass Schulen nach PISA zu Lernanstalten á la Nürnberger Trichter verkommen könnten. Er verwies noch einmal auf das Tagungsmotto „Bildung braucht Bewegung“ und knüpfte an die eingangs erhobene Forderung nach körperlichen Übungssituationen an. 480 000 Unfälle, so Micha, ereignen sich jährlich im schulischen Umfeld. „Und das bedeutet nicht, Kletterbäume auf Schulhöfen abzusägen, sondern dafür zu sorgen, dass Mutterboden oder Prellmatten eventuelle Stürze abfedern.“

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