Kultusministerin Karin Wolff zum Start des neuen Schuljahrs 2006/07:

1,1 Prozent weniger Erstklässler, aber 0,6 Prozent mehr Schülerinnen und Schüler an allgemein bildenden Schulen – Lehrer-Nachwuchs in Mangelfächern weiter gefragt.

23.08.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Wenn in der kommenden Woche Hessens Schulen ihre Türen wieder öffnen, beginnt für 58.106 Kinder ein neuer Lebensabschnitt – sie kommen in die erste Klasse, so Kultusministerin Karin Wolff heute vor der Presse in Wiesbaden. Das seien 629 Schüler und Schülerinnen oder 1,1 Prozent weniger als im August des Vorjahres: "Damit setzt sich auch in diesem Jahr der Trend rückläufiger Schulanfängerzahlen fort. Insgesamt werden im Schuljahr 2006/07 in Hessens allgemein bildenden öffentlichen Schulen 664.851 Kinder und Jugendliche unterrichtet, was einer Zunahme von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr mit 660.965 Schülerinnen und Schülern entspricht."

Aufgeschlüsselt nach einzelnen Schularten beschrieb die Staatsministerin folgende Situation: "Die Zahl der Grundschüler – einschließlich Vorklassen und Eingangsstufen sinkt dieses Jahr um 1.041 auf 244.573 – das ist ein Minus von 0,4 Prozent. In den hessischen Hauptschulen werden im neuen Schuljahr 2.014 Schülerinnen und Schüler weniger unterrichtet. Dies ist ein Rückgang um 4,8 Prozent auf 39.993 Kinder und Jugendliche. Hingegen bleibt bei einer Abnahme um ganze 17 die Realschüler-Zahl mit 86.784 annähernd gleich. An den schulformübergreifenden Gesamtschulen werden weniger Kinder unterrichtet: Künftig besuchen 56.680 statt 57.093 Schülerinnen und Schüler solche Gesamtschulen. Das entspricht einer Abnahme um 413 oder 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Zahl der Förderstufen-Schüler sinkt von 28.680 um 15,4 Prozent auf 24.252. Dafür steigen an den Gymnasien unseres Landes die Schülerzahlen auf 188.060. Das sind 10.911 oder 6,2 Prozent mehr als noch im Schuljahr 2005/06! Um 3,7 Prozent erhöht sich die Anzahl der Förderschüler auf 24.509."

Von Grundschulen wechseln 57.937 Schülerinnen und Schüler zum Schuljahr 2006/07 in weiterführende Schulen, davon 4,8 Prozent in fünfte Klassen an Hauptschulen, berichtete Karin Wolff. An Realschulen sind es 14,9 Prozent, an Integrierten Gesamtschulen 16,8 Prozent, an Förderstufen 19,6 Prozent, während die Gymnasien mit 40,3 Prozent den Hauptanteil der Schülerinnen und Schüler verzeichnen. In Stufe 7 werden nach den Versetzungskonferenzen hingegen voraussichtlich 15,3 Prozent schulformunabhängige Gesamtschulen, 15,8 Prozent Hauptschulen, 26 Prozent Realschulen und 38,3 Prozent Gymnasien besuchen. Die Gesamtzahl der prognostizierten Schülerzahlen lag in den vergangenen Jahren zirka 1,5 Prozent über der erst im November veröffentlichten offiziellen Statistik, betonte die Kultusministerin.

Im beruflichen Bereich rechnet sie dieses Jahr mit einem weiteren Anstieg der Schülerzahlen: "Weil sie keine Lehrstelle bekommen, werden wohl 3.000 Schülerinnen und Schüler mehr als im Schuljahr 2005/06 nach ihrem Abschluss in die Vollzeitberufsschule mit mindestens 30 Wochenstunden Unterricht wechseln", bedauerte Karin Wolff. Von der Wirtschaft erwarte sie noch Einstellungen: "Unnötige Warteschleifen frustrieren die Jugendlichen und belasten den Landeshaushalt", kritisierte die Staatsministerin. Im Gegensatz zum Vollzeitmodell seien die Zahlen im Teilzeitbereich mit wöchentlich 12 Unterrichtsstunden rückläufig, verlässliche Prognosen derzeit allerdings schwierig, da Ausbildungsverträge partiell erst im September oder Oktober abgeschlossen werden.

"Der Stundenplan der hessischen Schülerinnen und Schüler entspricht weiter der geltenden Stundentafel. Die Unterrichtsgarantie ist und bleibt Grundlage für mehr Bildungsqualität", sagte Karin Wolff. Unter weiter schwierigen Rahmenbedingungen sei es den Staatlichen Schulämtern gelungen, die Unterrichtsversorgung zu garantieren. Dafür dankte die Ministerin allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Trotz der bundesweit angespannten Lage auf dem Ausbildungsmarkt werde Hessen unbeirrt seinen Weg zum Bildungsland Nummer eins fortsetzen: "Der Stellenwert der Bildungspolitik ist bei uns ungebrochen", bekräftigte die Ministerin. Hessens Schulen blieben von den Belastungen des Landeshaushalts verschont. Dafür habe das Kabinett von Ministerpräsident Roland Koch im Haushalt 2006 weitere 130 Lehrerstellen zusätzlich ausgebracht, die insbesondere für Ganztagsschulen, SchuB-Klassen zum Lernen und Arbeiten in Schule und Betrieb oder das Verkürzen des Bildungsgangs an den verbliebenen 30 Prozent der hessischen Gymnasien zum Abschluss des G-8-Projekts eingesetzt werden. Die Vorbereitungen liefen "auf Hochtouren", um im neuen Schuljahr erstmals in Hessen das Landesabitur zentral durchzuführen.

