Kultusminister Helmut Rau und Prof. Dr. Baumert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin stellen wissenschaftliches Design der Längsschnittstudie zur Kompetenzentwicklung von Haupt- und Realschülern vor

Auf Initiative von Kultusminister Helmut Rau MdL wird in Baden-Württemberg das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin ab nächstem Schuljahr mit der Längsschnittstudie an baden-württembergischen Haupt- und Realschulen beginnen. "Ich will die Weiterentwicklung der Hauptschulen im Land auf wissenschaftliche Befunde stützen und die Debatte nicht mit Schlagworten über angeblich gerechtere Schulstrukturen führen", sagte Rau. "Wir wollen für alle Schülerinnen und Schüler optimale Förderung, werthaltige Abschlüsse und Chancen des Anschlusses in Beruf oder Schule."

13.06.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Seitens des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung begleiten Prof. Dr. Jürgen Baumert und Prof. Dr. Ulrich Trautwein die Hauptschulstudie - "Lernen und Schulleistung in der Sekundarstufe I unter besonderer Berücksichtigung des Bildungsgangs Hauptschule". Ein Schwerpunkt der wissenschaftlichen Untersuchung liegt darin, die tatsächliche Leistungsentwicklung von Hauptschülerinnen und Hauptschülern in den Klassen 5 bis 9 zu analysieren. Um differenzierte Aussagen zu treffen, werden die Leistungen von Hauptschülern mit den Leistungen von Schülern anderer Schularten verglichen werden. Dazu finden zusätzlich Untersuchungen an Realschulen in Baden-Württemberg und sächsischen Mittelschulen statt. Mitfinanziert wird die Studie von der Robert-Bosch-Stiftung, der Hertie-Stiftung sowie dem sächsischen Kultusministerium.

Insgesamt stehen fünf Problemfelder im Mittelpunkt der Studie. Der erste Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung leistungsschwacher Schüler. Beobachtet wird der tatsächliche Leistungszuwachs in Lesen, Mathematik und der ersten Fremdsprache. Am Ende der Sekundarstufe I soll geprüft werden, welcher Prozentsatz der Schüler die Bildungsstandards erreicht. Außerdem werden auch Komponenten untersucht, die möglicherweise negative Effekte auf die Leistungsentwicklung haben, wie beispielsweise die Zusammensetzung der Schülerschaft. Auf Schulebene werden Fragen zur Effektivität spezifischer Programme und systematischer Unterstützungsmaßnahmen wie der Hausaufgabenhilfe aufgeworfen.

Der zweite Untersuchungsbereich fokussiert Schülerinnen und Schüler, die beispielsweise ADHD aufweisen oder psychische Auffälligkeiten wie Angststörungen oder Depressionen zeigen. Der dritte Bereich untersucht die Effizienz der Fördermaßnahmen leistungsstarker Schülerinnen und Schüler. Der vierte Schwerpunkt liegt auf dem Übertritt von der Haupt-, Real- oder Mittelschule in die Ausbildung beziehungsweise die Fortsetzung der schulischen Laufbahn. In einer geplanten Ergänzung zur Studie soll auch untersucht werden, ob und wie die besuchte Schulform den weiteren schulischen und beruflichen Erfolg beeinflusst. Der fünfte Bereich stellt eine Besonderheit dar, in dem sich diese Studien deutlich von anderen deutsche Schulleistungsstudien unterscheidet: Mit Hilfe einer so genannten experimentellen Interventionskomponente soll untersucht werden, inwieweit Hauptschulklassen von gezielten pädagogisch-psychologischen Interventionsmaßnahmen wie beispielsweise die Förderung von Grundkenntnissen durch intensives, zusätzliches Üben oder durch besonders ansprechende Lernumwelten profitieren. Prof. Baumert: "Die Förderung leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler sowie der Umgang mit Heterogenität in Schulklassen stellt nach wie vor eine zentrale Herausforderung im Schulsystem dar. Die geplante Studie wird helfen, die Entwicklung von Schülern in unterschiedlichen Klassen besser zu verstehen und die Effektivität von Interventionen beurteilen zu können."

Die Studie wird in allen teilnehmenden Bundesländern in jeder untersuchten Schulform (Hauptschule und Realschule sowie Mittelschule) in mindestens 25 Schulklassen durchgeführt. In Baden-Württemberg werden zusätzlich Hauptschulklassen aus Regionen ausgewählt, die erwarten lassen, dass die Arbeit an den dortigen Schulen besondere Aufgaben mit sich bringen. Im Schuljahr 2008/09 beginnt die Studie mit den Klassenstufen 5 und 8. Sie soll drei Messzeitpunkte umfassen, die jeweils für den Herbst vorgesehen sind. Dieses Mehrkohorten-Längsschnittdesign eröffnet die Vorteile einer Längsschnittstudie und lässt bereits nach kurzer Zeit erste Zwischenergebnisse zu. Sie sollen jeweils 14 Monate nach erfolgter Testdurchführung in einem Zwischenbericht zu-sammengestellt werden.

Die Untersuchung umfasst die Leistungsbereiche Mathematik, Deutsch, Englisch als Fremdsprache sowie kognitive Fähigkeiten. Die Testleistungen werden teilweise über einen Itempool erfasst, den das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) entwickelt, teilweise kommen auch Testitems zum Einsatz, die bereits bei anderen Leistungsstudien wie TIMSS oder BIJU eingesetzt wurden. Zusätzlich kommen Instrumente zum Einsatz, die vom MPI gemeinsam mit Experten aus Baden-Württemberg und Sachsen entwickelt wurden. Außerdem werden Fragebögen für Schüler, Eltern und Lehrer zu Lernverhalten, Sozialisation und Lernmotivation eingesetzt.


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