Lesen beginnt vor dem Lesen: Wie Förderung leseschwacher Jugendlicher gelingen kann
Defizitäre Leseleistungen an weiterführenden Schulen sind durch PISA ins allgemeine Bewusstsein gerückt – für Schulpraktiker zeichnete sich die Brisanz der Lage schon vorher ab, vor allem an Hauptschulen, aber auch an Realschulen und Gymnasien. Bereits 1998 begann der Cornelsen Verlag im Dialog mit Lehrerinnen und Lehrern, Konzepte zur Leseförderung in der Sekundarstufe zu entwickeln. Denn immer deutlicher zeigte sich, dass begrenzte Lesefähigkeit Jugendliche daran hindert, Standards zu erfüllen und im Fachunterricht mitzukommen – während sich unter Lehrkräften oft Resignation ausbreitet, angesichts der Kluft zwischen tatsächlichen Leistungen und Erwartungen.
07.09.2010 Pressemeldung Cornelsen Verlag GmbHDabei können leseschwache Schülerinnen und Schüler auch in höheren Klassenstufen noch aufgefangen werden: Notwendig sind allerdings pragmatische Lösungen und die Bereitschaft, Lesen als Grundkompetenz zu vermitteln – und nicht vorauszusetzen. Diese Erkenntnis floss in ein neues Sprach- und Lesebuch für die Hauptschule ein: Doppelklick, das inzwischen auch in einer differenzierenden Ausgabe für gemischte Schulformen vorliegt. Bei der Leseförderung kamen hier zum ersten Mal Methoden aus dem "Deutsch als Zweitsprache"-Unterricht zum Einsatz. Darüber hinaus wurde eine interkulturelle Perspektive entwickelt. Ein Herzstück des Doppelklick-Konzeptes war und ist der sogenannte "Textknacker": ein methodischer Werkzeugskasten, mit dem sich die Schülerinnen und Schüler selbstständig einen Zugang zu Texten erarbeiten können. Bereits bei Erscheinen der ersten Doppelklick-Ausgabe im Jahr 2001 stieß der Textknacker bei den Lehrerinnen und Lehrern auf große Resonanz. Das Methodentraining wurde stetig weiterentwickelt, mit Ergebnissen der Leseforschung vernetzt und ist heute auch Bestandteil vieler anderer Materialien zur Leseförderung.
Lesen erforschen, Lesen trainieren: der Textknacker
Problematisch ist für leseschwache Jugendliche meist nicht das Dekodieren von Wörtern, sondern das Verstehen längerer Einheiten: Lesen wird nicht mit Sinnentnahme, sondern mit dem Artikulieren von Lauten gleichgesetzt. "In der Sekundarstufe wurden Strategien für das verstehende Lesen lange Zeit vernachlässigt", so Gabriele Biela, Gruppenleiterin Deutsch im Cornelsen Verlag. "Gerade literarische Lektüre verband man mit ´Leseerlebnissen´, die Texte sollten ihre Wirkung entfalten. Aber das ist natürlich gar nicht möglich, wenn die Grundkompetenz fehlt oder entscheidende Weichen nicht gestellt wurden. Vor PISA hatte man durchaus noch Skrupel, diese Situation so deutlich zu benennen."