"Insgesamt stehen 42 Millionen Euro, das sind 16 Millionen Euro mehr als im Vorjahr, nur für den Vertretungsunterricht im Haushalt", hob Karin Wolff die Verlässliche Schule als "großes Plus und Ausbaustufe der bisherigen Unterrichtsgarantie" hervor. Großflächen-Plakate und City-Light-Poster wiesen landesweit mit Hotline-Nummer auf die Montag startende Unterrichtsgarantie Plus hin. Mit pro Jahr 30 Millionen Euro allein in schuleigenen Vertretungspools könnten alle kurzfristigen Vertretungen, speziell bei plötzlich erkrankten Lehrkräften, flexibel organisiert und finanziert werden. Als Ziel der Unterrichtsgarantie Plus für eine Verlässliche Schule nannte die Ministerin das Verbessern der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, damit Eltern ihre Tagesplanung verbindlich auf den Stundenplan ihrer Kinder abstimmen können. Durch konsequentes Vertreten von bisher ausgefallenen Stunden werde die Unterrichtsqualität an Hessens Schulen deutlich steigen. Sie nutzte die Gelegenheit, ein neues Faltblatt "Helfen Sie mit: Machen Sie Hessens Schulen verlässlich!" vorzustellen, mit denen ihr Ministerium die Schulen beim Gewinnen weiterer qualifizierter Vertretungskräfte unterstützen will, da in diesem Bereich eine hohe Fluktuation erwartet wird.

Frühe Planungssicherheit für die Staatlichen Schulämter habe in diesem Jahr zu einer deutlichen Entspannung beim Einstellungsverfahren beigetragen: Bereits im April 2006 konnten für 97 Prozent der zu besetzenden Lehrerstellen feste Zusagen gemacht werden. "Das sind stolze sieben Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und wir riskieren kaum noch Verluste qualifizierter Bewerber an andere Bundesländer", freute sich Karin Wolff. Zum Schuljahresbeginn seien 1.737 Stellen zu besetzen. "Ich bin zuversichtlich, dass wir auch die momentan noch offenen 224 Stellen rasch mit jungen Referendaren besetzen können", sagte sie. Im Oktober würden über 1.100 Referendarinnen und Referendare ihre Ausbildung abschließen und für den Schuldienst bereit stehen.

Von im vergangenen Schuljahr rund 500 für den überplanmäßigen Unterrichtsbedarf abgeschlossenen BAT-Verträgen konnten 300 in Beamtenstellen umgewandelt werden, ergänzte sie: "Die übrigen folgen 2007, damit die Lehrkräfte ihren Klassen erhalten bleiben und persönlich Planungssicherheit erhalten."

Hingegen bleibe die Lehrerversorgung nach Fächern stellenweise problematisch: "Uns fehlen geeignete Fachkräfte, keine Stellen." Für Chemie, Physik, Mathematik, Englisch und Musik an Haupt- und Realschulen gebe es immer noch zu wenig Lehrkräfte. Dies gelte auch für Physik und Latein an Gymnasien. In beruflichen Schulen fehle es im Feld Wirtschaft und Verwaltung weiter an Lehrerinnen und Lehrern für Informatik und Fremdsprachen sowie an Lehrkräften für Metall- und Elektrotechnik, wo Diplom-Ingenieure als Quereinsteiger beste Chancen hätten. Karin Wolff setzt nicht nur die hessische Lehrernachwuchs-Kampagne fort, sondern auch auf weitere Initiativen, um dieser Problematik zu begegnen. So sei Quereinsteigern der Zugang zu Mangelfächern erleichtert worden: Das Diplom von Diplom-Physikern könne als dem ersten Staatsexamen gleichwertig anerkannt werden, um einen direkten Einstieg in den Vorbereitungsdienst zu ermöglichen. Ähnliches gelte für alle Universitäts-Absolventen in Mangelfächern. Ferner werde Fachhochschul-Absolventen in den Bereichen Elektrotechnik und Maschinenbau für das Lehramt an beruflichen Schulen an den Universitäten Darmstadt und Kassel ein Aufbaustudiengang angeboten.

Gute Nachrichten verbindet die Kultusministerin auch mit dem Ganztagsangebot nach Maß: Zum neuen Schuljahr kämen 70 Schulen neu in das Ganztagsprogramm, das auf insgesamt 406 Schulen wächst. Dafür stelle das Land Hessen 830 Lehrerstellen zur Verfügung. Im Laufe des neuen Schuljahres, konkret am 31. Januar 2007, ende die Erprobungsphase des Bildungs- und Erziehungsplans: "Wir werden die Resultate gründlich auswerten und einarbeiten", sagte Karin Wolff.


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