"Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler haben ein neues Zuhause"
"Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler haben ein neues Zuhause." So lautet die Bilanz von Kultusministerin Karin Wolff nach dem ersten Jahr des Bestehens der Internatsschule Schloss Hansenberg im Rheingau. Die Schule bietet leistungsstarken Schülerinnen und Schülern eine besondere Förderung, verkürzt die Schulzeit um ein Jahr, integriert Know-how und spezifische Angebote von Unternehmen in den Unterricht und schafft so eine frühzeitige Verbindung von Theorie und Praxis. Die ersten Erfahrungen belegen, dass die Schülerinnen und Schüler den in sie gesetzten Erwartungen gerecht werden. "Sie reagieren auf die erhöhten Anforderungen mit großem Einsatz und Eifer. Ja, sie fordern das sogar ein", sagte Wolff.
13.07.2004 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und ChancenNach den Worten von Schulleiter Wolfgang Herbst ist es schon mit dem ersten Jahrgang der jungen "Hansenberger" gelungen, in Klasse 11 den Lehrstoff der Klassen 10 und 11 zu erarbeiten. "Sie zeigen erhebliche Kreativität und Leistungsbereitschaft auch außerhalb der schulischen Fächer", sagte Herbst. Mit unerwartet hoher Intensität widmeten sie sich in ihrer Freizeit der Musik und dem Sport. Ob Universitätsbesuche angeboten werden, ob Workshops, Theater oder Konzerte: "Zusätzliche Angebote werden regelrecht verschlungen", so Herbst.
Die Internatsschule Schloss Hansenberg ist ein Oberstufengymnasium in der Trägerschaft des Landes Hessen. Die Schule nimmt besonders leistungsmotivierte und leistungsfähige Schülerinnen und Schüler nach der 9. Klasse auf und führt sie in drei Jahren zur Abiturprüfung. Dabei verwirklicht sie den Grundsatz, dass jede Schülerin und jeder Schüler einen Anspruch auf optimale Förderung der jeweiligen Anlagen und Begabungen hat. "Es geht darum, jenseits sozialer Schranken Talente zu fördern. Hier gibt Hansenberg dem Bildungswesen insgesamt wichtige Impulse für mehr Leistung und Anstrengung", so Wolff.
Der Schulbetrieb begann am 1. September 2003 mit 33 Schülerinnen und 33 Schülern. Zurzeit sind drei Sozialpädagogen sowie - einschließlich Schulleitung - 13 Lehrkräfte auf dem Hansenberg tätig, wobei einige auch an Nachbarschulen Unterricht erteilen. Die Schule wird von drei Partnern aus der Wirtschaft (Dresdner Bank, Altana und Linde) im Rahmen einer "public-private-partnership" als Hauptsponsoren unterstützt. Über einen Förderverein erfolgt weitere finanzielle Unterstützung.
Für die Schule gelten die Bestimmungen der Verordnung zur gymnasialen Oberstufe und zur Abiturprüfung des Landes Hessen. In der Qualifikationsphase müssen auf Hansenberg drei Leistungsfächer gewählt werden, nämlich Mathematik, Politik/Wirtschaft und eine der drei Naturwissenschaften Biologie, Chemie oder Physik. Zwei Fremdsprachen durchgängig bis zum Abitur sind Pflicht, eine davon ist Englisch. Im Angebot sind ferner Französisch, Latein, Chinesisch oder Spanisch sowie Italienisch als AG. Zur Vertiefung der Sprachkenntnisse und zum Einblick in die Berufs- und Arbeitswelt werden alle Schülerinnen und Schüler zu Beginn der 12. Klasse ein zirka vier- bis sechswöchiges Praktikum im Ausland absolvieren. Ziele sind etwa London, Paris, Athen, Madrid, Istanbul oder auch Toronto, Miami und Moskau.
Die mathematisch/naturwissenschaftliche Schwerpunktbildung, das frühere Erwachsenwerden durch das Leben im Internat und die Möglichkeit, zielstrebig durch eine verkürzte Schulzeit das Studium früher aufzunehmen, sind für Wolff "Antworten auf PISA und die aktuelle Diskussion um die Öffnungsklausel zum Hochschulzugang und zur Schaffung von Elite-Universitäten". Dabei verstehe sich Hansenberg als ein Mosaikstein im gesamten Bildungssystem. Die Versuchs- und Modellschule werde regelmäßig einer Evaluation unterzogen, an der gegenwärtig die Universität Marburg (Prof. Dr. Rost) beteiligt ist.
Nach der Erfahrung, dass die Jugendlichen in ihrem Eifer regelrecht gebremst werden müssen, wurde das Schul- und Internatslebens an die Herausforderungen angepasst und Studientage sowie ein Mentorenkonzept eingeführt. Beim Studientag bieten die Lehrkräfte alle 14 Tage ein Thema, das nicht mit den aktuellen Unterrichtsinhalten verknüpft sein muss, oder Lernunterstützung an. Im Mentorenkonzept wird jeder Wohnung eine Lehrkraft zugeordnet, die vor allem die akademische Entwicklung seiner acht "Schützlinge" begleitet.
Das durchschnittliche Arbeitspensum der Schülerinnen und Schüler auf dem Hansenberg beträgt 40 Unterrichtsstunden an sechs Tagen pro Woche plus Hausaufgaben. Zusätzlich wird die Teilnahme an mindestens einer AG (Jugend forscht, Wettbewerbe, Musik, Theater, Kunst, Schülerzeitung, Jahrbuch) verlangt. Zur Festigung des sozialen Engagements muss sich jeder mindestens einer Servicegruppe anschließen und entweder den Hausmeister unterstützen, bei Bühnenaufbau, Gartenpflege sowie in der Bibliothek helfen, oder ausländische Kinder der örtlichen Grundschule betreuen. Auch die Pflichten im Haushalt kommen nicht zu kurz: Wäsche waschen und Zimmer reinigen gehören dazu.
Die Unterbringung im Internat wird von 62 der 66 Jugendlichen genutzt. Sie kostet 300 EURO im Monat. Ein Schulgeld wird nicht erhoben. Getrennt nach Mädchen und Jungen, bilden je acht eine Wohngruppe, die jeweils von einem Sozialpädagogen und einem Lehrer als Mentor betreut wird. Das gemeinsame Essen in der Mensa ist fester Bestandteil im Tagesablauf. An jedem dritten Wochenende dürfen die Internatsschüler nach Hause fahren.
Nach den Ferien beginnt für alle 66 "ersten Hansenberger" das 12. Schuljahr mit dem Auslandspraktikum. Ende August 2004 kommt dann auch der neue 11. Jahrgang: 64 Schülerinnen und Schüler (33 Mädchen und 31 Jungen), davon gehen 63 ins Internat. Parallel wird das Kollegium um fünf Lehrkräfte und drei Sozialpädagogen erweitert.
Weitere Informationen unter www.hansenberg.de
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