Das erstmals für das Schulbuch Doppelklick entwickelte Methodentraining, der "Textknacker", hilft dabei, Lesestrategien zu entwickeln. "Lesen ist wie eine unbekannte Insel erkunden", so heißt es in der neuen Ausgabe von Doppelklick. "Du näherst dich mit dem Hubschrauber und erkennst zunächst nur die Umrisse, du verschaffst dir einen Überblick. Dann erkundest du die Insel Schritt für Schritt. Genauso verhält es sich mit dem Lesen von unbekannten Texten." Durch das Betrachten von Bildern und Überschriften erfolgt eine "Vorentlastung": Die Schülerinnen und Schüler erfahren so schon einen Menge über den Inhalt des Textes, Vorwissen wird aktiviert. Hervorgehobene Schlüsselwörter, gliedernde Zwischenüberschriften und Worterklärungen unterstützen das Textverständnis weiter – Methoden, die beim Vermitteln von Deutsch als Fremdsprache angewendet werden. Es ist wichtig, diese Werkzeuge in einen mündlichen und schriftlichen Austausch über die Inhalte der Texte einzubinden, Fragen, Hypothesen und Assoziationen zur Sprache zur bringen, bis hin zum Gespräch über Textstrukturen und das Lernen selbst. Das schrittweise, gestützte Vorgehen ermöglicht Erfolgserlebnisse, die weiter motivieren. Die Schüler lernen, ihre Leseprozesse und ihr Leseverständnis zu kontrollieren – und etwa auch zu begreifen, dass sie ganz persönliche Ziele in Bezug auf einen Text entwickeln und sich fragen können: Was möchte ich wissen, welche Informationen brauche ich? Nach und nach können sie so ihre eigene "Leser-Persönlichkeit" entwickeln.
Stolpersteine ausräumen durch interkulturelle Konzepte
Lesen ist ein komplexer Prozess, bei dem Vorwissen und Vorstellungen eine große Rolle spielen. Daher können Verständnisprobleme bei unerfahrenen Lesern auch darauf zurückzuführen sein, dass ein Text keinen Bezug zu ihrer jeweiligen Lebenswelt herstellt. Angesichts der wachsenden Heterogenität in den Klassen, den stark von einander abweichenden kulturellen und sozialen Hintergründern der Jugendlichen ist Interkulturalität ein wichtiges Stichwort für die Leseförderung. Bei der Auswahl für Doppelklick wird darauf geachtet, dass die Texte "Grunderfahrungen" behandeln, die auf der ganzen Welt Gültigkeit haben – wie Gefühle, Kommunikation oder Lebensentscheidungen. Wertungen werden vermieden, die Schüler/innen sollen üben, verschiedene Perspektiven einzunehmen. Aus dem interkulturellen Ansatz ergibt sich auch eine Gliederung nach Themen, denen die fachlichen Inhalte jeweils zugeordnet werden. Auf diese Weise wird Lernen vernetzt: Die Jugendlichen aktivieren ihr Vorwissen in verschiedenen Kontexten – was wiederum das Textverständnis unterstützt. Zur Interkulturalität gehört natürlich auch, dass die Mehrsprachigkeit vieler Schüler/innen miteinbezogen wird – etwa im Hinblick auf "Stolpersteine" im Vokabular, in der Grammatik oder in den Aufgabenstellungen. Expertise und Sensibilität für diese Problematik war im Doppelklick-Team von Anfang an vorhanden. Die Autorinnen und Autoren haben selbst unterschiedliche kulturelle Hintergründe.
Doppelklick gibt es für die Hauptschule in einer allgemeinen Ausgabe und in Länderausgaben, jeweils für die Schuljahre 5 bis 10.
Beispiel:
Doppelklick
Das Sprach- und Lesebuch
Allgemeine Ausgabe
6. Schuljahr
978-3-464-60875-3
Für gemischte Schulformen liegt Doppelklick nun auch in einer "Differenzierenden Ausgabe" vor, momentan für die 5., die 6. und die 7. Klasse.
Beispiel:
Doppelklick
Das Sprach- und Lesebuch
Differenzierende Ausgabe
6. Schuljahr
Schülerbuch
ISBN 978-3-464-61191-3
Doppelklick
Das Sprach- und Lesebuch
Handreichungen für den Unterricht
6. Schuljahr
ISBN 978-3-464-61179-1
www.cornelsen.de/doppelklick
Ansprechpartner
Cornelsen Verlag GmbHNicole Weiffen
Cornelsen Verlag GmbH, Mecklenburgische Straße 53
14197 Berlin
Telefon: +49 89785-8286
E-Mail: nicole.weiffen@cornelsen.de
Web: cornelsen.de
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